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Besser als im stickigen Gym?Ausprobiert: 30 Tage Outdoor-Fitness statt Fitnessstudio

16.06.2026, 06:00 Uhr Autor-Sebastian-PriggemeierVon Sebastian Priggemeier
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Ran an die Ringe! Beim Training im Fitnesspark geht es darum, sich richtig reinzuhängen. (Foto: ntv.de)

Schlechte Luft, schwüle Hitze, Schweißgeruch: Im Sommer ist das Fitnessstudio einfach kein schöner Ort. Ist Outdoor-Fitness eine Alternative? Ich habe einen Monat lang ausschließlich draußen trainiert – und dabei einige Überraschungen erlebt.

Ob es so etwas gibt wie eine Fitnessstudio-Müdigkeit? Ich trainiere seit deutlich mehr als zehn Jahren in Fitnessstudios, meist mit großer Freude, aber in letzter Zeit oft mit solchen Gedanken: Immer dieselben Geräte, immer dieselben Übungen und dann die schlechte Luft, gerade im Sommer. Dabei gibt es ja Alternativen, vor allem in Großstädten. In meiner unmittelbaren Nachbarschaft wurden in den vergangenen Jahren gleich zwei Fitnessparks eröffnet – also frei zugängliche Outdoor-Fitnessstationen mit glitzernden Gestängen für Kraftübungen an der frischen Luft (quasi Trimm-Dich-Pfade 2.0). Kann so etwas eine Dauerlösung sein? Trainieren bei Wind und Wetter? Und kann ich mir damit eventuell sogar die teuren Mitgliedsbeiträge fürs Fitnessstudio sparen? Um einen Eindruck zu bekommen, habe ich einen Monat lang nur draußen trainiert.

Outdoor-Training geht für mich nur kurz und knackig

Mein wichtigstes Ziel: Weiterhin effektiv und intensiv trainieren, aber ohne Hanteln – denn die sind zu schwer, um sie von der Wohnung bis in den Park zu schleppen. Mein zweitwichtigstes Ziel: Etwas beweglicher werden. Durch das jahrelange Krafttraining im Gym bin ich leider muskulär arg verkürzt. Etwas Abwechslung würde meine Beweglichkeit sicher verbessern. Ebenfalls wichtig: Das Training darf nicht allzu lange dauern, denn als Vater habe ich unter der Woche maximal 45 Minuten Zeit für eine Trainingseinheit. 20 bis 30 Wiederholungen pro Satz sind also nicht drin, das Workout muss kurz und knackig sein. Und genau da liegt bei reinen Bodyweight-Workouts ohne Hanteln oft das Problem, wie ich als studierter Sportwissenschaftler weiß. Trainierte Sportler brauchen koordinativ anspruchsvolle Bewegungsabläufe oder Zusatzgewichte, um ihre Muskeln adäquat zu fordern – was im Fitnessstudio kein Problem ist, im Park schon.

Für meinen Selbstversuch brauche ich daher mobiles Equipment. Wer im Internet zum Thema Outdoor-Training recherchiert, stößt schnell auf Calisthenics. Dabei handelt es sich um eine Form des Krafttrainings, bei der hauptsächlich mit dem eigenen Körpergewicht gearbeitet wird. Diverse Youtube-Videos zeigen muskelbepackte Calisthenics-Athleten, die im Freien knallhart trainieren – und zwar oft an Turnringen. Genau: Turnringe. Die Teile, mit denen die meisten Menschen nach der Schulzeit nichts mehr zu tun haben möchten. Ähnlich beliebt wie Medizinbälle. "Das Training an Turnringen bietet ein umfassendes Ganzkörpertraining, denn es erreicht und kräftigt eine Vielzahl von Muskelgruppen. Auch die Flexibilität profitiert vom Training an den Turnringen", schreiben die Kollegen von Fitbook. Perfekt für meinen Selbstversuch!

Das Fitness-Equipment steht – los geht's

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Ja, die Gewichtsweste von Pullup & Dip ist schwer. Und sie erinnert optisch an eine kugelsichere Weste für Polizisten. (Foto: ntv.de)

Im Internet gibt es diverse Anbieter von Turnringen fürs Homeworkout, beispielsweise auch die deutsche Firma Pullup & Dip, die mich für meinen Test mit einem Set Turnringe und zusätzlich mit einer Gewichtsweste ausgestattet hat. Eine Gewichtsweste ist, wie der Name schon andeutet, bestückt mit Gewichten.

