Wirtschaft

Frequenz-Auktion in Österreich Anbieter treiben Preise durch die Decke

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mehr als zwei Milliarden Euro bringen die Mobilfunkfirmen bei der Frequenzversteigerung auf.

(Foto: REUTERS)

Der Erlös der Frequenzversteigerung für den Mobilfunk in Österreich übertrifft deutlich die Erwartungen. Die Unternehmen reagieren mehrheitlich gereizt. Der Staat indes hat plötzlich eineinhalb Milliarden Euro Mehreinnahmen.

Dem österreichische Staat spült die Auktion von Mobilfunk-Frequenzen rund zwei Milliarden Euro in die Kasse. Die drei Anbieter im Alpenland berappten damit etwa viermal so viel wie das geforderte Mindestgebot. Österreich versteigerte bei der sechswöchigen Aktion insgesamt je 140 Megahertz an Spektrum für das Herunter- und Heraufladen von mobilen Daten. Neben den Frequenzen im 800 Megahertz-Band wurde auch Spektrum im 900- und 1.800 Megahertz-Band versteigert.

Letztlich sicherte sich Marktführer Telekom Austria die Hälfte der verfügbaren Frequenzen, darunter den Löwenanteil des Spektrums im 800 Megahertz Band. Es gilt als besonders wertvoll, weil es am besten dafür geeignet ist, landesweit neue, schnelle LTE-Netze aufzubauen. Telekom Austria trägt mit 1,03 Milliarden Euro folgerichtig auch rund die Hälfte der Kosten für die Frequenzen. Die Deutsche Telekom gab 654 Millionen Euro aus und der dritte Anbieter in Österreich, Hutchison, zahlte 330 Millionen Euro.

Deutliche Kritik der Firmen

Die Frequenzen in Österreich gehören zu den teuersten in Europa. In Deutschland zahlten bei einer ähnlich gelagerten Frequenzauktion im Jahre 2010 vier Anbieter insgesamt rund 4,4 Milliarden Euro -- die Einwohnerzahl in Deutschland liegt aber rund zehnmal höher als in Österreich. Entsprechend hielten sich die Wettbewerber der Telekom Austria mit Kritik nicht zurück.

"Die Preise der Frequenzen sind in völlig irrationale Höhen gestiegen. Aus standortpolitischer Sicht darf man sich nichts vormachen: Die teure Auktion ist eine Extra-Steuer auf Mobilfunk und auf mobiles Breitband, die wichtigste Säule für die künftige Internetversorgung im ländlichen Raum," sagte Jan Trionow, Chef von 3 in einer Mitteilung.

3 gehört Hutchison aus Hongkong, die im vergangenen Jahr die österreichische Tochter der französischen Orange gekauft hatten, und damit den Konsolidierungsprozess im europäischen Telekommunikationssektor in Gang gesetzt hatten. 3 hat als einziger Anbieter auch kein Spektrum im wertvollen 800 Megahertz-Band gekauft und fuhr damit eine ähnliche Strategie wie 2010 die KPN-Tochter E-Plus in Deutschland, die jetzt Telefonica Deutschland übernehmen will.

Auch T-Mobile Austria, die Tochter der Deutschen Telekom, kritisierte den Preis. "Die Gebühren liegen infolge des spekulativen Auktionsdesigns an der Spitze der in der EU eingenommenen Lizenzgebühren, während die Mobilfunk-Preise in Österreich zu den niedrigsten in der EU zählen. Diese exorbitant hohen Lizenzgebühren entziehen den Netzbetreibern die dringend benötigten Mittel für den Netzausbau", sagte Andreas Bierwirth, Chef von T-Mobile Austria. Das Unternehmen ersteigerte neun Frequenzblöcke, davon zwei im 800 Megahertz-Band.

Staat hat 600 Millionen Euro bereits verplant

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Telekom-Austria-Chef Hannes Ametsreiter ist zufrieden.

(Foto: REUTERS)

Zurückhaltend gab sich Telekom Austria: "Wir sind sehr glücklich über die hervorragende Frequenzausstattung, die wir erwerben konnten. Der hohe Preis, der dafür nötig war, ist klarerweise ein Wermutstropfen, aber A1 (unter dieser Marke operiert die Telekom Austria im Mobilfunk) ist nun für die Zukunft - insbesondere für die fortschreitende Explosion der Datenvolumina - bestens gerüstet", sagte Vorstandschef Hannes Ametsreiter. Das Unternehmen will den Erwerb über bestehende liquide Mittel und zusätzliche Schulden finanzieren. Analysten hatten für das Unternehmen mit Kosten zwischen 300 und 400 Millionen Euro gerechnet. Fällig ist das Geld in rund acht Wochen.

Der Chef der für den Verkauf zuständige Behörde RTR verteidigte das Versteigerungseregebnis. Letztlich spiegle sich darin der Wert des Marktes, sagte Georg Serentschy. "Österreich ist ein Vorzeigeland des Mobilfunks."

Die Einnahmen aus der Auktion kommen dem Staat zugute. 600 Millionen Euro hat die bisherige Regierung bereits verplant. Was mit dem Rest passiert, dürfte in den laufenden Koalitionsverhandlungen nach der Parlamentswahl Ende September entschieden werden. Zusätzliche Einnahmen sind dem Staat jedoch höchst willkommen - zumal Problembanken wie die Hypo Alpe Adria voraussichtlich weitere Hilfen benötigen.

Österreichs Markt hart umkämpft

Der österreichische Mobilfunkmarkt gilt als einer der am härtesten umkämpften in Europa. In dem Land mit gut acht Millionen Einwohnern kämpfen die Firmen mit Billigangeboten um  Kunden - obwohl es nach der Übernahme von tele.ring 2006 und Orange Anfang 2013 jetzt nur mehr drei Anbieter gibt. Doch was den Unternehmen zu schaffen macht, freut die Kunden: Sie telefonieren und surfen hier so günstig wie in kaum einem anderen Land Europas.  

Auch andere Staaten hatten zuletzt LTE-Frequenzen versteigert: In den Niederlanden hatte die Auktion im vergangenen Jahr 3,8 Milliarden Euro eingebracht. Deutschland erlöste 2010 damit 4,4 Milliarden Euro. In Frankreich hatten Frequenzauktionen die Anbieter zuletzt 3,6 Milliarden Euro gekostet, in Großbritannien 2,34 Milliarden Pfund.

Quelle: n-tv.de, jwu/rts/DJ

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