Wirtschaft

Crash zwingt Broker in die Knie Anleger mussten Kurssturz tatenlos zusehen

Weltweit verzeichnen die Börsen am Montag die heftigsten Kurseinbrüche seit mehr als zehn Jahren. Viele Kunden des Online-Brokers Onvista sind ausgerechnet an diesem Tag jedoch zur Tatenlosigkeit verurteilt. Das System ist von der Rekordzahl der Zugriffe überfordert.

Seit dem Morgen verfolgt Alfred Soltysiak die Börsennachrichten. Im Teletext checkt er die Kurse: Alle seine Aktien sind bereits im Minus. "Der Dax war früh schon um fast acht Prozent gefallen. Aber am Nachmittag, da hatte er sich auf etwa minus 4,5 Prozent erholt", erzählt der Rentner ntv.de. "Da wollte ich verkaufen." Doch das konnte Soltysiak nicht, wie Tausende andere Anleger auch. Denn sein Depot beim Online-Broker Onvista war nicht erreichbar. "Die Anmeldung funktionierte nicht, bei der Hotline war kein Durchkommen."

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An diesem Montag, an dem viele Börsen die größten Verluste seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers und dem Beginn der großen Finanzkrise verzeichnen, müssen Soltysiak und seine Leidensgenossen tatenlos zusehen, wie ihr angelegtes Geld weiter zusammenschmilzt. Bis zum Schluss des Späthandels fällt der Dax erneut um mehr als neun Prozent. Für Soltysiak, der nach eigenen Angaben bei zwei Online-Brokern Aktien im Wert von mehreren Hunderttausend Euro hält, summieren sich die Verluste auf eine fünfstellige Summe. "Hätte ich wenigstens am Nachmittag verkaufen können, wären mir einige Tausend Euro Verlust erspart geblieben", klagt der Anleger.

Die Comdirect-Bank, zu der Onvista gehört, bestätigt, dass der Broker Probleme hatte. Der Ansturm der Anleger an diesem Schwarzen Montag, habe die Datenbank des Dienstes "schlicht überfordert", sagt eine Sprecherin auf ntv.de-Anfrage. Die Zugriffszahlen seien die höchsten in der Geschichte von Onvista gewesen. Zwar sei die Webseite nicht ganz zusammengebrochen, aber viele Kunden hätten ihr Depot nicht erreichen können, "was natürlich frustrierend ist". Wie viele Anleger betroffen waren, lasse sich nicht ermitteln, so die Sprecherin. Es seien allerdings bereits mehrere Hundert Beschwerden eingegangen.

Auch bei anderen Brokern, die ebenfalls von Rekord-Zugriffs- und Handelszahlen ihrer Kunden berichten, scheint das Problem am Montag nicht aufgetreten zu sein. Ausfälle bei Direktbanken und Online-Brokern kommen allerdings immer wieder einmal vor. Ansprüche gegen den Broker geltend zu machen wegen möglicherweise verhinderter Verkäufe oder Käufe, dürfte schwierig werden. Comdirect verspricht, alle Beschwerden einzeln zu prüfen. Manchen Anleger blieben vielleicht sogar Verluste erspart, weil er panikartige Verkäufe nicht tätigen konnte. Immerhin sind die Kurse am Tag nach dem großen Einbruch auf breiter Front wieder gestiegen.

Quelle: ntv.de, mbo