Aufschwung vorerst gestopptDIW: Iran-Krieg bremst deutsche Wirtschaft

Der im vergangenen Herbst begonnene Aufwärtstrend der deutschen Wirtschaft ist dem DIW-Institut zufolge durch den Iran-Krieg vorerst zum Erliegen gekommen.
Das Konjunkturbarometer stieg zwar im April leicht auf 97,9 Punkte, wie das in Berlin ansässige Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Mittwoch mitteilte. Nach dem Vier-Jahres-Hoch im Februar, gefolgt von einem deutlichen Rückgang im März, verharrt das Barometer damit aber unterhalb der neutralen 100-Punkte-Marke. Diese Marke zeigt ein durchschnittliches Wachstum der Wirtschaft an. Das Barometer liegt aber weiter über den Werten des vergangenen Jahres.
"Die geopolitische Eskalation trifft die deutsche Wirtschaft in einer Phase, in der sich gerade eine dynamische Erholung abgezeichnet hat", sagte DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany Knedlik. "Steigende Energiepreise und die hohe Unsicherheit dürften den weiteren Aufschwung bremsen." Der am 28. Februar begonnene Krieg im Nahen Osten hat die Öl- und Gaspreise nach oben getrieben und sich in einem erhöhten Inflationsdruck niedergeschlagen. Steigende Kosten für Unternehmen, eine geschwächte globale Nachfrage und zunehmende Risiken für internationale Lieferketten prägten aktuell die Stimmung. Auch die Kaufkraft der privaten Haushalte werde merklich belastet. All dies dämpfe nicht nur die ohnehin schwächelnden deutschen Exporte, sondern zunehmend auch die Dynamik der Binnenwirtschaft, die zuletzt noch stabilisierend gewirkt habe.
Staatliche Investitionen in den Bereichen Verteidigung, Infrastruktur und Klimatransformation tragen dem DIW zufolge zwar zur Stabilisierung bei. Sie würden schrittweise wirken. Diese Effekte würden durch die externen Belastungen derzeit jedoch teilweise überlagert.
In der Industrie bleibt das Gesamtbild den Angaben nach schwach. "Die ohnehin gedämpfte Investitionsbereitschaft der Unternehmen wird durch die aktuelle Spannungslage zusätzlich geschwächt", sagte DIW-Konjunkturexpertin Laura Pagenhardt. "Die hohe Unsicherheit über geopolitische Entwicklungen, Energiepreise und die globale Konjunktur erschwert die Planung deutlich und bremst die beginnende Aufhellung der Industrie."