Entgegenkommen der Serben nötigKosovarische Außenministerin stellt Neuwahlen in vier Gemeinden in Aussicht

Nach den gewaltsamen Zusammenstößen im Norden des Kosovo hat die kosovarische Außenministerin Neuwahlen in vier dortigen Gemeinden in Aussicht gestellt. "Wir sind offen für neue Wahlen", sagte Donika Gervalla-Schwarz bei einem Besuch in Prag. Allerdings seien dafür Zwischenschritte notwendig. "Es ergibt keinen Sinn, dass wir neue Wahlen ankündigen und die andere Seite kündigt an, diese zu boykottieren", betonte die Ministerin.
Die Einsetzung ethnisch-albanischer Bürgermeister in mehrheitlich von Serben bewohnten Städten durch die kosovarische Regierung hatte im April zu heftigen Protesten der serbischen Minderheit geführt. Dabei wurden zahlreiche Menschen verletzt, darunter mehr als 30 Soldaten der internationalen Schutztruppe KFOR. Zuvor hatte die serbische Minderheit die Regionalwahlen im Norden des Landes weitgehend boykottiert.
Gervalla-Schwarz erklärte, sie sei überzeugt, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Gewalt und den vier Gemeinden sowie den dortigen Wahlen gebe. Sie warf Serbiens Präsidenten Aleksandar Vucic vor, zu den Zusammenstößen beigetragen zu haben. Er wolle "das Kosovo destabilisieren", sagte sie. Ihre Regierung hingegen verurteile die Gewalt und zeige "gleichzeitig, dass wir offen sind (...) Wege zu finden, wie wir die Gewalt stoppen und sie in Zukunft verhindern können".
Im Kosovo beträgt der Anteil der ethnischen Serben an der Bevölkerung nur etwa sechs Prozent. Das 1,8-Millionen-Einwohner-Land Kosovo mit seiner mehrheitlich ethnisch-albanischen Bevölkerung hatte im Jahr 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt, wird aber von Belgrad bis heute als serbische Provinz betrachtet.