Kein ständiges WegwerfenAlles geregelt? Periodenprodukte, die im Alltag echt helfen

Ein Periodenprodukt soll im besten Fall vor allem eines sein: möglichst unkompliziert. Welche Mehrweglösungen diesem Wunsch nahekommen und wo ihre Tücken liegen, zeigt der Überblick.
Produkte für die Tage der Tage sind in der Regel ein ziemlich individuelles Thema. Was für einen langen Arbeitstag praktisch ist, kann beim Sport stören, und während an leichten Tagen ein Periodenslip genügt, ist bei stärkerer Blutung eine andere Lösung vermutlich besser. Die gute Nachricht: Die Auswahl ist inzwischen ziemlich groß. Besonders interessant sind Produkte abseits der klassischen Wegwerfvarianten. Wer auf Mehrweg setzt, muss seltener nachkaufen, dafür aber etwas mehr Zeit für Reinigung und Routine einplanen. Wir zeigen, was es gibt.
Anziehen, fertig: Periodenunterwäsche als unkomplizierte Lösung
Periodenslips sehen weitgehend wie normale Unterwäsche aus, besitzen aber mehrere Funktionsschichten, die Menstruationsblut aufnehmen. Sie kommen ohne Einführen aus und eignen sich damit besonders für alle, die eine unkomplizierte Variante suchen. Je nach Saugstärke können sie allein oder als zusätzlicher Auslaufschutz getragen werden. Der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte (BVF) empfiehlt, beim Kauf von Periodenunterwäsche darauf zu achten, dass die Saugschicht keine Biozide wie Silberchlorid enthält. Deren mögliche gesundheitliche Auswirkungen sind bislang nicht abschließend geklärt.
MyLily: High-Waist-Periodenslip ohne Biozide
Der schwarze High-Waist-Slip von MyLily kommt laut Produktangaben ohne Biozide aus und setzt beim Außenstoff sowie bei der inneren Schicht auf 95 Prozent Bio-Baumwolle und fünf Prozent Elasthan. Die mehrlagige Saugzone soll Flüssigkeit aufnehmen, verteilen und speichern, laut Hersteller fasst der Slip bis zu 30 Milliliter und eignet sich damit auch für stärkere Tage. Nach dem Tragen wird er zunächst kalt ausgespült und anschließend bei bis zu 30 Grad gewaschen.
Hinweis: Die Preise sind volatil und die Händler passen bisweilen auch die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) an. Sollten sich die Preise von den hier angegebenen unterscheiden, haben die Händler sie nach Veröffentlichung des Artikels geändert.
Comeback der Binde – aber aus Stoff
Stoffbinden funktionieren ähnlich wie klassische Binden, landen nach dem Tragen aber nicht im Abfall, sondern in der Waschmaschine. Das macht sie besonders interessant für alle, die nichts vaginal einführen möchten und trotzdem auf Einwegprodukte verzichten wollen. Für unterwegs braucht es allerdings eine Möglichkeit, benutzte Binden bis zur Wäsche hygienisch aufzubewahren.
T-Tomi Intim Poppies
Die 20,5 Zentimeter lange Stoffbinde wird mit zwei Druckknöpfen an der Unterwäsche befestigt. Laut Hersteller besteht die Innenseite aus 80 Prozent Baumwolle und 20 Prozent Polyester, die Außenseite aus Baumwolle. Praktisch für die Hygiene: Das Modell ist bei 60 Grad waschbar.
Auffangen statt aufsaugen: Die Menstruationstasse
Menstruationstassen sammeln das Blut im Körper, statt es aufzusaugen. Das kann gerade an längeren Tagen praktisch sein, erfordert beim Einsetzen und Entleeren aber etwas Routine. Wichtig sind die passende Größe und ein angenehmer Sitz. Bei einer liegenden Spirale empfiehlt der BVF Vorsicht, da eine Tasse deren Position in seltenen Fällen beeinflussen kann.
Me Luna: Menstruationstasse
Die Me-Luna-Menstruationstasse in Größe M hat einen Durchmesser von 41 Millimetern und besteht laut Hersteller aus medizinisch zugelassenem thermoplastischem Elastomer, kurz TPE. Empfohlen wird, sie nach etwa acht Stunden herauszunehmen, auszuspülen und wieder einzusetzen. Vor dem ersten Gebrauch und nach jedem Zyklus sollte sie für drei Minuten in kochendem Wasser desinfiziert werden.
