Fußball-WM 2010

Argentiniens Presse kartet nach "Diego, der Junge heißt Müller"

Die deutschen Fußballer schlagen Argentinien im Viertelfinale der Weltmeisterschaft mit 4:0. Eine Demütigung, und so konzentrieren sich die südamerikanischen Zeitungen vor allem auf den Aspekt, dass die argentinischen Fußballer mit 0:4 verloren haben. Der Rest der Welt feiert die Sieger.

2rxx1748.jpg4933213982370950369.jpg

"Diego fand keine Antworten": Thomas Müller.

(Foto: dpa)

Mit vielen Tränen ist der Traum der argentinischen Fußballer vom dritten WM-Titel geplatzt. Die 0:4-Niederlage gegen eine furiose deutsche Mannschaft kommt einer Demütigung gleich. Und so lässt es sich die argentinische Sportzeitung "Ole" nicht nehmen, Trainer Diego Armando Maradona auf einen ganz bestimmten deutschen Spieler hinzuweisen. "Diego, der Junge heißt Müller...", schreibt das Blatt.

Thomas Müller, um genau zu sein. Das ist der, der am Samstag das 1:0 für die Mannschaft von Trainer Joachim Löw erzielte. Und Thomas Müller, das ist der, den Diego Armando Maradona beim Freundschaftsspiel Anfang März in München vom Podium bei der Pressekonferenz jagte. Maradona saß bereits dort, und als sich Müller neben ihn setzte, regte sich die der Argentinier furchtbar auf, verließ sogar die Bühne. Erst als auch Müller gegangen war, kehrte Maradona zurück. Als Maradona wieder sprach, wurde dies so übersetzt: "Normal ist es üblich, dass hier Trainer sitzen und nicht Spieler. Ich habe ihn nicht gekannt."

Jetzt kennt er ihn. Aber wir wollen nicht nachkarten, denn für Deutschland haben die internationalen Medien nur eines übrig: ganz viel Lob. Eine kleine Presseschau:

ARGENTINIEN

Ole: "Schweiß und Tränen. Argentinien zerschellte an der deutschen Standfestigkeit und hat sich wie vor vier Jahren im Viertelfinale verabschiedet. Dieses Mal war es schlimmer - wegen der Prügel. Das Tor Müllers nach zwei Minuten traf uns erheblich, Diego fand keine Antworten und Klose machte den Sack zu."

La Nación: "Ein schmerzhaftes Ausscheiden: Deutschland hat Argentiniens Schwächen offengelegt und der WM beraubt."

Clarin: "Die Selección verabschiedet sich gedemütigt von der WM."

BRASILIEN

Terra: "Deutschland hat Maradonas Argentinien nicht zur Kenntnis genommen und heute mit einem Massaker von 4:0 in Kapstadt seine Qualifikation fürs WM-Semifinale gesichert."

O Globo: "Deutschland demütigt Argentinien mit 4:0. ... Unter dem Kommando von Schweinsteiger gewinnt die deutsche Auswahl und schickt die Hermanos (Argentinien) nach Hause. Deutschland hat das Maradona-Team verdroschen mit dem schnellsten Tor der WM. Die deutsche Seleção hat mit Autorität gewonnen und mit 4:0 Argentinien erneut im Viertelfinale eliminiert."

Lance!: "Ihr könnt nach Hause, Argentinien. Deutschland im Semifinale. Deutschland spielt nicht wie früher. Es ist schnell, zielstrebig und geschmeidig. Deutschland steht im Halbfinale als größter Favorit auf den Titel."

Estado de São Paulo: "Deutschland hat mit vier Toren den Traum Argentiniens zerstört."

Folha de São Paulo: "Mit dem effizientesten Fußball der WM schlägt Deutschland Argentinien und geht ins Halbfinale."

