"Mörder nicht willkommen"Proteste in Bangkok gegen Chef der Militärjunta in Myanmar nach Erdbeben

Nach dem verheerenden Erdbeben in Myanmar mit tausenden Toten ist der Chef der Militärjunta zu einem Regionalgipfel in Thailand gereist, was heftige Proteste auslöste. "Der Mörder Min Aung Hlaing ist nicht willkommen", war am Freitag auf einem Banner außerhalb eines Nobelhotels in Bangkok zu lesen, bei dem Anrainerstaaten des Golf von Bengalen zu einem Treffen zusammenkamen.
Myanmars Schattenopposition, die Nationale Einheitsregierung (NUG), bezeichnete die Anwesenheit des Junta-Chefs auf dem Gipfel in Thailand als einen Affront "angesichts des unermesslichen Leids, das er dem Volk von Myanmar zugefügt hat". Die NUG erklärte, durch die Teilnahme von Vertretern der Militärjunta an regionalen und internationalen Foren werde ein "illegales Regime legitimiert". Das Militär in Myanmar hatte 2021 durch einen Putsch die Macht im Land erlangt.
Eine Woche nach dem Beben der Stärke 7,7 ist die Zahl der Todesopfer in dem südostasiatischen Land laut offiziellen Angaben auf mehr als 3000 angestiegen. Weitere 4500 Menschen wurden laut Staatsmedien verletzt, 221 gelten als vermisst. Auch in Bangkok gab es 22 Tote. Die meisten von ihnen wurden beim Einsturz eines sich im Bau befindlichen Hochhauses verschüttet.
Um die Katastrophenhilfe und den Wiederaufbau in Myanmar zu erleichtern, hatte die in dem südostasiatischen Land herrschende Militärjunta am Mittwoch eine temporäre Waffenruhe verkündet. In Myanmar gibt es immer wieder Kämpfe der Armee gegen bewaffnete ethnische und pro-demokratische Gruppen.
Nach Angaben der Vereinten Nationen wird die Waffenruhe allerdings nicht eingehalten: Wie das UN-Menschenrechtsbüro mitteilte, kam es seit Mittwoch zu mindestens 16 Luftangriffen des Militärs auf Ziele in verschiedenen Landesteilen, darunter auch in Gebieten, die von dem Erdbeben betroffen sind.
UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk forderte am Freitag die Einhaltung der Waffenruhe und den sofortigen und ungehinderten Zugang von Rettungskräften und humanitären Helfern zu den Betroffenen. "Ich hoffe, dass diese schreckliche Tragödie ein Wendepunkt für das Land auf dem Weg zu einer umfassenden politischen Lösung sein kann", erklärte er.