Flacher als die Tasse: Was eine Menstruationsdisc anders macht
Auch Menstruationsscheiben sammeln das Blut im Körper. Anders als eine Tasse sitzen sie aber weiter oben und umschließen den Gebärmutterhals, ohne dass dafür ein Unterdruck nötig ist. Der BVF ordnet sie besonders für stärkere Blutungen als interessante Option ein und rät bei wiederverwendbaren Tassen und Discs spätestens nach acht Stunden zum Ausspülen.
Bodyotics ComfyDisc – zwei Größen im Set
Das Set enthält zwei wiederverwendbare Scheiben in S und L sowie Aufbewahrungshüllen. Laut Hersteller bestehen sie aus medizinischem Silikon, fassen bis zu 60 Milliliter und sollen bis zu zwölf Stunden Schutz bieten. Der Anbieter bezeichnet das Modell zudem als spiralenkompatibel. Unabhängig davon bleibt bei einer liegenden Spirale im Zweifel die gynäkologische Rücksprache die sicherere Variante.
Natürlich klingt gut – beim Menstruationsschwamm gibt es aber einen Haken
Naturschwämme werden ähnlich wie Tampons vaginal eingesetzt, saugen Menstruationsblut auf und lassen sich anschließend auswaschen und wiederverwenden. Genau darin liegt allerdings das Problem: Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nennt Bedenken wegen möglicher Belastungen mit Bakterien, Schimmelpilzen und natürlichen Rückständen. Der BVF rät von Menstruationsschwämmen sogar ausdrücklich ab, da sich ihre stark poröse Struktur nicht zuverlässig keimfrei reinigen lässt.
Wer das weiche, schwammartige Prinzip interessant findet, kann stattdessen auf Soft-Tampons aus Schaumstoff ausweichen. Der BVF stuft sie als hygienischere Einweg-Alternative zum Naturschwamm ein. Mehrweg sind sie damit zwar nicht – aus medizinischer Sicht aber die sinnvollere Wahl zwischen diesen beiden Varianten.
Joydivision-Soft-Tampons – schwammartig, aber nur einmal im Einsatz
Die fadenlosen Soft-Tampons von Joydivision bestehen aus weichem Schaumstoff und sind einzeln hygienisch verpackt. Laut Hersteller eignen sie sich unter anderem für Sport, Schwimmen und Sauna und werden mithilfe einer integrierten Grifflasche wieder entfernt. Eine Packung enthält zehn Stück. Wichtig: Die Tampons sind ausdrücklich nur für den einmaligen Gebrauch gedacht und sollten nicht ausgewaschen oder erneut eingesetzt werden. Der Hersteller nennt eine maximale Tragedauer von acht Stunden. Da ein Rückholfaden fehlt, kann das Entfernen etwas Übung erfordern; in seltenen Fällen kann ärztliche Hilfe nötig sein.
Saubere Sache? Bei Mehrweg zählt vor allem die richtige Pflege
Mehrfach verwenden heißt auch mehrfach reinigen. Das BfR empfiehlt für Periodenunterwäsche 60 Grad, da niedrigere Waschtemperaturen nicht sämtliche Bakterien zuverlässig abtöten. Bei Tassen und Discs gelten die jeweiligen Herstellerhinweise zu Reinigung und Desinfektion. Vor und nach dem Wechsel intravaginaler Produkte sollten außerdem die Hände gründlich gewaschen werden.
Fazit: Die beste Lösung passt am besten auch zum Alltag
Periodenslip und Stoffbinde sind unkomplizierte Optionen ohne Einführen, Tasse und Disc punkten dagegen mit viel Bewegungsfreiheit und einem größeren Aufnahmevermögen. Welche Variante am besten funktioniert, hängt immer auch von der Stärke der Blutung, dem Komfort und der Bereitschaft zur regelmäßigen Reinigung ab. Nur beim Naturschwamm fällt die Bilanz deutlich aus: Trotz einer guten Idee zur Müllvermeidung sprechen aktuelle medizinische Empfehlungen eher gegen die Verwendung.
