Burgard räumt PostenAxel Springer: Keine Hinweise auf Fehlverhalten von "Welt"-Chefredakteur

Bei der "Welt"-Gruppe räumt Jan Philipp Burgard seinen Chefposten. Er selbst spricht in den sozialen Medien von einem Rückzug aus gesundheitlichen Gründen. Doch in einem "New York Times"-Bericht werden Vorwürfe erhoben.
Der Axel-Springer-Konzern sieht kein Fehlverhalten beim abgetretenen Chefredakteur der "Welt"-Gruppe Jan Philipp Burgard. "Wir sind den Hinweisen auf ein angebliches Fehlverhalten sofort nachgegangen. Diese Hinweise haben sich nicht erhärtet. Bis heute liegen Axel Springer keinerlei Beschwerden gegen Jan Philipp Burgard wegen Belästigung oder eines übergriffigen Verhaltens vor", erklärte ein Sprecher gegenüber ntv.de.
In einem Bericht der "New York Times" waren zuvor Vorwürfe wegen "unangemessenen" Verhaltens gegen den 41-Jährigen erhoben worden. Demnach habe Burgard den Konzern nach einer Untersuchung zu seinem Verhalten bei einem Firmenevent verlassen. Die Untersuchung habe in diesem Monat infolge von Presseanfragen zum alkoholisierten Verhalten Burgards auf der letzten Weihnachtsfeier stattgefunden, berichtet die "New York Times" unter Berufung auf drei namentlich nicht genannte Quellen.
Im Rahmen der Untersuchung soll der 41-Jährige demnach gefragt worden sein, ob er sich gegenüber weiblichen Angestellten des Konzerns "unangemessen" verhalten habe. Es sei darum gegangen, ob er Frauen geküsst habe, so der Bericht.
In der Befragung soll Burgard erklärt haben, dass er auf der Weihnachtsfeier Alkohol konsumiert habe. Dem Bericht zufolge habe er sich aber nicht erinnern können, ob es ein "unangemessenes" Verhalten von seiner Seite gegeben habe. Im Anschluss an das Gespräch sei Burgard dann zur Abgabe seines Postens aufgefordert worden.
Der bisherige Chefredakteur reagierte auf eine Anfrage der Zeitung zu den Vorgängen nicht. Später teilte Burgards Anwalt mit: "Die von diversen Medien verbreiteten Gerüchte, dass gegen meinen Mandanten bei Axel Springer Beschwerden wegen Belästigung oder eines übergriffigen Verhaltens vorliegen, sind nachweislich falsch. Ich werde für meinen Mandanten mit allen rechtlichen Mitteln gegen diese Verleumdungskampagne vorgehen."
Burgard führte gesundheitliche Gründe für Rückzug an
Burgard hatte in der vergangenen Woche seinen Rückzug von seiner Chefposition bekannt gegeben. Er führte gesundheitliche Gründe für den Schritt an. "Diese Entscheidung ist mir sehr schwer gefallen. Auf dem Rückflug aus dem Urlaub hatte ich vor anderthalb Wochen einen schweren körperlichen Zwischenfall, der in der Luft ärztlich behandelt werden musste", schrieb der 41-Jährige auf LinkedIn. Er wolle sich nach einer "vertieften Untersuchung" in der Charité vorerst auf seine Gesundheit konzentrieren und eine Auszeit nehmen.
Burgard war rund fünf Jahre lang bei der "Welt" tätig. Seine Nachfolge tritt der bisherige Leiter der ARD-Tagesthemen, Helge Fuhst, an. Seit 2020 war Fuhst Teil des Moderatorenteams, das die ARD-Tagesthemen präsentiert. Zudem war er stellvertretender Chefredakteur von ARD-Aktuell.
Erst 2021 hatte mit "Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt eine Person wegen Anschuldigungen zu unangemessenem Verhalten den Axel-Springer-Konzern verlassen. Hintergrund seines Karriere-Endes bei "Bild" waren Vorwürfe des Machtmissbrauchs in Verbindung mit einvernehmlichen Beziehungen zu Mitarbeiterinnen.