ThüringenTrockenheit und Hitze setzen Fröschen und Kröten zu

Durch die Hitze trocknen so manche Gewässer aus - und für Frösche, Kröten und Molche kann es gefährlich werden. Warum besonders Jungtiere in flachen Gewässern gefährdet sind, erklärt ein Experte.
Erfurt (dpa/th) - Frösche, Kröten, Molche: Auch manche Tiere haben mit der Hitze zu kämpfen. Für Amphibien können die hohen Temperaturen und die Trockenheit zur Überlebensfrage werden, wie Felix Bochdalofszky von der Natura 2000-Station Auen, Moore, Feuchtgebiete erklärte. Die Organisation ist in Thüringen Ansprechpartner für Belange im Amphibien- und Reptilienschutz, Kooperationspartner ist unter anderem der Naturschutzbund (Nabu) Thüringen. Amphibien sind eine der am stärksten gefährdeten Artengruppen.
So setzte die Hitze Amphibien auf mehrere Wegen unter Stress. Denn diese nehmen über ihre Haut Feuchtigkeit auf. Die hohen Temperaturen sowie die meist geringere Luftfeuchtigkeit belasteten den Organismus der Lebewesen extrem, erläuterte Bochdalofszky weiter. Außerdem trockneten ihre Lebensräume bei den derzeitigen klimatischen Bedingungen zunehmend aus - sowohl die Gewässer als auch an Land.
Ganze Generationen können sterben
Besonders stark wirkt sich demnach die Hitze auf die sogenannten Pionieramphibien aus, die in der Regel auf sehr flache Laichgewässer angewiesen sind. Dazu gehören etwa die Kreuzkröte, Wechselkröte oder auch die Gelbbauchunke und Rotbauchunke. Zum Teil kommen die Tiere nicht mehr in ihren ursprünglichen Habitaten vor, weswegen sie auch etwa an künstlichen Gewässern oder gar in Fahrspuren ablaichen.
Problematisch wird es, wenn diese flachen Gewässer austrocknen, bevor die Metamorphose - also die Umwandlung der Larven zu Kaulquappen - abgeschlossen ist, wie der Amphibienexperte erklärte. Denn als Larven seien sie nicht außerhalb des Wassers lebensfähig - und verendeten. So könnten "ganze Generationen in einem Jahr absterben".
Doch auch nachdem die Metamorphose abgeschlossen ist, können ihm zufolge die hohen Temperaturen für die Tiere problematisch sein. Denn die Jungtiere halten sich meist weiterhin an ihrem Laichgewässer auf. Wenn diese austrocknen, kann es sein, dass die kleinen Hüpferlinge nicht genug Nahrung finden oder dort einfach im Gelände austrocknen. Doch auch ausgewachsene Tiere litten unter den Temperaturen. "Die brauchen eben auch kühlere oder feuchtere Rückzugsorte", so Bochdalofszky.
Auswirkungen der heißen Periode zeigen sich erst noch
Problematisch werden nach Angaben des Experten Temperaturen um die 35 Grad. Aber solange die Tiere kühle und feuchte Rückzugsorte hätten, könnten sie diese Tage auch gut überstehen. "Gefährlich wird es, wenn es eben über Wochen keine Niederschläge gibt in Verbindung mit hohen Temperaturen und Sonneneinstrahlung", so der Experte.
Positiv sei gewesen, dass es vor der Hitzewelle zu relativ guten Zeiten ausreichend geregnet habe in Thüringen. Dadurch sei frühzeitig genug Wasser zum Laichen da gewesen. Doch nicht alle Amphibien sind Bochdalofszky zufolge gleich stark betroffen. Arten wie der Teichfrosch leben in tieferen Gewässern – diese trocknen langsamer aus und bieten länger Schutz.
Wie sich die derzeitige Hitze und Trockenheit auf den Bestand der Amphibien auswirkt, zeige sich jedoch erst in den kommenden Jahren. Dann erst stelle sich heraus, wie erfolgreich die Reproduktion war und wie viele Tiere die heißen Perioden überlebten.