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"Wenn es kracht, dann richtig"IWH erwartet mehr Firmenpleiten im September und Oktober

10.09.2024, 14:20 Uhr
Erneuter-Anstieg-an-Firmeninsolvenzen-in-Sachsen-Illustration
Erneuter Anstieg an Firmeninsolvenzen in Sachsen (Illustration). (Foto: Oliver Berg/dpa)

Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland ist einer Studie zufolge im August leicht gesunken bleibt aber auf vergleichsweise hohem Niveau. Die Summe der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften liegt bei 1282 und damit neun Prozent unter dem Juli-Wert, aber 27 Prozent über dem Niveau von August 2023, wie das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) mitteilte.

Besonders viele Insolvenzen gab es in Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen, wo jeweils die höchsten Werte seit Beginn der Erfassung im IWH-Insolvenztrend im Januar 2016 verzeichnet wurden. "Wir erwarten auf Basis unserer Frühindikatoren einen erneuten Anstieg der Insolvenzen im September und Oktober", sagte Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung. Die Insolvenzzahlen dürften damit weiter deutlich über dem Niveau von vor der Corona-Pandemie liegen.

Da die deutsche Wirtschaft sich am Rande der Rezession bewegt, erwarten viele Ökonomen, dass die Insolvenzen im weiteren Jahresverlauf steigen. Der weltweit größte Kreditversicherer Allianz Trade geht für Deutschland 2024 von einer Zunahme der Pleiten um 21 Prozent auf rund 21.500 Fälle aus, nach plus 22 Prozent 2023. Ende dieses Jahres dürften die Fallzahlen etwa 15 Prozent über dem Niveau von 2019 und damit vor der Pandemie liegen. Erst 2025 dürfte sich der Anstieg mit einem Plus von rund zwei Prozent auf 22.000 etwas abflachen.

Mit steigenden Firmenpleiten nehmen laut Allianz Trade auch Großinsolvenzen zu. Davon habe es im ersten Halbjahr 2024 bereits 40 Stück gegeben. Das sei nicht nur der höchste Wert zum Halbjahr seit 2015, sondern auch über ein Drittel mehr als im Vorjahreszeitraum. "Aktuell gilt häufig: Wenn es kracht, dann richtig", sagte Milo Bogaerts, Chef des Kreditversicherers für Deutschland, Österreich und der Schweiz.

"Große Insolvenzen haben oft einen Dominoeffekt auf viele Unternehmen in der gesamten Lieferkette", erklärte der Manager. "Nicht selten werden sie dabei mitgerissen und geraten selbst in den Abwärtssog, der im schlimmsten Fall ebenfalls in der Zahlungsunfähigkeit endet."

Viele große Insolvenzen gab es vor allem am Bau, im Mode-Einzelhandel, bei Dienstleistern sowie im Bereich Möbel und Haushaltswaren, wie Bogaerts erläuterte. Auch Kliniken kämpften weiter mit vielen Herausforderungen. Im ersten Halbjahr seien unter den Großinsolvenzen auch drei Kliniken gewesen

Quelle: ntv.de, RTS

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