Wirtschaft

Kühle Daten aus Deutschland Arbeitslosenquote steigt stärker als erwartet

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Typischer Saisoneffekt: Mit Beginn der Frostperiode kommen die Arbeiten auf vielen Baustellen zum Erliegen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Lage am deutschen Arbeitsmarkt trübt sich im Januar überraschend deutlich ein. Die Zahl der Arbeitslosen zieht deutlich an. Die Januar-Quote klettert auf 5,4 Prozent - und liegt damit erstmals seit Jahren zu diesem Zeitpunkt über dem Vorjahresniveau.

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Januar im Vergleich zum Vormonat um fast 200.000 gestiegen. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) waren im Januar offiziell 2,426 Millionen Menschen ohne Job. Das sind 198.000 mehr als im zurückliegenden Dezember und rund 20.000 mehr als im Januar 2019.

Die Arbeitslosenquote stieg um 0,5 Punkte auf 5,4 Prozent. "Die konjunkturelle Schwäche hinterlässt weiterhin Spuren auf dem Arbeitsmarkt", sagte BA-Chef Detlef Scheele. Stärker jedoch wirkten demnach jedoch die jahreszeitlichen Effekte.

Wie aus einem Blick auf die langjährige Entwicklung der deutschen Arbeitsmarktdaten hervorgeht, sind saisonale Ausschläge zu Jahresbeginn durchaus üblich. In der Zeitspanne von Dezember/Januar steigt die Arbeitslosenquote regelmäßig deutlich an:

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Diesmal jedoch hatten Experten mit einer deutlich schwächeren Bewegung nach oben gerechnet. Mit einer Erwerbslosenquote von 5,4 Prozent liegt der Anteil der Arbeitslosen an der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter aktuell sogar leicht über dem Januar-Niveau des Vorjahres. In den vergangenen Jahren war die Quote im Januar zwar stets angestiegen, war dabei aber nicht über den Vorjahreswert geklettert.

Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit im Januar ist durchaus üblich. Unter anderem fallen wegen des Winterwetters zahlreiche Arbeitsplätze auf dem Bau weg. Im Vergleich zum Dezember werden zudem auch weniger Saisonkräfte beschäftigt, wie etwa im Einzelhandel, der in den Wochen rund um Weihnachten regelmäßig die mit Abstand umsatzstärkste Phase des Jahres erlebt.

Zwischen den Zeilen lassen sich diesmal durchaus konjunkturelle Effekte erkennen. So führen die Experten der Bundesagentur den aktuellen Januaranstieg in diesem Jahr auch darauf zurück, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften im Vergleich zum Vorjahr deutlich nachgelassen hat - obwohl sie sich weiter auf hohem Niveau befindet. Der Statistik zufolge waren im Januar 2020 rund 90.000 offene Stellen weniger gemeldet als vor einem Jahr.

Auf dem Ausbildungsmarkt waren dagegen im Januar noch 11.000 Lehrstellen unbesetzt. Ende des Monats gelten zudem noch 27.000 Bewerber als "unversorgt". Für das nächste Ausbildungsjahr sagen die Experten der Bundesagentur eine sinkende Zahl von Bewerbern, aber auch eine niedrigere Zahl angebotener Lehrstellen voraus.

Insgesamt sprechen Ökonomen weiterhin von einem robusten Arbeitsmarkt in Deutschland. Mit einer sich leicht erholenden Konjunktur - vor allem in der Industrie - und einem weiterhin hohen Bedarf an Fachkräften könnte mittelfristig die Zahl der Arbeitslosen weiter abnehmen, heißt es. Die Bundesagentur sieht den Mangel an Fachkräften weiterhin als entscheidende Wachstumsbremse in Deutschland an.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa/DJ