Reise

Spaziergang durch Gegenwartskunst Städel hat spektakulären Neubau

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Die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth, der Städel-Direktor Max Hollein, Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, der Vorsitzende der Städelschen-Administration, Nikolaus Schweickart, die Vorsitzende des Städelschen Museums-Vereins, Sylvia von Metzler, und der Vorstandschef der der Deutschen Bank, Josef Ackermann, bei der Eröffnung.

(Foto: dpa)

Das Städel hat angebaut. Ein Erweiterungsbau hat die Ausstellungsfläche fast verdoppelt. Die Alten Meister haben junge Mitbewohner bekommen. Im Gründerzeitbau oben Dürer und Rembrandt, in der unterirdischen Gartenhalle Gerhard Richter und Neo Rauch.

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Besucher vor Bullaugen aus bruchsicherem Spezialglas die sich hinter dem "alten" Städel über der Halle des Erweiterungsbaus wölben.

(Foto: dpa)

Die Kunst nach 1945 lässt sich kaum linear erzählen, zu vieles passiert parallel oder überschneidet sich. In der neuen Ausstellungshalle für Gegenwartskunst im Frankfurter Städel-Museum ist diese Erkenntnis mit Konsequenz in eine sehr intelligente Hängung umgesetzt worden. Der Besucher läuft nicht an einer imaginären Zeitleiste entlang, sondern flaniert zwischen Themen und Theorien wie zwischen Feldern und Häusern, er schreitet auf seinem Weg Diskussionslinien ab und kann an zentralen Kreuzungen jederzeit die (Kunst-)Richtung ändern.

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Eine Frau führt eine Performance des Künstlers John Bock aus.

(Foto: dpa)

Von außen ist der Erweiterungstrakt kaum zu sehen. Das Frankfurter Architektenbüro schneider+schumacher durfte nicht ein weiteres Architektur-Ausstellungsstück ans Museumsufer stellen wie Richard Meier, Oswald Mathias Ungers oder Günter Behnisch. Ihr 3000 Quadratmeter großer und 34 Millionen Euro teurer Neubau liegt auf der Rückseite des Städel unter der Erde. Von außen nur eine - von 195 runden Glasfenstern durchsiebte - Wölbung im Rasen, offenbart der Bau erst im Inneren seine Pracht.

Von oben (aus der klassischen Moderne) kommend, läuft der Besucher zunächst über eine Art Brücke mit Werken der 1920er und 1930er Jahre. Der eigentliche Rundgang durch die Kunst nach 1945 beginnt auf einem zentralen Platz in der Mitte des Saals, dort, wo die Deckenwölbung am höchsten ist. Hier scheiden sich die zwei Grundhaltungen der Moderne: Rechter Hand hängen eher die abstrakten Positionen, linker Hand die mehr gegenständlichen Kunstwerke, in der Mitte aktuelle Malerstars, die sich dieser Zweiteilung entziehen wie Neo Rauch und Daniel Richter.

Nicht nach "Ismen" geordnet

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Skulptur "Lutsch und lass Deine Hose runter (für den Frieden)" von Tobias Rehberger.

(Foto: dpa)

330 Werke haben Städel-Direktor Max Hollein und Sammlungsleiter Martin Engler aus den 1200 Neuzugängen ausgewählt, die das Städel in den letzten fünf Jahren für den neuen Sammlungsschwerpunkt erworben hat. Sie sind nicht nach "Ismen" geordnet, sondern um inhaltliche Schwerpunkte herum gruppiert. In knappen Wandtexten werden Bezüge nur sehr dezent hergestellt, ergänzt durch ein historisches Ereignis und ein zeittypisches Zitat.

"Informel" wird als Wiedergänger durch die Jahrzehnte durchdekliniert. Welche "Form nach dem Verlust der Form" möglich ist, wird mit Francis Bacon diskutiert. "Das Material atmet Geschichte" steht bei Anselm Kiefer. Es gibt "Deutsch-Deutsche Rebellen" wie Markus Lüpertz, "Kapitalistischen Realismus" von Sigmar Polke und "German Pop" à la Martin Kippenberger. In einem Kabinett zum Thema Stadt hängt ein Bild von Gerhard Richter neben einem Foto von Andreas Gursky.

Bestes und Unbekanntes

Der Rundgang durch das neue Städel: ein "best of" der Gegenwartskunst, der aber auch unbekannte Namen zutage fördert. Dazwischen "Stolpersteine" wie Tobias Rehbergers Skulptur "Lutsch und lass Deine Hose runter (für den Frieden)" - die kleine Wasserlache auf dem Boden ist nicht das erste Leck der Oberlichter, sondern gehört zum Kunstwerk.

Leni Hoffmann lässt ein gelbes Kabel aus einer der Dachluken hängen und eine elegante "Raumzeichnung" auf dem Fußboden malen. So schafft das neue Städel am Ende sogar noch den Sprung heraus aus dem zweidimensionalen Bild in den dreidimensionalen Raum.

Quelle: n-tv.de, Sandra Trauner, dpa

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