Frühere KolonieBelgien wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Kongo für schuldig befunden

Ein Gerichtsurteil von 2024, in dem Belgien der Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der früheren Kolonie Belgisch-Kongo schuldig befunden worden war, ist nun rechtskräftig.
Ein Gerichtsurteil von 2024, in dem Belgien der Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der früheren Kolonie Belgisch-Kongo schuldig befunden worden war, ist nun rechtskräftig. Der belgische Staat verlor am Freitag einen Berufungsprozess vor dem Obersten Gericht gegen die damalige Entscheidung. Geklagt hatten in dem früheren Prozess fünf Frauen, die als Kleinkinder ihren schwarzen Müttern entzogen und in katholischen Heimen untergebracht worden waren.
Die Klage der fünf Frauen, die heute mehr als 70 Jahre alt sind, datiert ins Jahr 2020 zurück. Sie waren Ende der 1940er Jahre aus Kontakten zwischen weißen Männern und schwarzen Frauen hervorgegangen. Im Alter von zwei, drei oder vier Jahren wurden sie gewaltsam von den Familien ihrer Mütter getrennt und in katholischen Einrichtungen untergebracht, wo sie nach eigenen Angaben Misshandlungen erlebten.
Im Dezember 2024 wurde der belgische Staat deshalb zu Entschädigungszahlungen an die Klägerinnen in Höhe von jeweils 50.000 Euro verurteilt. Zusätzlich stuften die Richter die Taten als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" ein und sprachen von "systematischen Entführungen". Gegen dieses Urteil legte Belgien Berufung vor dem Obersten Gericht ein - und scheiterte nun damit.
Es handle sich um die "erste Verurteilung eines europäischen Staates wegen eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit während der Kolonialzeit", sagte am Freitag die Anwältin der Frauen, Maître Michèle Hirsch, der Nachrichtenagentur AFP. Sie sprach von einer "historischen Entscheidung".
Kinder aus Beziehungen zwischen weißen Männern und schwarzen Frauen in den früheren belgischen Kolonien Kongo, Ruanda und Burundi wurden meistens von ihren Vätern nicht anerkannt und sollten sich weder mit Weißen noch mit Schwarzen vermischen. Es wird geschätzt, dass etwa 15.000 solcher Kinder zur Welt kamen.