Wirtschaft

Schlacht der Lieferdienste Auch Gopuff greift in Deutschland an

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Gopuff-Gründer Rafael Ilishayev (l.) und Yakir Gola.

(Foto: picture alliance / The Philadelphia Inquirer)

Das Rennen um die Marktdominanz unter den Lebensmittel-Bringdiensten in Deutschland ist längst eröffnet. Zu den etwa ein halbes Dutzend Konkurrenten gesellt sich jetzt auch Gopuff. Der US-Branchenpionier kommt gut vorbereitet und mit gefüllten Taschen.

Der Wettbewerb unter den Zehn-Minuten-Lieferdiensten heizt sich weiter auf. Nach einer Milliarden-Finanzierung bereitet das US-amerikanische Startup Gopuff seinen Markteintritt in Deutschland vor - es ist ein ernst zu nehmender Konkurrent für Startups wie Gorillas, Flink und Co. Gopuff sucht derzeit einen Regionalmanager für den "Gesamterfolg in Deutschland". Zudem hat es Stellen für einen Personaler und mehrere Standort-Leiter für die "großen Städte im ganzen Land" ausgeschrieben.

Der US-Lieferdienst gilt als Pionier in der jungen Branche der Lebensmittel-Lieferdienste, das Startup operiert seit acht Jahren in den USA. Vor wenigen Tagen gelang der nächste Coup: Gopuff sammelte eine Finanzierung in Höhe von einer Milliarde US-Dollar ein und erhöhte das Gesamtinvestment damit auf mehr als drei Milliarden Dollar.

Die Bewertung stieg auf 15 Milliarden US-Dollar - und liegt damit weit über den europäischen Konkurrenten. Unter den Geldgebern ist auch der japanische Tech-Investor Softbank, der sich dem Vernehmen nach auch mit dem deutschen Lieferdienst Gorillas in Gesprächen über ein Investment befand - und diese platzen ließ.

In einer Pressemitteilung kündigte das US-Unternehmen "die verstärkte Expansion in Großbritannien und in Europa" an. Von Deutschland war in der offiziellen Kommunikation allerdings keine Rede. Eine Anfrage von Capital zu den konkreten Plänen ließ das Unternehmen unbeantwortet. Die Stellenausschreibungen für den deutschen Ableger von Gopuff stammen von Anfang Juli. Offenbar steht das Startup bei seiner Suche noch ganz am Anfang: Laut den Inseraten sucht es derzeit vor allem erfahrene Manager, die das Team und die Infrastruktur aufbauen. Jobangebote für Kurierfahrer oder Lageristen gibt es hingegen noch nicht.

Gopuff liefert Lebensmittel, Getränke, rezeptfreie Medikamente und Drogerieartikel laut dem eigenen Werbeversprechen "in 30 Minuten oder weniger" an die Haustür. Die Lieferzeiten erreicht das Startup durch ein Netzwerk an Mikrodepots. Nach eigenen Angaben betreibt das Unternehmen mittlerweile mehr als 450 Standorte in Nordamerika und Großbritannien. Im Unterschied zur europäischen Konkurrenz ist der Radius pro Warenlager bei Gopuff allerdings viel größer. Gorillas und Co. sind dafür schneller, weil sich ihre Depots meistens in Innenstadtlage und nah am Kunden befinden.

Die Gründer Rafael Ilishayev und Yakir Gola haben Gopuff im Jahr 2013 in Philadelphia gestartet. Die US-Firma gehört damit zu den ersten Startups unter den Online-Supermärkten. Zu den frühen Investoren gehört unter anderem der deutsche Wagniskapitalgeber Headline, ehemals Eventures.

Inzwischen gibt es viele Nachahmer. In Deutschland sind in den vergangenen zwölf Monaten rund ein halbes Dutzend Zehn-Minuten-Lieferdienste gestartet. Die Branche boomt, denn die Pandemie hat alte Konsumgewohnheiten gebrochen. Investoren pumpen Milliarden in das Liefergeschäft. Denn es geht um viel: Allein der deutsche Einzelhandel setzt mit Lebensmitteln und Getränken 204 Milliarden Euro im Jahr um.

Der Wettlauf um den schnellsten Weg zum Kunden ist gnadenlos, denn am Ende werden nur die größten Anbieter überleben. Die beiden Berliner Startups Gorillas und Flink haben hier derzeit bei den Kunden die Nase vorne. Seit dem Sommer mischen auch der türkische Lieferdienst Getir und die deutsche Delivery-Hero-Tochter Foodpanda im Markt mit. Beide haben tiefe Taschen. Gopuff hat nach der jüngsten Finanzierungsrunde ebenfalls eine pralle Kriegskasse. Für die Verbraucher sind das gute Nachrichten: Sie dürften die Nutznießer der aufziehenden Marketing- und Rabattschlacht sein.

Dieser Artikel ist zuerst bei Capital erschienen.

Quelle: ntv.de

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