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Campen und Saufen Oktoberfest lockt Trink-Touristen

Das weltweit größte Volksfest lockt haufenweise Touristen aus Australien, England und den USA nach München. Die, die es möglichst billig haben wollen, zelten im Stadtteil Thalkirchen. Wenig Hygiene, kein Komfort, viel Bier.

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Bier geht auch auf dem Zeltplatz: Gruppe junger Oktoberfest-Touristen, (v.l.) Russell (Kanada), Andrew (Australien) und Dave (Australien).

(Foto: dpa)

Zu Oktoberfestzeiten wird Englisch gesprochen, zumindest am Ufer der Isar in München. Der Campingplatz im Stadtteil Thalkirchen ist voll von Pauschaltouristen. Studenten aus den USA, Australien, Neuseeland und Großbritannien haben direkt am Fluss die Oberhand über alle Gewohnheitscamper gewonnen. Die meisten kommen mit einem großen Ziel vor Augen: Das größte Volksfest der Welt live mitzuerleben - und jeden Tag möglichst viel zu trinken, vor allem darum geht es ihnen.

Exzessiver Wiesn-Tourismus

Der Wiesn-Tourismus für Billigreisende ist exzessiv. Ein halbes Dutzend Pauschalanbieter hat sein Lager auf dem Campingplatz aufgeschlagen, Hunderte kleine Einheitszelte stehen als Übernachtungsquartiere aneinandergereiht wie Perlen an einer Kette. Für die Anbieter gehört das Oktoberfest zu den erträglichsten Geschäften des Jahres. "Denke groß, dann multipliziere es mit 100 und Du wirst die enorme Bedeutung des Oktoberfestes verstehen", schreibt die britische Firma Topdeck in ihrem Katalog.

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Ein halbes Dutzend Pauschalanbieter aus dem Ausland hat seine Zelte auf dem Campingplatz aufgeschlagen.

(Foto: dpa)

Die Werbung schlägt an. 700 Engländer sind dem Ruf des Anbieters dieses Jahr gefolgt, alle zwischen 18 und 30 Jahren alt - das ist Maßgabe. Topdeck konzentriert sich wie seine Kontrahenten auf die Jugend. Das Standardpaket Oktoberfest kostet pro Person 309 Pfund, knapp 360 Euro. Es umfasst den Start mit dem Bus in London, die Ankunft in Thalkirchen, einen täglichen Shuttle-Service zur Theresienwiese - und das Zelt. Nach sechs Tagen geht es in der Regel zurück.

Nur das Allernötigste

Ihren Kunden bietet Topdeck auf dem Campingplatz das Nötigste, und kein Stückchen mehr. Die 350 Zelte sind zweimal zwei Meter groß und werden von zwei Personen geteilt. Wer wo schläft, entscheidet die Firma - "die meisten kennen ihren Schlafnachbarn vorher nicht", sagt Amilia, eine Organisatorin. Der Abstand zwischen den Zelten ist oft nur zentimetergroß, immerhin Frühstück wird angeboten - für diejenigen, die rechtzeitig aufstehen.

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Cameron aus Australien auf dem Campingplatz in München.

(Foto: dpa)

Ganz in der Nähe des Werbestandes, den Topdeck aufgebaut hat, liegt auf einem kleinen Stückchen freien Rasens Erbrochenes zwischen Erdnussflips. Einer präsentiert neben seinen Stiefeln am Zelt stolz zwei Maßkrüge und eine Nachricht: "Just stolen" - gerade geklaut. Auf dem Campingplatz gibt es ein paar Toiletten und zu wenig Duschen, aber Hygiene ist sowieso eine Kategorie, die hier untergeht.

Feiern von 9 Uhr morgens bis 11 Uhr abends

Für den 24-jährigen Dave aus Australien und die 21-jährige Jayce aus Neuseeland ist das Oktoberfestleben nach einer Woche zur Normalität geworden. Sie sind zwei Wochen lang da, am Vortag feierten sie von neun Uhr morgens bis elf am Abend, und selbst ihre Mützen können die roten Köpfe und den Kater nicht verbergen. Er hatte fünf Bier, sie eine Flasche Wein, eine Flasche Wodka. Nun, am Vormittag, warten sie auf später, dann geht es wieder zurück aufs Volksfest.

Als "die Party-Profis" outet sich ihr Reiseunternehmen auf einem großen Banner, das an zwei Bäumen festgezurrt ist. Ansonsten hat der Londoner Anbieter PP Travel dasselbe System. "Für uns ist es das Tollste, hier zu sein. In der Heimat hat das Oktoberfest einen herausragenden Ruf - deswegen kommen so viele", sagt Jayce.

Quelle: n-tv.de, Michael Brehme, dpa

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