Wirtschaft

Zwischen Zahlen und Zöllen Anleger hängen weiter an Trumps Lippen

RTX6C1RQ.jpg

US-Präsident Donald Trump mit Außenminister Mike Pompeo.

(Foto: REUTERS)

Die Berichtssaison in Europa nimmt Fahrt auf. Der Optimismus überwiegt, die Kurse könnten steigen. Doch die Sorge vor Trumps Strafzöllen könnte auch einen Strich durch die Rechnung machen.

Mit dem Risiko emotionaler Tweets oder Interviews von US-Präsident Donald Trump werden Börsianer auf absehbare Zeit leben müssen. Die Frage ist nur, wie sie sich auf die Kauflaune der Anleger niederschlagen werden.

Die Firmengewinne sprudeln. Eigentlich könnten Anleger in der neuen Woche mit Kursgewinnen rechnen. "Die ersten Ergebnisse konnten uns noch nicht komplett überzeugen, allerdings gehen wir davon aus, dass im Laufe der Berichtssaison die positiven Ergebnisse überwiegen", sagt Analyst Alexander Lokat von der Weberbank. "Unsere Augen sind jedoch vor allem auf die Ausblicke der Unternehmen gerichtet und welche Bedeutung die Handelsstreitigkeiten haben beziehungsweise wie das zukünftige Wachstum eingeschätzt wird."

In der zurückliegenden Woche legten der Frankfurter Dax und der New Yorker Dow-Jones-Index zwar insgesamt leicht zu. Am Freitag aber verschreckte US-Präsident Donald Trump die Anleger mit seiner Drohung von Zöllen auf praktisch alle chinesischen Einfuhren.

Der Handelskonflikt dürfte damit auch in der kommenden Woche einmal mehr im Fokus stehen. Am Mittwoch soll EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker Trump in Washington treffen. Dabei dürfte es nicht zuletzt um die von Trump angedrohten Zölle auf Autos gehen.

Da die EU Gegenmaßnahmen für mögliche Zusatzabgaben auf Autoimporte vorbereite, steige der Einsatz auf allen Seiten, warnt Neil Wilson, Chefanalyst des Online-Brokers Markets.com. "Ob es zum Ausbruch eines ausgewachsenen Handelskrieges kommt, darüber lässt sich streiten. Aber die Wahrscheinlichkeit steigt von Tag zu Tag."

Allein aus der ersten deutschen Börsenliga legt in der neuen Woche ein knappes halbes Dutzend Firmen Zwischenbilanzen vor. Dazu gehören Daimler (Mittwoch) und der Industriegase-Hersteller Linde, der vor der Fusion mit seinem US-Konkurrenten Praxair steht. Daimler hatte im Juni als erster Dax-Konzern wegen des Handelsstreits seine Gewinnziele revidiert.

Am Mittwoch veröffentlicht die Deutsche Bank detaillierte Geschäftszahlen, nachdem sie in der alten Woche bereits einen überraschend hohen Gewinn bekanntgegeben hatte. Deutschlands größtes Finanzinstitut schrieb darüber hinaus auch wieder Negativschlagzeilen: Satte 75 Millionen Dollar Strafe brummt die US-Börsenaufsicht zwei Tochterunternehmen der Deutschen Bank auf. Es ist nicht der erste kostspielige Rechtskonflikt für den Finanzriesen. Der Grund in diesem Fall: verbotene Geschäftspraktiken.

Im Ausland öffnen in der neuen Woche die Google-Mutter Alphabet (Montag), die Schweizer Bank UBS (Dienstag) und Coca-Cola (Mittwoch) ihre Bücher.

Kaum Konjunkturdaten - EZB im Blick

Konjunkturdaten stehen nur wenige auf dem Terminplan. Zwar hat sich das US-Wirtschaftswachstum laut Schätzungen im zweiten Quartal auf das Gesamtjahr hochgerechnet auf vier Prozent verdoppelt. Ein Teil davon gehe aber auf das Konto vorgezogener Geschäfte vor der Einführung von Strafzöllen, betonten Volkswirte. Daher werde sich der Aufschwung in den kommenden Quartalen wieder abschwächen.

Diesseits des Atlantik werden am Dienstag die Stimmungsbarometer der deutschen und europäischen Einkaufsmanager veröffentlicht. Hinzu kommt der Ifo-Index, der die Gemütslage in den deutschen Chef-Etagen widerspiegelt. Zwei Tage später gibt der GfK-Index Auskunft über die Kauflaune der deutschen Verbraucher. Börsianer rechnen zwar jeweils mit leichten Rückgängen. Dank der unverändert lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank handele es sich aber lediglich um eine Wachstumsdelle.

Vor diesem Hintergrund warten Anleger gespannt auf das Ergebnis der geldpolitischen Beratungen der EZB am Donnerstag. Der formale Beschluss zum Ende der Anleihekäufe werde wohl nicht gefasst, sagt Commerzbank-Volkswirt Christoph Balz. Daneben werde EZB-Chef Mario Draghi auf der Pressekonferenz sicher zum genauen Zeitpunkt einer möglichen Zinserhöhung gefragt. "Er wird aber seine Zeitangabe kaum präzisieren. Denn die Notenbank will sich weiterhin alle Türen offenhalten." Bislang betont die EZB, die Zinsen "über den Sommer 2019 und in jedem Fall so lange wie erforderlich auf ihrem aktuellen Niveau" zu halten.

Quelle: n-tv.de, ddi/rts

Mehr zum Thema