Wirtschaft

"Anlass zur Besorgnis"Airline-Verband warnt vor ersten Flugausfällen im Mai

17.04.2026, 21:29 Uhr
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Flugzeuge rollen auf dem Flughafen Frankfurt zu ihrer Parkposition. (Foto: picture alliance/dpa)

Als Folge des Iran-Krieges explodieren die Treibstoffpreise. Der Airline-Verband Iata fürchtet erste Flugausfälle in den kommenden Wochen. Für Individualreisende droht im Falle einer Airline-Pleite aber noch ein viel größeres Problem.

Der internationale Airline-Verband Iata warnt wegen des Kerosinmangels infolge des Iran-Kriegs vor ersten Flugausfällen Ende Mai in Europa. Die Einschätzung der Internationalen Energieagentur mit Blick auf mögliche Engpässe bei Flugbenzin "gibt Anlass zur Besorgnis", erklärte die Iata. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) forderte "sofortige, vorzugsweise auf EU-Ebene koordinierte Maßnahmen".

Iata-Chef Willie Walsh verwies auf die Lage in Asien: Dort komme es bereits zu Flugausfällen wegen Kerosinmangels. Asien ist sehr viel stärker als Europa von Kerosin-Lieferungen aus den Golfstaaten angewiesen. Der BDL in Berlin erklärte, Kerosinmangel werde "in einem ersten Schritt" dazu führen, dass weniger ausgelastete Kurzstrecken temporär ausgesetzt werden und älteres Fluggerät mit höherem Kerosinverbrauch schneller außer Betrieb genommen wird.

Eingeschränkte Fluganbindungen würden der deutschen und europäischen Wirtschaft "erheblichen Schaden" zufügen, betonte der Verband. "Die Sommerreisesaison steht unmittelbar bevor, das Ökosystem Tourismus ist in der Hauptreise- und Geschäftszeit bei ein- und ausreisenden Touristen auf den Luftverkehr angewiesen."

Verbraucherzentrale fürchtet Insolvenzen von Airlines

Der Iran-Krieg hat einen sprunghaften Anstieg des Kerosinpreises ausgelöst, noch stärker als beim Rohöl. Auf allen Kontinenten haben zahlreiche Fluggesellschaften ihre Tarife erhöht und Flüge aus Sicherheits- oder Rentabilitätsgründen ausgesetzt. Am Nachmittag gab Teheran die Straße von Hormus wieder für die Handelsschifffahrt frei, was die Ölpreise auf Talfahrt schickte. Allerdings wird das Hochfahren der Ölproduktion in einigen Golf-Staaten wohl länger dauern.

Einige Länder der Golfregion könnten ihre Ölförderung schnell wieder hochfahren, sagte Saudi-Arabiens Finanzminister Mohammed Al-Dschadaan am Rande der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank in Washington. Andere bräuchten wegen der erlittenen Schäden mehr Zeit. Die größte Herausforderung sei derzeit nicht die Produktionsmenge. Vielmehr stelle sich die Frage, ob Versicherer die Transporte absichern würden, erklärte der Minister.

Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie sieht aktuell "für Deutschland keine Versorgungsengpässe bei Benzin, Diesel, Heizöl und Flugkraftstoff". "Allerdings stellt die Versorgung mit Rohöl und Mineralölprodukten infolge der Nahostkrise eine anhaltende Herausforderung für unsere Branche dar, so dass wir die Situation permanent neu bewerten müssen."

Der Verbraucherzentrale Bundesverband warnt angesichts drohender Kerosinknappheit vor Insolvenzen von Fluggesellschaften und Schäden für Verbraucherinnen und Verbraucher. "Wir fürchten, dass mit knappem und teurem Treibstoff vermehrt Insolvenzen von Fluggesellschaften drohen", sagte Ann-Cathrin Beermann vom VZBV den Zeitungen der Funke Mediengruppe. In diesem Fall gebe es für Individualreisende praktisch keinen Schutz. "Sie verlieren das Geld, dass sie für die Tickets gezahlt haben, und müssen, falls sie schon am Urlaubsort sind, eigenständig eine Heimreise organisieren."

Der VZBV fordert deshalb eine Insolvenzabsicherung für Verbraucher in der Fluggastrechteverordnung, "in Form eines Fonds, der auch Individualreisende absichert", sagte Beermann. Gegen wegen Kerosinmangels gestrichene Flüge seien Verbraucher relativ gut abgesichert, sagte Beermann weiter. "Die Tickets werden umgebucht oder der Preis erstattet", sagte sie. "Das ist ärgerlich, aber aushaltbar."

Quelle: ntv.de, jpe/AFP/rts

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