Neues FriedensgutachtenFriedensforscher warnen vor Weltordnung neuer "Warlords" und wachsender Gewalt

Kriege als "gängiges Mittel" zur Durchsetzung eigener Interessen und eine Missachtung der internationalen Ordnung und Regelwerke.
Die vier führenden deutschen Konflikt- und Friedensforschungsinstitute haben vor einer Welt der neuen "Warlords" gewarnt. Einige Regierungen agierten mittlerweile wie Kriegsfürsten und trügen damit zum Zerfall der internationalen Ordnung bei, lautet das Fazit des am Montag präsentierten diesjährigen Friedensgutachtens. Abhilfe könne nur eine konsequente Orientierung am Völkerrecht schaffen.
"Wir sitzen hier jedes Jahr im Juni und seit Jahren warnen wir davor, dass es zum Zerfall der Ordnung und Regelwerke kommen könnte", sagte Ursula Schröder vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Uni Hamburg (IFSH) bei der Vorstellung des Gutachtens. "Und heute stehen wir hier und es ist soweit." Der Zerfall sei im vollen Gange und es gehe nun um die Frage: "Wie können wir ihn verlangsamen?"
Die Institute zeichnen in ihrem Gutachten eine Welt, in der nur noch sieben Prozent der globalen Bevölkerung in freien Demokratien lebten. Zugleich Die UNO sei "blockiert" oder werde "gar nicht zur Konfliktschlichtung einbezogen". Rüstungsausgaben stiegen drastisch an und Rüstungskontrolle greife immer weniger. Auch bei der wichtigen Entwicklungszusammenarbeit und humanitären Hilfe gebe es deutliche Mittelkürzungen.
Das Beunruhigendste aber sei, dass Kriege und militärische Gewalt nicht mehr wie in den vergangenen Jahrzehnten als letztes Mittel, als ultima ratio gesehen würden. Sondern eine Reihe von Akteuren feierten Kriege als "normales Mittel", um Macht auszuüben, als "gängiges, probates Mittel, um politische Ziele durchzusetzen". Diese Ziele wiederum dienten häufig individuellen, persönlichen Interessen sowie Profitinteressen.