Wirtschaft

Atempause für Griechenland Athen bekommt frisches Geld

Griechenland gelingt es, sich am Finanzmarkt Geld zu leihen. Bis die Troika grünes Licht für eine neue Kredittranche gibt, ist Athen auf Zwischenfinanzierung angewiesen. Das ist zwar recht teuer, aber unausweichlich.

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(Foto: Reuters)

Griechenland hat sich am Finanzmarkt Geld geliehen und sich damit finanziell etwas Luft verschafft. Der von der Pleite bedrohte Staat verkaufte dreimonatige Geldmarktpapiere (T-Bills) für knapp 4,1 Mrd. Euro, musste Investoren aber mit einer höheren Rendite ködern. Sie stieg auf 4,43 Prozent von zuletzt 4,28 Prozent. Zudem ließ das Interesse der Anleger nach. Die Nachfrage überstieg das Angebot um das 1,36-Fache. Die Emission von Mitte Juli war noch 2,12-fach überzeichnet. Am Markt wird vermutet, dass vor allem griechische Banken die Papiere gekauft haben.

Griechenland hängt am Finanztropf vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und seiner Euro-Partner. Monatliche T-Bills sind derzeit die einzige Möglichkeit für Griechenland, sich am Kapitalmarkt Geld zu beschaffen. Wegen der drohenden Zahlungsunfähigkeit sind Investoren nicht bereit, dem Land für längere Zeit Geld zu leihen. Am 20. August muss Griechenland eine fällige Anleihe im Volumen von 3,2 Mrd. Euro bedienen, die die Europäische Zentralbank hält.

Griechenland führt derzeit Gespräche mit der Troika aus EU, IWF und Europäischer Zentralbank über die Umsetzung eines weiteren Sparprogramms über 11,5 Mrd. Euro, das Vorbedingung ist für die Freigabe einer weiteren Hilfstranche von etwa 30 Mrd. Euro ist. Die Entscheidung dürfte erst im Oktober fallen, nachdem die Spareinschnitte für 2013 und 2014 vereinbart sind.

Samaras trifft Merkel

Regierungschef Antonis Samaras wird am 22. August Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker in Athen treffen. "Wir werden dann erfahren, was Sache ist", sagt ein Mitarbeiter des Finanzministeriums. In Athen macht man kein Hehl daraus, dass klar ist, um was es jetzt geht: Wenn das neue Sparprogramm nicht bald unter Dach und Fach ist, ist das Ende Griechenlands im Euroland absehbar. "Wenn die Troika der Geldgeberkontrolleure kein grünes Licht gibt, ist alles vorbei", heißt es im Finanzministerium.

Zwei Tage nach dem Treffen mit Juncker wird Samaras nach Berlin und Paris reisen, um mit den zwei stärksten Europartnern zu sprechen. "Das wird wohl die Stunde Null sein", meint ein Mitarbeiter seines Büros.

Samaras will in Gesprächen mit Kanzlerin Angela Merkel und Präsident Francois Hollande twas versprechen und auch etwas fordern: Ganz gleich welchen innenpolitischen Preis er zahlt, will er den Sparpakt einhalten. Griechenland aber brauche mehr Zeit. Mit einer Arbeitslosigkeit von mehr als 23 Prozent und einer Wirtschaftsleistung, die in vier Jahren um mehr als 20 Prozent schrumpfte, könne man nicht wirtschaften.

Innenpolitisch bläst ihm der Wind ins Gesicht. Auf der einen Seite stehen Opposition und der schwerfällige griechische Staatsapparat. Die Opposition kündigt bereits scharfe Reaktionen gegen das Sparprogramm an. Probleme gibt es auch mit einigen Abgeordneten der mitregierenden Sozialisten und der demokratischen Linken, die die harten Sparmaßnahmen als unerträglich bezeichnen. Gleichzeitig blockiert die griechische Bürokratie Reformversuche. Die Korruption ist tief verwurzelt. Für Empörung sorgt zurzeit in Athen die Nachricht, dass der frühere konservative Parlamentspräsident, Vyron Polydoras, seine Tochter im Parlament einstellte. Eine Einstellung, die zwar formell in Ordnung war - die Frau erfüllte alle Voraussetzungen - aber moralisch nicht zu akzeptieren sei, wettert die griechische Presse.

Nicht zuletzt muss Samaras gegen die weit verbreitete Ansicht kämpfen, dass Griechenland es nicht mehr schaffen kann. Wie schwer dies sein wird und wie wenig Argumente Athen noch hat, zeigte sich am Montag. Samaras berief sich auf die Hilfe der Mutter Christi: "Mit Hilfe der Allerheiligen Maria werden wir diesen Kampf gewinnen", teilte der Regierungschef aus dem Süden der Halbinsel Peloponnes mit, wo er einen kurzen Urlaub verbringt.

Quelle: ntv.de, jga/rts/dpa

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