Wirtschaft

Eröffnung ohne "große Party" BER-Chef: "Wir machen einfach auf"

Dass der Bau des Hauptstadtflughafens BER kein Ruhmesblatt ist, ist Airportchef Lütke Daldrup klar. Auch deshalb soll die "Lachnummer" Ende Oktober ohne Pomp und Gloria den Betrieb aufnehmen. Zum Feiern ist der Luftfahrtbranche derzeit aber auch so nicht zumute.

Wegen der jahrelangen Verzögerungen plant der Berliner Airportchef Engelbert Lütke Daldrup zur bevorstehenden Eröffnung des neuen Großflughafens keine große Feier. Durch die Probleme beim Bau des BER seien Berlin und ganz Deutschland zur "Lachnummer" geworden. "Wir deutschen Ingenieure haben uns geschämt", sagte der Manager. Auch die Kostensteigerung von rund 2,7 Milliarden auf knapp 6 Milliarden Euro sei nicht akzeptabel. Deshalb könne man sich nicht mit dem Projekt brüsten. "Es gibt keine große Party. Wir machen einfach auf."

Nach dem ersten Spatenstich 2006 wurde die für 2011 angepeilte Eröffnung des Airports immer wieder verschoben. Am 31. Oktober sollen dann nachmittags zeitgleich Maschinen vom britischen Billigflieger Easyjet und der Lufthansa-Gruppe auf dem BER landen. Wegen der Coronakrise benötigt die Flughafengesellschaft FBB laut Lütke Daldrup von den Eigentümern Berlin, Brandenburg und dem Bund 2020 rund 260 Millionen Euro zusätzlich.

Wie viel die öffentliche Hand in den kommenden Jahren zuschießen müsse, hänge stark vom Verlauf der Virus-Pandemie und den Folgen für den Flugverkehr ab. Der Manager betonte aber: "Bis 2024 benötigen wir eine Unterstützung." Die Corona-Krise stelle Airlines und Flughäfen vor große Probleme und sorge für "die größte Krise des Luftverkehrs seit dem Zweiten Weltkrieg". So dürfte die Zahl der Passagiere in Berlin im kommenden Winterhalbjahr auf ein Viertel der üblichen Größe sinken.

Seitenhieb auf Lufthansa

"Wir befürchten, dass wir bis 2024 brauchen werden, um wieder das Niveau vor der Krise des Jahres 2019 zu erreichen." In diesem Jahr werde die Passagierzahl an den Flughäfen Tegel und Schönefeld insgesamt auf rund zehn Millionen einbrechen - von 36 Millionen 2019. Der vor allem bei Westberlinern beliebte Innenstadtflughafen Tegel soll am 8. November schließen, Schönefeld wird als Terminal 5 in den BER integriert.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung - DIW - bringt derweil eine Teilprivatisierung für den BER ins Spiel. "Die Erfahrung mit dem Bau des Flughafens zeigt, dass der Staat nicht alles besser kann, sondern dass es auf eine kluge Partnerschaft von Staat und privaten Unternehmen ankommt, um ein so wichtiges Großprojekt erfolgreich umzusetzen", sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher dem "Handelsblatt". Eine Beteiligung privater Firmen könne helfen, den Flughafen "als ein internationales Drehkreuz auf Augenhöhe zumindest mit dem Münchener Flughafen zu etablieren".

Lütke Daldrup sagte dazu nur, darüber müssten die Eigentümer entscheiden. Der Airportchef forderte mehr Langstreckenflüge für den Hauptstadtflughafen und mehr Landerechte für ausländische Fluglinien. "Wenn Airlines viel Hilfe erhalten vom Staat, dann darf man nicht nur an Hubs in Frankfurt und München denken", sagte Lütke Daldrup in einem Seitenhieb auf die Lufthansa. Die Airline muss mit neun Milliarden Euro Steuergeldern vor dem Aus gerettet werden.

Quelle: ntv.de, jog/rts