Wirtschaft

Aktienkorrektur entzaubert ETFs Auch Robo-Advisor zeigen Schwächen

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Ein Grund für die enttäuschende Performance von Robo-Advisorn ist, dass Absicherungs- oder Stopp-loss-Mechanismen zu einem guten Teil fehlen.

(Foto: imago/CHROMORANGE)

Nach dem guten Jahresauftakt ist der Dax Ende Januar plötzlich um fast elf Prozent eingebrochen. Vor allem Indexfonds (ETFs), die immer voll investiert sind, hat es hart getroffen.

Passive Fonds, die einen Index - zum Beispiel den Dax oder den Dow Jones - möglichst genau nachbilden, haben jahrelang eine Erfolgsstory geschrieben. Seit dem Ende der Finanzkrise verzeichneten sie Jahr für Jahr enorme Mittelzuflüsse. Der Grund: Diese Indexfonds, angelsächsisch ETFs genannt, sind ausgesprochen kostengünstig. Ihre Managementgebühr liegt in der Regel bei deutlich weniger als 0,5 Prozent pro Jahr. Aktiv gemanagte Fonds verlangen dagegen regelmäßig 1,5 Prozent pro Jahr. Bevor der Anleger Gewinn macht, muss der aktive gemanagte Fonds also schon einmal mindestens um diesen Betrag steigen.

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Carsten Riehemann ist Geschäftsführender Gesellschafter bei der Vermögensverwaltung Albrecht, Kitta & Co. und seit Mitte der 90er Jahre als Vermögensverwalter und Vermögensberater für Unternehmer, Privatkunden und Stiftungen tätig.

Dazu kommt: Viele aktiv gemanagte Investmentstrategien schnitten in den vergangenen Jahren nicht besser als ihre passiven Pendants ab - dann kann sich der Anleger die höheren Kosten auch sparen, so die gängige Meinung. Diese Betrachtung hat jedoch einen Haken. Die ETFs haben in einer Phase so stark an Beliebtheit gewonnen, in der die Aktienkurse immer weiter nach oben gestiegen sind. Vereinfacht gesagt, kennen Indexfonds aufgrund ihrer noch jungen Geschichte nur "Rally". Ob sie auch "Crash" können, müssen sie erst noch unter Beweis stellen. Die jüngste Korrektur weckt daran zumindest ernsthafte Zweifel.

Die Kursverluste, die Ende Januar einsetzten, trafen Aktien und Anleihen gleichermaßen. Denn der Rücksetzer bei Dax & Co. fand bei steigenden Zinsen statt. So erhöhten sich die Renditen von zehnjährigen Bundesanleihen von 0,5 auf fast 0,8 Prozent. Steigende Zinsen sind immer mit fallenden Kursen von Anleihen verbunden. Vor diesem Hintergrund gaben nicht nur ETFs nach, die in Aktien investieren, sondern auch gemischte Portfolios, die zum Beispiel mit einem Teil ihres Anlagevermögens einen Aktienindex und mit dem übrigen Geld einen Anleihenindex nachbilden.

Die Krux bei Indexfonds ist, dass sie immer voll investiert sind. Geht es an den Finanzmärkten bergab, rauschen sie ungebremst mit in die Tiefe. Genauso, wie sie bei einer Aufwärtsbewegung vollständig partizipieren.

Robo-Advisor kaum besser

Auch viele automatisierte Vermögensverwalter, also sogenannte Robo-Advisor, schnitten in der jüngsten Korrektur nicht wirklich überzeugend ab. Gemischte Portfolien, die zur einen Hälfte aus Aktien und zur anderen Hälfte aus Anleihen bestehen, verloren in der Spitze fast neun Prozent an Wert. Ein Grund für die zum Teil enttäuschende Performance der auf Algorithmen basierenden Strategien ist, dass Absicherungs- oder Stopp-loss-Mechanismen zu einem guten Teil fehlen.

In Korrekturphasen, in denen mit Aktien und Anleihen die beiden wichtigsten Vermögensklassen synchron an Wert verlieren, hilft eigentlich nur eins: eine hohe Cashquote, also nicht voll investiert sein. Das bietet darüber hinaus noch die Chance, später bei den gesunkenen Kursen wieder günstig einzusteigen.

Vor allem in Phasen, in denen mit höheren Schwankungen - sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen - zu rechnen ist, empfiehlt sich ein aktives Management. Insbesondere durch das zwischenzeitliche Parken von Geldern in Cash lassen sich größere Verlustrisiken wirksam begrenzen und Aufwärtskorrekturen gewinnbringend nutzen.

Volatilitäten nehmen zu

Es deutet einiges darauf hin, dass 2018 genauso ein Jahr mit wieder höheren Schwankungen werden könnte. Fundamental betrachtet besteht das Risiko weiter steigender Zinsen. Dazu kommen die politischen Risiken wie ein Handelskrieg mit den USA, ein möglicher Italexit oder der schwierige Brexit. Die Volatilitätsindizes wie der deutsche VDax New oder der US-amerikanische VIX bewegen sich schon wieder auf deutlich höheren Niveaus als vor der Januar-Korrektur.

In solchen Börsenphasen steht der Schutz der Anlagegelder im Vordergrund. Hier zeigen die vergleichsweise neuen "Wunderwaffen" wie ETFs oder Robo-Advisor mit ihren computergesteuerten Vorgehensweisen Schwächen. Aktiv gemanagte Strategien, die auch den gesunden Menschenverstand nutzen, können sich hier trotz ihrer höheren Kosten bezahlt machen.

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Quelle: ntv.de