Wirtschaft

"Als merkwürdiger Mensch geboren" American-Apparel-Gründer will Chef sein

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(Foto: picture alliance / dpa)

Er nennt Angestellte "Schlampen" und masturbiert während eines Interviews: Dov Charney. Der Verwaltungsrat feuert den Gründer des Textil-Unternehmens American Apparel, doch der will sich das nicht bieten lassen.

Dov Charney gibt sich nicht geschlagen. Vor zwei Wochen warf der Verwaltungsrat den Gründer, Chef und Großaktionär der Bekleidungskette American Apparel raus, doch das will der nicht hinnehmen - und kauft fleißig Aktien. Mittlerweile kontrolliert Charney mithilfe eines Investors 43 Prozent der Anteile. Nun muss er lediglich weitere sieben Prozent der Aktionäre auf seinen Kurs bringen oder weiter zukaufen, um die Kontrolle über die Firma zurückzugewinnen, die für anzügliche Werbung bekannt ist.

Überraschend ist der erbitterte Kampf Charneys nicht - allein schon wegen seines überaus großen Egos. Seine weiblichen Angestellten bezeichnete der Gründer von American Apparel gerne als "Schlampen" oder "Huren". Er musste sich zahlreichen Klagen wegen sexueller Belästigung erwehren - viele davon wurden allerdings abgewiesen. Charney gab immerhin zu, er habe "Dates" mit weiblichen Angestellten gehabt. Zudem war er in Fabriken häufiger in Unterwäsche anzutreffen. Auch an Sitzungen soll er gelegentlich nur spärlich bekleidet teilgenommen haben. "Ich lasse regelmäßig meine Hosen herunter, um Leuten mein neues Produkt zu zeigen", sagte Charney.

Weitere bizarre Äußerungen sind Legion. So gab er im Juli 2004 ein denkwürdiges Interview. Der Journalistin zufolge masturbierte Charney während des Gesprächs, das sich um Geschäftliches, Models und die Einstellungspraxis drehte. "Selbstbefriedigung vor Frauen wird unterschätzt", gab Charney später zu Protokoll.

All das konnte Charney nichts anhaben, erst jetzt zog der Verwaltungsrat die Reißleine. "Das Unternehmen ist sehr viel größer geworden als ein einziger Mann. Und die Belastungen, für die Dov sorgte, begannen die Verdienste bei weitem zu überlagern", sagte Allan Mayer, seines Zeichens neuer Vize-Vorsitzender des Verwaltungsrats. Das Gremium habe Kenntnis erhalten von Dingen, "von denen wir bisher nichts wussten. Die einzig richtige und vernünftige Entscheidung war, Dov zu bitten, die Firma zu verlassen." Was der konkrete Anlass zum Rauswurf Charneys war, sagte er nicht.

Tiefrote Zahlen

Unabhängig vom Verhalten des Firmengründers haben wohl auch nackte Zahlen zu seinem Rausschmiss geführt. Seit Jahren schreibt American Apparel Verluste, allein im vergangenen Jahr verbrannte das Unternehmen 106 Millionen Dollar. Für Kredite verlangen Investoren hohe Zinsen. Andere wollen Berichten zufolge nichts mit der Bekleidungsfirma zu tun haben, solange Charney dort etwas zu sagen hat. Auch bei Aktionären genießt er wenig Vertrauen: Innerhalb von fünf Jahren haben die Papiere 80 Prozent an Wert verloren, nach seinem Rauswurf ging es wieder etwas aufwärts.

Der Machtkampf wird dem Unternehmen nach Analysteneinschätzung schwer schaden. Das sieht Charney wohl anders - oder es ist ihm egal. Wahrscheinlich wird die Fehde vor diversen Gerichten ihre Fortsetzung finden. American Apparel hat bereits angekündigt, das Verhalten des Firmengründers in der Vergangenheit untersuchen zu lassen. Was dabei herauskommt? "Manchmal bin ich mein größter Feind", sagte Charney in einem Interview. "Ich wurde als eigenartiger Mensch geboren."

Quelle: ntv.de