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Hinweis: Die Preise sind volatil und die Händler passen bisweilen auch die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) an. Sollten sich die Preise von den hier angegebenen unterscheiden, haben die Händler sie nach Veröffentlichung des Artikels geändert.

Meine Version wiegt bis zu 15 Kilogramm, je nachdem, wie viele Gewichte eingelegt sind. Wer sie trägt, steigert damit die Intensität von klassischen Bodyweight-Übungen wie Liegestütz, Klimmzug oder Kniebeugen. Der erste Eindruck beim Anprobieren: Puh, ist die schwer! Aber genau so soll es ja auch sein und das Gewicht lässt sich bei Bedarf anpassen. Also, alles startklar für den Test.

Überraschende Begegnungen im Fitnesspark

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Blauer Himmel, frische Luft, neue Bewegungsabläufe: Ist Fitnesstraining im Park eine Alternative zum Fitnessstudio? (Foto: ntv.de)

Tag 1: Samstagmorgen, 6.15 Uhr. Meine Familie schläft noch, ich steige in die Sportklamotten, schnappe mir den Beutel mit den Turnringen und los geht's – ab in den Park. Es sind überraschend viele Hundebesitzer unterwegs, während ich die Ring-Gurte über das Gestänge der Fitnessanlage werfe. Einige schauen verstohlen rüber. "Was macht er da? Er wird sich doch nichts antun?" Nein, keine Sorge, ich muss nur erstmal mit dem Aufbau klarkommen. Ein kurzes YouTube-Video hilft, nach zehn Minuten bin ich startklar. Das Workout an den Ringen ist intensiver als gedacht, aber die Ringe fühlen sich hochwertig an: Das Holz ist glatt geschliffen und gleichzeitig griffig. Mein Pensum: Klimmzüge, Rudern, Liegestütze und Dips (je drei Trainingssätze) – alles Übungen, bei denen ich an Geräten im Gym locker zehn Wiederholungen schaffe. An den Ringen gelingen mir bei vollem Krafteinsatz allerdings nur fünf bis sechs Wiederholungen pro Satz, weil ich instabil in den Seilen hänge und ständig Ausgleichsbewegungen machen muss, um nicht zu kippen. Wow, anstrengend!

Tag 3: Der Muskelkater meines ersten Outdoor-Workouts ist auch 48 Stunden später noch spürbar. Während ich nach einer harten Einheit im Fitnessstudio meist die großen (Disco)Muskeln wie Brust und Rücken spüre, sind es jetzt viele kleine Muskeln, die zusätzlich ziepen. Ein neues Gefühl. Das zeigt: Geräte im Fitnessstudio trainieren die Muskeln oft gezielt und isoliert, während das Workout an den Ringen auch die sogenannte Haltemuskulatur an Rumpf und Rücken fordert. Genau die Muskeln, die bei vielen Alltagsbewegungen aktiv sind.

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Die Turnringe von Pullup & Dip bestehen aus geschichtetem Birkenholz. (Foto: ntv.de)

Tag 4: Um mich an die Intensität des Turnring-Trainings zu gewöhnen und meinem Körper ausreichend Regenerationszeit zu bieten, entscheide ich mich dafür, anfangs nur zwei Workouts pro Woche durchzuziehen. Die zweite Trainingseinheit läuft schon routinierter als die erste. Mit mehr Sicherheit in den Bewegungen schaffe ich direkt auch mehr Klimmzüge und Liegestütze. Es sei denn, ich trage die Gewichtsweste – mit der sind weiter maximal fünf Liegestütze pro Satz drin.

Tag 7: An trainingsfreien Tagen erwische ich mich dabei, dass ich zwischendurch bei YouTube nach neuen Turnring-Übungen suche. Ich freue mich auf das nächste Workout und die Videos machen Lust auf mehr. Empfehlen kann ich den YouTube-Kanal Die Ringe, auf dem Tipps für Einsteiger und "Progressionen" vorgestellt werden, also Übungsvarianten für Fortgeschrittene.

Tag 9: Flatterband weht mir am Fitnesspark entgegen. Die Stadt Köln hat das Gestänge gesperrt. Wegen Blindgänger-Gefahr. Das Training fällt heute aus, weil ich es vor der Arbeit zeitlich nicht mehr schaffe, den Park zu wechseln. So etwas passiert im Fitnessstudio nicht.

