"Alles ist auf dem Tisch"Ford kündigt "sehr aggressive" Radikalkur an

Ford hat seine Gewinnziele verfehlt und kündigt drastische Einschnitte an - auch in Europa. "Wir hätten letztes Jahr viel besser abschneiden sollen", sagte Konzern-Chef Jim Farley bei der Präsentation der Geschäftszahlen.
Der Konzern habe "etwa zwei Milliarden Dollar an Profit auf dem Tisch liegen lassen". Seine Kritik bezog Farley nicht nur auf das Schlussquartal, in dem der Nettogewinn um elf Milliarden auf 1,3 Milliarden Dollar einbrach, sondern auf das gesamte abgelaufene Jahr. 2022 verfehlte der zweitgrößte US-Autobauer beim bereinigten operativen Ergebnis mit 10,4 Milliarden Dollar das selbst gesteckte Ziel von 11,5 Milliarden Dollar deutlich. Als Konsequenz kündigte Finanzchef John Lawler "sehr aggressive" Maßnahmen an, um die Kosten in Produktion und in der Lieferkette zu senken. "Alles ist auf dem Tisch."
Farley schilderte die Lage schonungslos: "Wir haben tief verwurzelte Probleme in unserem industriellen System", sagte er und fügte hinzu: "Dies war sowohl für mich als auch für mein Team demütigend." Die Probleme erstreckten sich auf eine Vielzahl an Bereichen: "Es gibt noch mehr zu tun in Europa. Es gibt mehr zu tun in China. Wir haben hier in den USA zu tun", sagte Finanzchef Lawler. "Unsere Kostenstruktur ist nicht wettbewerbsfähig und unsere Qualität nicht dort, wo sie sein sollte."
Damit steht Ford schlechter da als der Lokalrivale General Motors. Die Nummer eins in den USA hatte mit einem operativen Gewinnplus im vierten Quartal geglänzt und Analysten mit einem optimistischen Ausblick überrascht.