"Keine Notwendigkeit"Fondsmanager gegen rasche Abspaltung von Siemens Gamesa

Fondsmanager haben vor der Hauptversammlung des Energietechnikkonzerns Siemens Energy in der kommenden Woche Forderungen nach einer raschen Abspaltung der verlustreichen Windkrafttochter Siemens Gamesa eine Absage erteilt.
Fondsmanager haben vor der Hauptversammlung des Energietechnikkonzerns Siemens Energy in der kommenden Woche Forderungen nach einer raschen Abspaltung der verlustreichen Windkrafttochter Siemens Gamesa eine Absage erteilt. "Siemens Gamesa ist eine Baustelle, die inhaltlich überlagert worden ist durch den extrem guten Verlauf bei Grid und bei Gas", sagte Ingo Speich vom Sparkassen-Fondsdienstleister Deka der Nachrichtenagentur Reuters. "Im Fokus sollte jetzt eine rasche Restrukturierung stehen." Sollte es aber neue signifikante Belastungen geben, könne sich das schnell ändern. "Dann müsste über die Zukunft der Windsparte grundsätzlicher nachgedacht werden."
Der aktivistische Investor Ananym Capital hatte im Dezember mitgeteilt, sich an Siemens Energy beteiligt zu haben, und forderte eine Überprüfung der Windsparte. Ananym zufolge könnte diese künftig zehn Milliarden Dollar wert sein und eine Abspaltung den Anlegern eine um 60 Prozent höhere Rendite bringen. Die Aktionäre des Konzerns sind am 26. Februar zur Hauptversammlung in Berlin eingeladen.
"Wir sehen aktuell keine Notwendigkeit für eine Abspaltung", sagte die Fondsmanagerin bei Union Investment, Maria Mihaylova. Das Windgeschäft sei ein wichtiger Teil der Turnaround-Story von Siemens Energy. "Als etablierter europäischer Anbieter und einer der führenden Akteure im Offshore-Windgeschäft verfügt Siemens Energy hier über eine starke industrielle und technologische Ausgangsbasis."
Tobias Klaholz, Aktienfondsmanager bei der DWS, verwies darauf, dass Gamesa nach einem operativen Verlust von 1,36 Milliarden Euro im letzten Jahr nun im laufenden Geschäftsjahr die Gewinnschwelle erreichen soll. Dafür sei eine deutliche Verbesserung in der Profitabilität entscheidend. Für einen eventuellen Spin-off scheine es daher noch zu früh. "Mittelfristig ist ein Review für Siemens Gamesa aber auf jeden Fall sinnvoll."
Siemens-Energy-Chef Christian Bruch hatte sich ebenfalls gegen eine Abspaltung von Gamesa zum jetzigen Zeitpunkt ausgesprochen. Zuerst müsse die Sparte stabilisiert und profitabel gemacht werden, erklärte er.
Nach der Gewinnschwelle im laufenden Jahr soll Gamesa 2028 eine operative Marge von drei bis fünf Prozent erzielen. Bruch verwies auf die erfolgreiche Kehrtwende im Netzgeschäft des Konzerns als mögliches Vorbild. Dessen Marge sei von 3,6 Prozent im Jahr 2022 auf 15,8 Prozent im Jahr 2025 gestiegen.
Die stark wachsende Stromnachfrage weltweit hat Siemens Energy mit seinen Gasturbinen und der Netztechnik auf Rekordkurs gebracht. Im ersten Quartal stiegen die Bestellungen auf 17,6 Milliarden Euro - so hoch wie noch nie. Der Konzern fuhr einen Nettogewinn von 746 Millionen Euro ein. An der Börse ist das Unternehmen rund 140 Milliarden Euro wert und damit eines der wertvollsten Unternehmen Deutschlands.