Tag 10: Feiertag, 7 Uhr morgens. Auf dem Weg zum Fitnesspark laufe ich an zwei Männern vorbei, die offenbar eine lange Nacht hatten und sich auf einer Parkbank ein Bier teilen. Sie schauen mir aus der Ferne interessiert beim Training zu, bis einer der beiden leicht schwankend rüber kommt und mich zum Klimmzugduell herausfordert. Ich lehne dankend ab. Training vorzeitig beendet. Wie war das doch gleich? So etwas passiert im Fitnessstudio nicht.

Tag 13: Bisher war es beim Training immer sonnig, jetzt überrascht mich ein Regenschauer. Aber: Regen kann auch angenehm sein. Wer häufig joggen geht, kennt das – beim Sport nass zu werden, ist halb so schlimm.

Tag 17: Ich bin nicht alleine. Gegen 6.30 Uhr bringe ich die Ringe an (was mittlerweile innerhalb von drei Minuten erledigt ist), während gleich zwei Mutti-Fitness-Gruppen ihre Workout-Stationen aufbauen. Electro-Sound wummert aus mobilen Boxen. Es ist 7 Uhr morgens, alle schwitzen, haben Spaß. Wenn viele Menschen gemeinsam trainieren, herrscht am Fitnesspark ein anderer, pushender Vibe.

Tag 20: Ich bilde mir ein, dass meine Griffkraft sich schon verbessert hat. Das ist Experten zufolge ein großer Vorteil des Calisthenics-Trainings. Studien haben gezeigt, dass die Griffkraft ein wichtiger Gesundheitsmarker ist, weil die Kraft der Hände die Kraft des ganzen Körpers spiegelt.

Tag 24: Einer von zwei Fitnessparks in meiner Nähe ist weiterhin gesperrt.

Tag 30: Ich versuche meinen ersten Muscle-Up, aber scheitere (noch) kläglich. Die Kombi aus Klimmzug und Dip ist extrem schwierig, aber ich setze mir neue Ziele.

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Das Outdoor-Training an den Ringen ist hart, aber erste Erfolge zeigen sich schnell. (Foto: ntv.de)

Mein Fazit nach 30 Tagen Outdoor-Training

Blauer Himmel beim Training, frische Brise statt Klimaanlage im Gym – das hat schon was. Innerhalb kürzester Zeit bin ich zum Fan des Outdoor-Trainings geworden. Warum? Weil es abwechslungsreich ist, weil es sich gesünder anfühlt als das Pumpen im Gym, weil der Blick ins Grüne einfach guttut, genau wie der viele Sauerstoff. Am frühen Morgen war ich oft der Einzige im Fitnesspark. Die Trainingszeit ist regelrecht verflogen, ich musste mich nicht mit Podcasts von eintönigen Bewegungsabläufen ablenken, wie ich es oft im Gym getan habe. Mit den Turnringen hatte ich mein persönliches Fitnessgerät immer dabei, was bedeutet: keine nervigen Wartezeiten an besetzten Geräten. Aus meiner Sicht bringen Turnringe zudem Pluspunkte in Sachen Hygiene, denn wie oft werden die Stangen im Fitnesspark gereinigt? Wie oft werden die Geräte im Gym gereinigt?

Outdoor-Training ist definitiv einen Versuch wert. Erfahrenen Kraftsportlern würde ich für den Umstieg die Kombination aus Turnringen und Gewichtsweste empfehlen, um wirklich einen angemessenen Trainingsreiz setzen zu können. Anfänger kommen lange ohne Gewichtsweste aus, denn es gibt diverse Möglichkeiten, den Schwierigkeitsgrad der Übungen zu steigern. Oft reicht schon ein leicht veränderter Bewegungswinkel, um die Muskeln vor eine neue Herausforderung zu stellen.

Ob ich jetzt meinen Vertrag im Fitnessstudio kündige? Nein, schließlich kommen auch wieder andere Jahreszeiten. Herbst und Winter sind lang. Bei Dauerregen, Sturm oder Schnee zieht es mich nicht unbedingt in den Fitnesspark. Aber in den Frühjahrs- und Sommermonaten ist Outdoor-Training eine schöne Abwechslung zum gewohnten Trainings-Trott.

Quelle: ntv.de