Umweltorganisation warnt: Abkehr vom Verbrenner-Aus könnte Elektroauto-Absatz deutlich schwächen

Die Umweltorganisation T&E (Transport and Environment) hat vor einem schwächeren Elektroauto-Absatz infolge der Abkehr vom sogenannten Verbrenner-Aus gewarnt.
Die Organisation geht laut einer am Dienstag veröffentlichten Analyse davon aus, dass wegen der von der EU-Kommission vorgeschlagenen Änderungen 2035 nicht hundert, sondern nur rund 85 Prozent der Neuwagen reine Elektroautos sein könnten. Der Rest wären demnach Hybridfahrzeuge und klassische Verbrenner.
Die EU-Kommission hatte im Dezember eine Abkehr vom sogenannten Verbrenner-Aus vorgeschlagen. Grundlage dafür ist eine Änderung an den Flottengrenzwerten, die festlegen, wie viel Kohlendioxid (CO2) alle Neuwagen eines Herstellers pro Jahr im Schnitt ausstoßen dürfen. Ursprünglich sollten diese Grenzwerte 2035 auf Null sinken, die Kommission will dieses Ziel auf 90 Prozent im Vergleich zu 2021 abschwächen.
Damit bekämen die Autobauer Spielraum und könnten weiter Hybrid-Fahrzeuge, Range-Extender, bei denen ein kleiner Verbrenner die Batterie auflädt, und herkömmliche Verbrenner verkaufen. Das Ziel von 90 Prozent würde laut T&E erreicht, wenn 85 Prozent Elektroautos, zehn Prozent Plugin-Hybride und fünf Prozent Verbrenner auf den Markt kämen.
Rechnerisch sind auch andere Szenarien möglich: Laut T&E etwa 95 Prozent reine Elektroautos und fünf Prozent herkömmliche Verbrenner, drei Viertel Elektroautos und ein Viertel Plugin-Hybride oder zur Hälfte Elektroautos, zur Hälfte Range-Extender. Die Marktanteile hängen davon ab, wie viel CO2 die Autos 2035 tatsächlich ausstoßen.
Die CO2-Emissionen sollen nach Vorstellung der Kommission nach 2035 anderswo im Verkehrssektor ausgeglichen werden. T&E kritisiert, dass die Kommission dafür den Anteil an Biokraftstoffen an Tankstellen in der EU berücksichtigen will. Die Organisation fordert, stattdessen verstärkt den Anteil an in der EU produziertem grünen Stahl einzurechnen.
Die Vorschläge der Kommission sind noch nicht beschlossen, zuerst müssen das Europaparlament und der Rat der 27 EU-Länder darüber verhandeln. Die Gesetzgeber könnten das sogenannte Verbrenner-Aus in den Verhandlungen noch weiter abschwächen.