Ex-Minister unter KorruptionsverdachtSpanien: Vertrauter von Regierungschef Sánchez vor Gericht

Der frühere spanische Verkehrsminister José Luis Ábalos kommt wegen Korruptionsverdachts vor Gericht: Der Oberste Gerichtshof in Madrid ordnete heute ein Gerichtsverfahren gegen den Ex-Minister an.
Ábalos ist langjähriger enger Vertrauter von Regierungschef Pedro Sánchez und verhalf diesem 2018 an die Macht. Neben ihm sind weitere hochrangige Persönlichkeiten aus dem Umfeld der regierenden sozialistischen Partei in den Fall verwickelt, der die spanische Minderheitsregierung ins Wanken gebracht hat.
Ábalos und sein früherer Berater Koldo García werden verdächtigt, während der Corona-Pandemie Schmiergeld für die Vergabe öffentlicher Aufträge für Atemschutzmasken kassiert zu haben. Die Staatsanwaltschaft fordert 24 Jahre Haft für Ábalos und 19 Jahre und sechs Monate Haft für García. Beide Männer blieben wegen des Vorwurfs der Bestechung, Machtmissbrauchs, Veruntreuung und der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung in Untersuchungshaft, erklärte das Oberste Gericht. Ábalos war Ende November festgenommen worden. Er war 2021 aus der Regierung ausgeschieden, ist jedoch weiterhin Abgeordneter im spanischen Parlament.
Der Korruptionsskandal hat die ohnehin instabile Regierung in Madrid erschüttert. Sánchez hatte den Vorwurf illegaler Finanzierung in der sozialistischen Partei zurückgewiesen und sich bislang geweigert, eine Neuwahl auszurufen. Es ist nicht der einzige Skandal in Sánchez' Umfeld. Auch gegen seine Ehefrau Begoña Gómez und seinen Bruder David Sánchez gibt es Korruptionsvorwürfe.