Wirtschaft

Rendite nur mit Risiko Augen auf beim Aktienkauf

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Vor dem Aktienkauf sollten sich Anleger mit dem Unternehmen beschäftigen.

(Foto: imago/blickwinkel)

Selbst bei leicht gestiegenen Zinsen ist Profit ohne Risiko kaum möglich. Deutsche Sparer müssen für gute Renditen Mut zur Aktie zeigen.

Ein Totalverlust schockiert keinen Lottospieler. Der Teilnehmer nimmt das Risiko in Kauf. Wer mit einem Einsatz von 1 Euro plus Bearbeitungsgebühr beim Lotto "6 aus 49" Millionen scheffeln will, fährt mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Totalverlust ein, auch wenn dieser bei 1 Euro sehr gut verschmerzbar ist. Die immensen Gewinnsummen rechtfertigen für viele auch noch etwas höhere Einsätze - der Totalverlust ist immer einkalkuliert.

Zu Unrecht fühlen sich deutsche Sparer am Aktienmarkt wie beim Lottospielen dem Zufall ausgeliefert. Denn im Unterschied zum Lotto können sie hier gezielt gemäß der eigenen Risiko-Präferenzen Geld anlegen. Dazu ist es allerdings wichtig, die Eigenschaften der unterschiedlichen Anlagemöglichkeiten zu kennen. Denn zwei Dinge sind noch sicherer als Norbert Blüms Rente: Die Zinsen bleiben niedrig und wenig Risiko wird immer mit niedrigerer Rendite einhergehen.

Die Kontoeröffnung

Mit einem Depot fängt alles an. Dafür wendet sich der Aktieneinsteiger an ein Finanzinstitut, zum Beispiel ING DiBa, Degiro, flatex oder einer der anderen zahlreichen Broker, die eine ausreichende Einlagensicherung haben. Mit den erhaltenen Unterlagen wird das Postident-Verfahren in Gang gesetzt. Wenige Tage später erhalten Interessierte einen Willkommensbrief mit einer TAN- und PIN-Liste. Nun muss nur noch ein bestimmter Geldbetrag auf das Depot überwiesen werden.

Will ein Aktieneinsteiger dann beispielsweise 20 Allianz-Aktien erwerben, gibt er beim Broker "Allianz" in die Suchmaske ein. Daraufhin erscheinen alle Stammdaten und wichtigen Informationen: Wie hat sich die Aktie entwickelt? Wie viel ist das Unternehmen wert? Wie viel Dividende gibt es? Auch die Wertpapierkennnummer (WKN; bei der Allianz lautet sie 840400) finden Anleger dort.

Die 6-stellige Nummer einfach in das Orderfeld beim Broker plus Stückzahl eingeben, gegebenenfalls ein Limit einstellen bis zu welchem Kurs man kaufen möchte, TAN eingeben und schon ist die Aktie im Depot. Genauso funktioniert es mit ETFs, Zertifikaten, Fonds oder anderen Finanzinstrumenten.

ETFs

ETF haben nichts mit E.T. zu tun. Das Kürzel steht steht für Exchange Traded Fund (Börsengehandelter Fonds). ETFs ermöglichen es, eins zu eins beispielsweise in einen Aktienmarkt, einen Sektor, einen Rohstoffkorb oder eine Region zu investieren. Man gewinnt oder verliert dabei genauso viel wie der ausgesuchte Basiswert, sprich der Aktienmarkt in Italien, Spanien, Brasilien oder Japan als Beispiel. ETFs zählen als Sondervermögen. Geht die Bank pleite, ist das investierte Geld trotzdem nicht verloren.

Aktie

"Aktien sind doch unsicher, ich kenne mich da nicht so aus und man kann alles verlieren", sind oft gehörte Sätze. Und ja, Aktien sind unsicher, Unternehmen können pleitegehen, der Kurs kann fallen. Norbert Betz, Leiter der Handelsüberwachung der Börse München und gettex, empfiehlt daher, sich vor dem Aktienkauf mit dem Unternehmen zu beschäftigen: "Man sollte grundsätzlich drei Fragen positiv beantworten können. Erstens: Kenne und verstehe ich grob das Geschäftsmodell dieser Firma? Im Falle von Daimler oder Apple würden die meisten das wohl mit ja beantworten, bei Twitter oder Grammer müsste wohl so mancher passen.

Zweitens: Existiert das Unternehmen in 10 oder 30 Jahren noch und drittens: Traue ich dem Unternehmen zu, beständig Gewinne zu erwirtschaften? Beantwortet man all diese Fragen mit ja, ist das eine gute Ausgangsbasis, ergänzt Betz. Dann ist der Rest "Geschmackssache". Der eine zieht BASF vor, weil sie zwei Weltkriege und alle Krisen überstanden haben, der andere mag vielleicht lieber Apple oder Facebook.

Inline-Optionsscheine

Ein Optionsschein ist ein Produkt, das sich auf einen Basiswert wie etwa den Dax bezieht. Beim Inline-Optionsschein sind Kursspanne und Laufzeit festgelegt. Während der Laufzeit per Saldo darf der Basiswert über die gesamte Zeit weder oben noch unten das Intervall verlassen. Bei einer Spanne zwischen 11.000 und 13.000 Punkten, darf der Dax also weder unter 11.000 Punkte fallen, noch über 13.000 Punkte steigen. Während der Laufzeit kann es volatil zugehen, deshalb sollte man die Papiere immer im Auge haben. Der Zeitaufwand ist also entsprechend hoch, so wie beim Inliner auch das Risiko. Für Sparer ist ein solches Produkt aber keine Alternative, aber Rendite ohne Risiko ist auf für sie nicht möglich. Daher sind defensive Aktien oder ETFs eine Alternative im aktuellen Umfeld.

Quelle: ntv.de