Institut Louis Joinet berichtetJahrzehnte von "institutioneller" Gewalt an katholischer Schule in Frankreich

In Frankreich haben Experten am Samstag die Ergebnisse ihrer Untersuchung zu den Missbrauchsfällen an der katholischen Schule Notre-Dame de Bétharram im Süden des Landes vorgelegt.
Dort und an anderen Einrichtungen der Kongregation seien Schülerinnen und Schüler über Jahrzehnte "systemischer" und "institutioneller" Gewalt ausgesetzt gewesen, hieß es in dem Bericht des auf Missbrauchsfälle spezialisierten, regierungsunabhängigen Instituts Louis Joinet (IFDJ). In den Jahren 1950 bis 2000 seien womöglich 700 bis 1500 Schülerinnen und Schüler der renommierten Institution nahe der Stadt Pau sowie in anderen Einrichtungen des katholischen Trägers Opfer von "Gewalt von außergewöhnlicher Schwere" geworden. Das IFDJ, das mehr als ein Jahr lang im Auftrag der Kongregation seine Untersuchung führte, sprach in seinem Bericht von "Massenverbrechen".
In Notre-Dame de Bétharram hätten sich Gewalttaten, darunter sexuelle Übergriffe und Ohrfeigen, ereignet, "die man als Sadismus und Folter bezeichnen kann", hieß es weiter. Der Bericht hob hervor, dass selten erstattete Berichte von Opfern oder deren Angehörigen angesichts des Rufs der Einrichtung als "wenig glaubwürdig" wahrgenommen worden seien. Es sei ein "generelles Versagen der Kontrollmechanismen" sowohl der Kirche als auch des Staates festzustellen.
Der Bericht benennt 37 Täter, sowohl Geistliche als auch Laien. Die Autoren befragten nahezu 140 ehemalige Schülerinnen und Schüler von Einrichtungen der Kongregation, die mehrere Schulen in Frankreich und auch in Afrika unterhielt. Die Schule Notre-Dame de Bétharram ist seit langem für ihren harten Umgang mit Kindern bekannt, was weithin als erfolgversprechende Erziehungsmethode galt. Erst als 2023 ein ehemaliger Schüler eine Facebook-Gruppe für Betroffene gegründet hatte, brachen viele Ehemalige ihr Schweigen. In der Folge wurden nach und nach weitere Vorwürfe publik und lösten in Frankreich eine Schockwelle aus.
Der Gewaltskandal setzte auch den ehemaligen Premierminister François Bayrou unter Druck, der aus Pau stammt und jahrelang in der Regionalpolitik aktiv war. Ihm wurde vorgeworfen, von den Übergriffen gewusst, aber nichts unternommen zu haben.