Trotz neuen RahmenbedingungenGroße Mehrheit der in China aktiven deutschen Unternehmen will bleiben

Die große Mehrheit der in China aktiven deutschen Unternehmen will dem Standort trotz schwierigerer Rahmenbedingungen treu bleiben. 83 Prozent sehen die Wirtschaft im Reich der Mitte zwar in einem Abwärtstrend, wie aus der am Mittwoch veröffentlichten Umfrage der Deutschen Handelskammer in China hervorgeht. 91 Prozent wollen aber vor Ort bleiben. Lediglich sieben Prozent der befragten 566 Unternehmen tragen sich mit dem Gedanken, der Volksrepublik den Rücken zu kehren oder haben dies bereits getan. Im Vergleich zu 2020 hat sich der Anteil damit allerdings mehr als verdoppelt.
Mehr als die Hälfte der Betriebe findet, dass die Attraktivität Chinas als Investitionsstandort abnimmt. 79 Prozent erwarten in den nächsten fünf Jahren ein kontinuierliches Wachstum in ihrer Branche, 54 Prozent wollen weiterhin investieren - vor allem, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Zugleich wird das Risikomanagement verstärkt: 44 Prozent haben Maßnahmen ergriffen, um potenzielle Risiken im Zusammenhang mit ihrem China-Geschäft zu mindern. 83 Prozent begründen dies mit geopolitischen Spannungen, 45 Prozent mit der konjunkturellen Entwicklung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Zu den Maßnahmen gehören der Aufbau von China-unabhängigen Lieferketten (45 Prozent) und die Aufnahme zusätzlicher Geschäftsaktivitäten außerhalb Chinas (40 Prozent).
"Die rechtlichen Rahmenbedingungen in China schwächen die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen, die entschlossen sind, von der Innovationsstärke Chinas zu profitieren", sagte der Vorsitzende des Vorstands der Deutschen Handelskammer in China, Ulf Reinhardt. Angesichts der erstarkenden chinesischen Konkurrenz sei die Regierung in Peking aufgefordert, gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Das würde sich positiv auf das Investitionsvertrauen auswirken. "Die meisten chinesischen Unternehmen haben kaum Anlass, Wettbewerb zu fürchten", sagte Reinhardt. "Gleiche Wettbewerbsbedingungen werden Produktivität und Innovation in allen Branchen steigern."