Geschätzte 5500 DemonstrantenAudi-Mitarbeitende demonstrieren in Brüssel gegen Werkschließung

Tausende Beschäftigte im Autosektor haben "in Brüssel gegen drohende Massenentlassungen protestiert. Die Polizei schätzte die Zahl der Demonstranten auf 5500. Auslöser der Proteste war die Ankündigung des deutschen Automobilherstellers Audi, die Produktion in seinem Werk im Süden der belgischen Hauptstadt einzustellen. Die Entscheidung bedroht rund 3000 Arbeitsplätze von Mitarbeitern, deren Schwerpunkt zum Teil auf der Produktion von Elektrofahrzeugen liegt.
Die Europäische Union will den Sektor der Elektromobilität fördern, um mit China und den Vereinigten Staaten konkurrieren zu können. Nun gilt die Brüsseler Autofabrik als Symbol für Schlüsselindustrien der EU, die angesichts des globalen Wettbewerbs mehr staatliche Unterstützung fordern.
"Was bei Audi passiert, kann auch in anderen Fabriken passieren. Wir müssen also handeln, um sicherzustellen, dass die Industrien erhalten bleiben", sagte Salvatore Tabone, der nach eigenen Angaben 27 Jahre lang bei Audi gearbeitet hat und nun vor der Entlassung steht. "Nach all' den Anstrengungen, die wir unternommen haben, ist dies der Lohn, den wir bekommen."
Die Europäische Kommission unter Präsidentin Ursula von der Leyen hat die Neugestaltung der Industriepolitik zu einem der wichtigsten Themen für die nächsten fünf Jahre ihrer Amtszeit erklärt. In einem von der EU in Auftrag gegebenen Bericht heißt es, dass die Volkswirtschaften der 27 Mitgliedstaaten bis zu 800 Milliarden Euro benötigen, um die Energiewende erfolgreich zu bewältigen und wettbewerbsfähig zu bleiben.
Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB) erklärte, die Entscheidung von Audi, die Produktion in Brüssel einzustellen, sei "Teil eines umfassenderen Trends, der dazu führte, dass Europa zwischen 2019 und 2023 in der gesamten Industrie 850 000 Arbeitsplätze verlor".
Die EGB-Generalsekretärin Esther Lynch sagte weiter: "Die drohende Gefahr für Tausende von Arbeitsplätzen vor den Toren der europäischen Institutionen sollte den EU-Staats- und Regierungschefs klar machen, dass sie einfach nicht genug tun, um unsere Industrien zu unterstützen."