Wirtschaft

Früher Bücher, heute alles Amazon kann mehr als nur Versandhandel

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Amazon ist das zweitwertvollste börsennotierte Unternehmen der Welt.

(Foto: REUTERS)

Für Amazon ist ein amerikanischer Traum in Erfüllung gegangen. Nicht vom Tellerwäscher zum Millionär, aber vom Startup zum größten Onlinehändler der Welt. Das Unternehmen kann aber noch viel mehr.

Der Werdegang ist beeindruckend: Innerhalb von 24 Jahren ist Amazon nach der Gründung als Internetbuchhandlung auf Platz zwei der wertvollsten börsennotierten Unternehmen der Welt. Die Erfolgsgeschichte dürfte noch nicht zu Ende sein, denn das Öko-System "Amazon" betrifft Millionen von Kunden und viele Geschäftsbereiche, die gutes Geld verdienen. Davon können sich Anleger heute Abend nach US-Börsenschluss überzeugen, wenn die Geschäftsergebnisse aus dem vergangenen Quartal präsentiert werden. 

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Im Schnitt erwarten die Analysten 2,47 US-Dollar, eine Steigerung von 40 Cents gegenüber dem Vorjahresquartal. In den vergangenen drei Quartalen hat Amazon jeweils die Analystenprognosen übertroffen und konnte damit den eigenen Aktienkurs nach oben treiben. Auch diesmal spricht einiges dafür, nicht nur die Erwartungen zu übertreffen, sondern noch einen positiven Ausblick auf das verbleibende Geschäftsjahr zu geben.

Dieser Blick in die Zukunft dürfte besonders von der Dominanz im US-Onlinehandel geprägt sein, wo Amazon in diesem Jahr laut dem US-Marktforschungsunternehmen eMarketer einen Markanteil von fast 50 Prozent erreichen wird. Auf den Plätzen folgt Ebay und Apple mit 6,6 beziehungsweise 3,9 Prozent.

Diese herausragende Marktstellung hat Amazon durch zahlreiche Investitionen und Aufkäufe von Unternehmen im Laufe seiner Geschichte erreicht. Daher ist Amazon zum weltweit führenden Handelsplatz geworden, wo fast alles eingekauft werden kann, von Kleidung und Spielzeug bis hin zu Elektronik und sogar Bio-Lebensmitteln. Rund 100 Millionen Kunden treffen inzwischen auf ein Biotop aus Dienstleistungen von Amazon - angefangen bei Produkten, der Bezahlung über Amazon Pay, bis zu einem eigenen Lieferdienst oder dem Streaming-Dienst via Amazon Prime.

Amazon macht sich breit

Die Nutzung der einzelnen Dienstleistungen von Amazon ist einfach. Ob Sprachassistent Alexa einem jeden Wunsch erfüllt beziehungsweise per Sprachsteuerung Empfehlungen abgibt oder Pakete an gewünschten Orten zuhause abgegeben werden, an diese Bequemlichkeiten gewöhnt sich der Nutzer und wechselt daher nicht so schnell den Anbieter. Gleichzeitig ergeben sich daraus Möglichkeiten, die Preise zu erhöhen, was zuletzt auch zu deutlich steigenden Gewinnen geführt hat. In der Vergangenheit waren Investitionen und Wachstum noch sehr viel wichtiger als das Ziel, einen Gewinn zu erzielen, doch das scheint sich allmählich zu ändern.

"Amazon ist viel mehr als ein Online-Shop", sagt Carlo Alberto De Casa, Chef-Analyst beim britischen Broker ActivTrades im Gespräch mit n-tv.de. "Das Unternehmen ist ein riesiges Konglomerat mit Beteiligungen in vielen Bereichen, dazu zählt vor allem der wachstumsstarke und profitable Bereich Cloud Computing", fügt de Casa hinzu.

In diesem als Amazon Web Services (AWS) bezeichneten Bereich ist Amazon ebenso wie beim Online-Handel die Nummer eins, noch vor Techgrößen wie etwa Microsoft. In den vergangenen Jahren wurde stark in technologische Infrastruktur und Rechenzentren investiert, um ein effizientes Website- und Inventarmanagementsystem zu betreiben. Aufgrund der hohen Investitionen in diesem Bereich kann das Cloud-Geschäft nicht nur Privat-, sondern auch Geschäftskunden preiswert angeboten werden.

Zahlreiche Unternehmen aus dem S&P 500 zählt Amazon in diesem Segment zu seinen Kunden. Durch die starke Nachfrage wächst das Cloud-Computing mit rund 50 Prozent im Jahr.

Investitionen zahlen sich aus

Die Erfolgsstory hat aber auch einen Haken, denn Amazon kennt nicht nur durch seine eigenen zahlreichen Dienste die Bedürfnisse und das Verhalten seiner Kunden, sondern auch die anderer Kunden von Unternehmen, die Dienstleistungen von Amazon in Anspruch nehmen. Die Daten laufen bei Amazon zusammen und das Unternehmen kann sämtliche Daten auswerten - zum eigenen Vorteil.

Quelle: n-tv.de

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