Sorge um Standort IsfahanForderung an den Iran: IAEA möchte unverzüglich Atomanlagen inspizieren

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat den Iran aufgefordert, unverzüglich wieder Inspektionen in allen seinen Atomanlagen zuzulassen.
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat den Iran aufgefordert, unverzüglich wieder Inspektionen in allen seinen Atomanlagen zuzulassen. In einem vertraulichen Bericht, den die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag einsehen konnte, äußerten die UN-Atomwächter besondere Besorgnis über den Verbleib hochangereicherten Urans und die Situation am Standort Isfahan. Es sei "unverzichtbar und dringend", die Überprüfungen ohne weiteren Verzug wieder aufzunehmen, hieß es in dem Dokument. Zwar erkenne die Behörde an, dass die militärischen Angriffe auf die iranischen Atomanlagen eine beispiellose Situation geschaffen hätten. Klarheit sei jedoch zwingend erforderlich.
Seit den Luftangriffen der USA und Israels im Juni haben die Inspektoren keinen Zugang mehr zu den drei bekannten Uran-Anreicherungsanlagen, die zum Zeitpunkt der Bombardierung in Betrieb waren. Die Behörde wisse daher weder, in welchem Zustand sich die Anlagen befänden, noch was mit den dortigen Beständen geschehen sei. Vor den Angriffen am 13. Juni 2025 verfügte Teheran Schätzungen zufolge über 440,9 Kilogramm auf bis zu 60 Prozent angereichertes Uran. Das Material reicht nach IAEA-Maßstäben aus, um bei weiterer Anreicherung zehn Atomwaffen zu bauen. Zwar dürften Teile davon bei den Angriffen zerstört worden sein, westliche Staaten und die IAEA gehen jedoch davon aus, dass der Großteil noch intakt ist.
Im Fokus der IAEA steht dabei ein Tunnelkomplex in Isfahan. Der Bericht bestätigt erstmals, dass dort auf 20 und 60 Prozent angereichertes Material gelagert wurde. Satellitenbilder zeigten "regelmäßigen Fahrzeugverkehr" am Tunneleingang, hieß es weiter, ohne dass die IAEA den Zweck der Bewegungen klären konnte. Zudem bereitet der Behörde Sorge, dass der Iran den Zugang zu einer neuen, vierten Anreicherungsanlage in Isfahan verweigert, deren Existenz im Juni vergangenen Jahres bekanntgegeben wurde. Ob diese Anlage in Betrieb ist oder wo genau sie sich befindet, ist unklar.
Der Bericht wurde kurz vor der Sitzung des IAEA-Gouverneursrats am Montag an die Mitgliedstaaten verschickt. Gleichzeitig laufen Gespräche zwischen den USA und dem Iran, um eine nukleare Bewaffnung der Islamischen Republik zu verhindern. US-Präsident Donald Trump hat der iranischen Führung mehrfach mit Militärschlägen gedroht und eine nach eigenen Worten "massive Armada" in der Region zusammengezogen. Die Verhandlungen sollen in der kommenden Woche fortgesetzt werden.