Wirtschaft

Pressestimmen zum Aus des A380 "Airbus hat aufs falsche Pferd gesetzt"

imago89267478h.jpg

Der A380 galt als "Renommierprojekt der europäischen Fliegerei".

(Foto: imago/Rupert Oberhäuser)

Airbus rückt von seinem Mammutflieger A380 ab und stellt die Produktion ein. Was ein schwerer Schlag für den europäischen Flugzeugbauer ist, stellt für Konkurrent Boeing einen Erfolg dar. Darin ist sich die Inlandspresse einig - ebenso wie bei der Schuldfrage.

Als einen groben "Fehler des Managements" bezeichnet die "Rhein-Zeitung" die Entscheidung am Jumbo festzuhalten. "Airbus hat mit dem A380 zu lange aufs falsche Pferd gesetzt. Die Skepsis gegenüber dem Riesenflieger bestand von Anfang an, der Rückgang der weltweiten Nachfrage für sehr große Jets zeichnete sich seit Jahren ab", schreibt das Blatt. Der US-Konkurrent Boeing beschere das Aus "einen Triumph", Airbus dagegen "einen Prestigeverlust".

In die gleiche Kerbe schlägt auch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Für die FAZ steht der A380 "für eine doppelte Überschätzung - die der eigenen Kräfte und die der Nachfrage der Fluggesellschaften". Der Riesenflieger sei nur durch eine Zangengeburt auf die Welt gekommen und habe interne Reibereien im europäischen Konzern brutal offengelegt. "Die Fabriken in den verschiedenen Ländern arbeiteten mehr gegen- als miteinander. Ganze Managerschichten mussten ausgetauscht werden. Die Fehleinschätzung des Marktes blieb aber", schreibt die Zeitung.

Für die "Frankfurter Rundschau" hat das "Renommierprojekt der europäischen Fliegerei" eine Symbolkraft der negativen Art. Das zeige exemplarisch, "dass das technisch Machbare nicht unbedingt mit dem ökonomisch Sinnvollen gleichzusetzen ist", schreibt die FR.

"Ressourcen in kleinere Flugzeuge stecken"

Was für viele zu spät kam, sehen die "Westfälischen Nachrichten" noch als "rechtzeitig". "Statt noch mehr Geld in ein Modell zu stecken, das erkennbar keine lange Zukunft hat, ist es für Mitarbeiter und Aktionäre besser, alle Ressourcen in die Neu- und Fort-Entwicklung der kleineren Flugzeuge zu stecken", schreibt das Blatt. Nur so könne dem Konkurrenten Boeing Paroli geboten werden.

Den Erfolg des Unternehmens dürfe das Scheitern des Riesenfliegers aber nicht in Frage stellen, schreibt die "Stuttgarter Zeitung". "Als Anfang der 1990 Jahre die damalige Daimler-Benz-Tochter Deutsche Aerospace Airbus GmbH in die Offensive ging, ging es um nichts weniger als darum, dem amerikanischen Marktführer Boeing einen ernsthaften Konkurrenten entgegenzustellen". Das sei gelungen. "Zurzeit hat Airbus sogar die Nase vorn, verkauft weltweit mehr Flugzeuge als die Amerikaner und verdient dabei sogar noch recht ordentlich Geld."

Zusammengestellt von Michael Bauer

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de, mba/dpa

Mehr zum Thema