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Rendite vs. RisikoLohnt sich Trading als Nebenbeschäftigung?

15.04.2026, 14:40 Uhr
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Kaufen, halten oder verkaufen? Beim Trading geht es darum, kurzfristige Kursentwicklungen vorherzusagen. (Foto: Fabian Sommer/dpa)

Morgens ins Büro, abends an die Börse und nebenbei noch ein paar hundert Euro verdienen? Trading als Nebenbeschäftigung klingt verlockend. Kein Chef, kein Vertrag, schnelle Gewinne per Klick. Doch wie realistisch ist dieses Szenario?

Beim Trading geht es darum, Wertpapiere wie Aktien und Rohstoffzertifikate oder andere Finanzinstrumente wie Kryptowährungen zu kaufen und in kurzer Zeit wieder mit Gewinn zu verkaufen. Im Gegensatz zum langfristigen Investieren, etwa mit ETFs, kommt es also darauf an, kurzfristige Kursbewegungen vorherzusagen. Smartphone-Broker machen selbst Börsen-Anfängern den Einstieg leicht. Sie bieten kostenlose Wertpapierdepots, Nutzer können mit wenigen Klicks Finanzprodukte kaufen und verkaufen. Viele Broker bieten mittlerweile auch ein kostenloses und unverbindliches Demokonto, mit dem zunächst ohne finanzielles Risiko Wissen aufgebaut werden kann.

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Trading-Strategien im Überblick

Je nach Haltedauer unterscheiden sich verschiedene Trading-Ansätze:

  • Positionstrading: Anlagen bleiben oft mehrere Wochen oder Monate im Depot

  • Swing Trading: Kauf und Verkauf liegen meist nur wenige Tage auseinander

  • Day Trading: Alle Positionen werden am selben Tag geschlossen, das Depot ist abends leer

Warum kaum jemand den Markt schlägt

In der Theorie wirkt das Prinzip einfach: günstig kaufen, teurer verkaufen. In der Praxis ist genau das jedoch anspruchsvoll. Neben der richtigen Markteinschätzung kommt es vor allem auf das Timing an. Beides erfordert Erfahrung, Zeit und eine klare Strategie. Untersuchungen zeigen, dass ein Großteil der Trader langfristig schlechter abschneidet als der Gesamtmarkt. In einer 2020 veröffentliche Studie schauten sich brasilianischer Forscher in ihrem Land die Aktivitäten von knapp 20.000 Daytradern an. Im Untersuchungszeitraum von 2013 bis 2017 machten demnach 97 Prozent der Trader, die länger als 300 Tage aktiv waren, unterm Strich Verluste. Nur 1,1 Prozent verdienten mehr als den brasilianischen Mindestlohn, lediglich 0,5 Prozent erzielten ein Einkommen oberhalb eines einfachen Bankangestellten.

Besonders bei stark schwankenden Anlagen wie Kryptowährungen sind schnelle Gewinne möglich, ebenso aber auch deutliche Verluste. Selbst breitere Indizes wie der Dax bieten keine Sicherheit vor Fehlentwicklungen. Hinzu kommt ein Risiko, das oft unterschätzt wird: Im Extremfall kann ein Investment vollständig an Wert verlieren. Der Fall Wirecard hat gezeigt, dass selbst vermeintlich große und etablierte Unternehmen innerhalb kurzer Zeit kollabieren können. Aber auch frühere Börsenlieblinge sind nicht sicher: Die Aktie von Beyond Meat stieg im Juli 2019 zwar auf ein Rekordhoch von 234,90 US-Dollar, fiel im Oktober 2025 aber zeitweise auf einen Wert von unter einem US-Dollar pro Aktie. Das entspricht einem Einbruch von mehr als 99,5 Prozent. Solche Totalverluste oder fast vollständigen Kursverluste sind selten, aber nicht ausgeschlossen.

Das Portal Finanztip warnt deshalb: Kurzfristiges Trading ist eher Spekulation als solide Geldanlage. Wer nebenbei handelt, unterschätzt oft die nötige Erfahrung und Disziplin. Märkte beobachten, Nachrichten einordnen, Strategien entwickeln – das kostet Zeit. Wer einen fordernden Hauptberuf und/oder eine Familie hat, kann schnell ins Schleudern kommen. Hobby-Trader treffen häufiger emotionale Entscheidungen, etwa nach einem langen Arbeitstag, wenn die Konzentration längst nachgelassen hat. Finanztest betont in seinem Broker-Vergleich, dass die größten Risiken nicht die Broker selbst sind, sondern dass Nutzer durch die einfache App-Nutzung zum kurzfristigen Zocken verleitet werden.

Hinzu kommt: Jede Transaktion kostet Geld. Neben klassischen Gebühren fallen auch sogenannte Spreads an, also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis. Finanztest zufolge können diese Kosten die Rendite deutlich schmälern, vor allem bei häufigem Trading. Dazu kommt: Verluste können schnell entstehen und sind für Einsteiger schwer einzuschätzen.

Forex-Trading: Rund um die Uhr Gewinne mitnehmen?

Ein Ansatz, der häufig für Berufstätige beworben wird, ist der Devisenhandel, auch Forex genannt. Dabei setzen Anleger darauf, dass sich Wechselkurse von Währungen wie Euro, US Dollar oder Yen verändern. Gewinne entstehen, wenn die Entwicklung richtig eingeschätzt wird, Verluste entsprechend bei falschen Prognosen. Der Vorteil: Der Markt ist nahezu rund um die Uhr geöffnet, weil Handelsplätze in Asien, Europa und den USA zeitlich überlappen. Dadurch können Anleger auch nach Feierabend aktiv werden.

Allerdings löst das nicht das Grundproblem. Denn die hohe Liquidität bringt auch schnelle Kursbewegungen und somit ein entsprechend hohes Risiko mit sich. Zudem laufen Positionen oft weiter, während nicht aktiv gehandelt wird. Verluste können so entstehen, ohne dass direkt reagiert werden kann.

Wird am Ende des Jahres tatsächlich Gewinn gemacht, wartet noch das Finanzamt: 1.000 Euro Gewinn pro Jahr und Person sind steuerfrei, danach werden in der Regel 25 Prozent Abgeltungssteuer fällig – zuzüglich Solidaritätszuschlag sowie gegebenenfalls Kirchensteuer.

Was heißt das unterm Strich? Trading kann spannend sein, als Nebenjob taugt es laut Finanztest und Finanztip jedoch selten. Weil das Risiko hoch ist, Geld zu verlieren, sollte nur Geld investiert werden, dessen Verlust auch verkraftet werden kann. Wer Vermögen aufbauen will, fährt dagegen mit langfristigen Strategien wie einem ETF-Sparplan auf einen breit gestreuten Weltindex in der Regel besser.

Quelle: ntv.de