ENGLAND

Guardian: "Dem Team von Joachim Löw mögen die großen Namen des südamerikanischen Rivalen gefehlt haben, aber Deutschland war stets die gefährlichere Mannschaft und das Endergebnis, sogar beim 4:0, alles anderes als schmeichelhaft. (…) Nach diesem Sieg wird es Deutschland nicht kümmern, ob sie im Halbfinale auf Paraguay oder Spanien treffen. Das Momentum und die Überzeugung spricht für sie."

Daily Mail: "Deutschland marschiert also weiter, nachdem es eine weitere Fußballgroßmacht demontiert hat. An einem glorreichen Winterabend in Kapstadt liefern sie auf dem Platz, während die Sonne hinter dem Tafelberg versinkt, mit der zum Zauber des Ortes passenden Herrlichkeit die bislang beste Leistung der Weltmeisterschaft ab."

SCHWEIZ

Neue Zürcher Zeitung: "Das DFB-Team hat Argentinien dominiert und sich mit dem 4:0-Sieg für den WM-Halbfinal qualifiziert. Es war ein Duell der Systeme, in dem die 'Albiceleste' mit ihrer veralteten Spielauffassung spektakulär unterlag. (…) Die beiden Fussballnationen Deutschland und Argentinien sind sich in einem WM-Final zwei Mal begegnet. (…) So deutlich wie an der WM 2010 war der Unterschied in der Spielstärke aber nie.

Tagesanzeiger: "Wie schon gegen England (4:1) zeigte Deutschland beim 4:0 gegen Argentinien im WM-Viertelfinal grossartigen Fussball. (...) Die junge, hungrige und unbeschwert auftrumpfende Mannschaft spielte sich in die Herzen der neutralen Fussball-Fans. Mindestens den Titel des 'Weltmeisters der Herzen', den sie sich vor vier Jahren etwas voreilig selbst gegeben hatten, dürften sich die Deutschen sichern."

ÖSTERREICH

Der Standard: "'Schland' im siebten Himmel – Die Deutschen lassen sich auch von Argentinien nicht stoppen. Mit 4:0 wurden Maradonas Gauchos in die Heimat geschickt."

Spanien

Marca: "Das ganze Leben von so einem Tag geträumt. Deutschland erwartet uns am Mittwoch, nachdem sie Argentinien vorgeführt haben. Der Fluch ist vorbei, auch wenn es viel Blut und Schweiß gekostet hat. Diegos Argentinien wurde wie ein Kartenhaus von der deutschen Dampfwalze überrollt."

As: "Blut, Schweiss und Sieg! Die Deutschen fegen Maradonas Argentinien vom Platz. Ab ins Paradies! Das große Deutschland vermöbelt ein Argentinien ohne Antwort!"

Navarrasport: "Deutschland tötet Argentinien. Vorführung von Deutschland gegen Argentinien. Dieses Deutschland macht einem Angst mit seinem überragenden Schweinsteiger."

ITALIEN

Gazzetta dello Sport: "Deutschland über alles! Löws Truppe vernichtet Argentinien. Armer Maradona! Deutschland siegt, weil dort wahrer Teamgeist regiert."

Corriere dello Sport: "Deutschland, das perfekte Match! Eine junge und multikulturelle Mannschaft zieht ins Halbfinale ein. Niemand hätte geglaubt, dass das Team unter Löws Leitung so schnell derart beeindruckende Resultate geben würde."

Repubblica: "Adios Diego! Deutschland demütigt Argentinien, Maradona muss in Tränen nach Hause zurückfahren. Letzter Tango für Maradona und Messi."

Tuttosport: "Argentinien Schock, Deutschland super! Vier Tore versenken Maradonas Team. Löws Mannschaft ist jetzt der wahre Favorit dieser Weltmeisterschaft und zeigt der Welt ein wahres Fest der Tore und des schönen Spiels. Diese Nationalmannschaft sorgt für Euphorie, Enthusiasmus und Verwunderung mit einer Generation junger Phänomene."

Quelle: ntv.de, mit dpa und sid

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen