Verteuerung der FinanzierungIfo-Institut erwartet deutlich weniger neue Wohnungen bis 2025

Angesichts gestiegener Zins- und Materialkosten sagt das Ifo-Institut einen drastischen Rückgang beim Wohnungsbau in Deutschland voraus. In diesem Jahr dürften lediglich rund 245.000 und 2024 sogar nur 210.000 Wohnungen in neuen Gebäuden fertiggestellt werden, wie die Münchner Forscher prognostizierten. 2025 dürften es - zusammen mit den übrigen Fertigstellungen - lediglich etwa 200.000 Wohneinheiten sein. Das wäre nur halb so viel wie von der Bundesregierung als Ziel ausgegeben.
"Der wichtigste Grund für den Rückgang ist die erhebliche Verteuerung der Finanzierung und der Bauleistungen", sagte Ifo-Bauexperte Ludwig Dorffmeister. "Gleichzeitig hat der Bund die Neubauförderung drastisch zurückgefahren und die Standards für den Neubau Anfang 2023 abermals verschärft." Bereits seit Monaten stoße deshalb die große Mehrheit der Bauträger keine neuen Vorhaben mehr an.
Daneben gebe es aber weiterhin Bauvorhaben im hochpreisigen Segment. Für deren Kunden spielten die gestiegenen Kosten keine große Rolle. "Inwieweit Änderungen der Rahmenbedingungen in einzelnen Bundesländern und Gemeinden Wirkung entfalten werden, bleibt abzuwarten", sagte Dorffmeister. Auch benötigen die Projekte einige Zeit zur Abarbeitung. Deshalb leere sich die Pipeline nicht so rasch.
Gleichwohl dürften die Auftragspolster vor dem Hintergrund der erheblich schwächeren Neubaunachfrage und der weiterhin erhöhten Häufigkeit von Auftragsstornierungen im Jahresverlauf deutlich abschmelzen. Im Mai stieg der Anteil der Stornierungen unter den Wohnungsbauunternehmen den Ifo-Umfragen zufolge auf 17,8 Prozent, nach 14,7 im April. Von einem Auftragsmangel waren im Mai 33,9 Prozent betroffen, nach 31,7 im April.
Die Zahl der Baugenehmigungen brach im April wegen gestiegener Zins- und Materialkosten so stark ein wie seit März 2006 nicht mehr. Nur noch 21.200 Wohnungen wurden genehmigt und damit 31,9 Prozent oder 9900 weniger als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die Zahl sinkt damit seit Mai 2022 kontinuierlich.