Sei von "Vier-Mann-Kommando" getötet wordenLibysche Staatsanwalt nimmt Ermittlungen nach Tod von Gaddafi-Sohn auf

Nach dem Tod von einem der Söhne des verstorbenen libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi, Seif al-Islam Gaddafi, hat die libysche Staatsanwaltschaft nach eigenen Angaben Ermittlungen aufgenommen.
Nach dem Tod von einem der Söhne des verstorbenen libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi, Seif al-Islam Gaddafi, hat die libysche Staatsanwaltschaft nach eigenen Angaben Ermittlungen aufgenommen. Die Staatsanwaltschaft erklärte am Mittwoch, dass forensische Experten in die Stadt Sintan im Nordwesten Libyens entsandt worden seien, wo Seif al-Islam erschossen worden war. Die Ermittler wollen laut Staatsanwaltschaft Zeugen und all jene befragen, die "möglicherweise Aufschluss über den Vorfall geben können".
Ein Anwalt des Gaddafi-Sohns, Marcel Ceccaldi, sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass Seif al-Islam am Dienstag von einem bislang nicht identifizierten "Vier-Mann-Kommando" getötet worden sei, das zuvor sein Haus in Sintan gestürmt habe. Russland verurteilte die Tötung von Seif al-Islam scharf. "Wir hoffen, dass sorgfältige Ermittlungen ausgeführt werden und die Täter vor Gericht gestellt werden", erklärte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa. Seif al-Islam stand im Verdacht, enge Verbindungen zu Russland gepflegt zu haben.
In Libyen herrschen seit dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 Chaos, Gewalt und Instabilität. Das nordafrikanische Land ist seitdem geteilt - die offizielle, von der UNO anerkannte Regierung von Ministerpräsident Abdulhamid Dbeibah in Tripolis im Westen konkurriert mit einer Gegenregierung im Osten, die vom dort ansässigen Parlament und dem mächtigen General Chalifa Haftar unterstützt wird.
Bislang äußerte sich keine der beiden Seiten zu dem Tod Seif al-Islams.
Seif al-Islam war lange Zeit als möglicher Nachfolger seines Vaters gehandelt worden und hatte sich vor dem Arabischen Frühling 2011 ein moderates und reformorientiertes Image gegeben. Dieser Ruf löste sich auf, als er angesichts der Protestbewegungen in den nordafrikanischen Ländern "Blutbäder" ankündigte. Im November 2011 wurde er auf Grundlage eines Haftbefehls des Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) im Süden Libyens festgenommen. 2015 wurde er von einem Gericht in Tripolis in Abwesenheit wegen Verbrechen während der Revolte, die zum Sturz seines Vaters führte, zum Tode verurteilt. Später wurde er von einer rivalisierenden Regierung im Osten Libyens begnadigt.