Reise
Montag, 14. Juli 2008

Fontane-Festspiele geplant: Neuruppin will Erbe pflegen

Fontanes Geburtshaus
Fontanes Geburtshaus

Der "Dichter der Mark" sitzt lässig, mit übergeschlagenen Beinen, auf einer steinernen Bank und blickt versonnen über die Straße. Bis auf dieses Denkmal finden sich im brandenburgischen Neuruppin jedoch kaum Spuren vom berühmtesten Sohn der Stadt. "Neuruppin hat bislang viel zu wenig aus der kulturellen Verpflichtung als Geburtsort Theodor Fontanes gemacht", räumt Bürgermeister Jens-Peter Golde (Pro Ruppin) ein. Doch das soll sich bald ändern, wenn es nach dem Mann an der Spitze der knapp 33.000- Einwohner-Stadt geht: Von 2010 an sollen alljährlich Fontane-Festspiele Gäste aus ganz Deutschland locken.

Geplant sind vor allem Lesungen und Theater, aber auch andere künstlerische Darbietungen. "Es geht nicht darum, Effi Briest aufzuführen, sondern im Geiste Fontanes kulturelle Anreize zu schaffen", sagt Golde. Zwar fehlt noch die finanzielle Absicherung - Golde will seine Pläne nach der Sommerpause dem Stadtparlament unterbreiten -, doch Partner hat er schon gefunden.

So will der Komponist und Künstlerische Leiter der Kammeroper Schloss Rheinsberg, Siegfried Matthus, ein "oratorisches theatralisches Spektakel" auf Grundlage der Fontane-Novelle "Grete Minde" komponieren, das künftig immer zum Auftakt des Festivals erklingen soll. Sein Sohn Frank will das Libretto schreiben. "Ich finde es schön, dass sich die Stadt zwar spät, aber nun doch auf Fontane besinnt", meint Matthus senior.

Land zwischen Oder und Elbe berühmt gemacht

Er rechne fest mit einer bundesweiten Ausstrahlung eines solchen Festivals, schließlich sei Fontane (1819-1898) "kein Heimatdichter". "Seine Werke ragen in die Weltliteratur hinein." Der Romancier hat mit seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" diesen Landstrich berühmt gemacht. Anno 1864 meinte der Apotheker und Hugenotte: "Es ist mit der märkischen Natur wie mit manchen Frauen. Auch die hässlichste, sagt das Sprichwort, hat immer noch sieben Schönheiten. Ganz so ist es mit dem Land zwischen Oder und Elbe." Man müsse die Schönheit nur zu finden verstehen.

In Neuruppin besaß Fontanes Vater die "Löwen-Apotheke", in dem noch heute erhaltenen Haus wurde der Schriftsteller geboren. 1827 zog die Familie nach Swinemünde. Fontane weilte noch einmal von Ostern 1832 bis Herbst 1833 in Neuruppin und besuchte dort das Gymnasium. Vorbild für die Festspiele in Erinnerung an den Schriftsteller könnten laut Golde die Störtebeker-Festspiele in Ralswiek (Mecklenburg-Vorpommern). Von "Bayreuther Festspielen" in der Brandenburg sei man als Kleinstadt aber natürlich weit entfernt. Er könne sich bis zu 20.000 Zuschauer pro Festspiel-Woche vorstellen.

Die Kleinstadt Neuruppin trägt zwar seit 1998 den werbewirksamen Zusatz "Fontanestadt", aber nicht nur die schlechte Bahnanbindung an Berlin behindert die touristische Entwicklung massiv. Vor allem die negativen Schlagzeilen über Korruptionsfälle - unlängst wurde ein langjähriger Bürgermeister zu neun Monaten auf Bewährung wegen Vorteilsnahme im Amt verurteilt - zeigen bis heute ihre Wirkung. Dazu kam organisierte Kriminalität, die Neuruppin den Beinamen "Palermo der Mark" einbrachte. Übrigens hatte auch Fontane einst kaum ein gutes Haar an seiner Geburtsstadt gelassen - so kritisierte er die "bedenklich raumverschwendende Anlage" von Straßen und Plätzen. Nun sitzt er selbst in Bronze gegossen mitten in Neuruppin.

Quelle: n-tv.de