Wirtschaft
Bei der Bahn rumort es.
Bei der Bahn rumort es.(Foto: picture alliance / dpa)
Dienstag, 17. Oktober 2017

Pleiten für Chef und Kontrolleur: Bahn bekommt Vorstandsstühle nicht besetzt

Bei der Bahn sollen drei Stellen im Vorstand neu besetzt werden. Doch intern fehlt es den Kandidaten an einer Mehrheit. In einem Fall hat sich die Personalie nun erledigt. Inzwischen gerät auch der Konzernchef unter Druck.

Das Ringen bei der Deutschen Bahn um die Besetzung von drei zentralen Vorstandsposten nimmt kein Ende. "Die Sitzung zur Berufung der Vorstände an diesem Donnerstag wird abgesagt", sagte ein Mitglied des Gremiums. Damit ist auch der zweite Anlauf zur Beförderung von Güterbahn-Chef Jürgen Wilder zum Konzern-Vorstand für Transport und Logistik gescheitert.

In Aufsichtsratskreisen hieß es, es werde nun auch nicht weiter versucht, ihn gegen den Widerstand von Arbeitnehmervertretern durchzusetzen. Neben der Arbeitnehmerseite hatten auch die SPD-Vertreter im Gremium ihm keine Unterstützung signalisiert. Der Logistik-Vorstand hat die Verantwortung für die Güterbahn DB Cargo sowie die Spedition DB Schenker (Lkw, Schiff, Flugzeug) und damit über 100.000 Mitarbeiter.

Scheitern mit Ansage

Bereits im Sommer war wegen des Widerstandes gegen Wilder eine Sitzung kurzfristig abgesagt worden. Überraschend wurde jetzt ein neuer Versuch gestartet, obwohl der Aufsichtsrat nach der Bundestagswahl neu besetzt wird und die SPD-Vertreter voraussichtlich ausscheiden. Wilder steht in der Kritik, da er im vergangenen Jahr einen Sanierungskurs für DB Cargo mit dem Abbau von mehr als 2000 Stellen angestoßen hatte.

Den musste er nach massiven Verspätungen und Protesten von Kunden etwa aus der Stahlindustrie korrigieren. Auch die Gesamtstrategie für die Güterbahn hatte im Aufsichtsrat keine Mehrheit gefunden. Inzwischen ist von Personalabbau keine Rede mehr, stattdessen werden neue Mitarbeiter gesucht. Wer etwa einen Mitarbeiter für die Gütersparte finde, erhalte einen Bonus von 1500 Euro, hieß es in Konzernkreisen. Bleibe der neue Mitarbeiter mindestens zwei Jahre, zahle die Bahn weitere 3500 Euro.

Oberaufseher Felcht zunehmend unter Druck

Auf Eis gelegt sind nun aber auch zwei weitere Personalien: Die für das Ressort Technik und Digitales vorgesehene Aachener Professorin Sabina Jeschke kann ihren Posten ebenso wenig antreten wie der neue Arbeitsdirektor. Dies sollte der bisherige Personalvorstand von Telekom Deutschland, Martin Seiler, werden. Im Aufsichtsrat hieß es, in den nächsten Wochen solle es eine neue, außerordentliche Sitzung geben. Während Wilder voraussichtlich nicht erneut ins Rennen geschickt werde, gilt zumindest die Personale Seiler als gesichert. Hier haben die Arbeitnehmervertreter das Vorschlagsrecht.

Unklar ist jetzt auch die Zukunft von Jeschke: Sie war von der gleichen Findungskommission ausgesucht worden, wie Wilder. "Wir nehmen zur Kenntnis, dass die Ergebnisse der Findungskommission nicht gehalten haben", sagte ein Aufsichtsrat. Es sei daher offen, ob Jeschke eine weitere Chance bei einer Abstimmung bekomme.

Beschädigt ist nun aber neben den Vorstandskandidaten auch Bahnchef Richard Lutz, der erst seit dem Frühjahr im Amt ist. Er hatte Wilder ebenfalls unterstützt und sich nicht durchsetzen können. Ähnliches gilt für Aufsichtsratschef Utz-Hellmuth Felcht, dessen Aufgabe es ist, Mehrheiten für die Kandidaten im Gremium zu organisieren. Felcht stand schon wegen der gescheiterten Vertragsverlängerung für Ex-Bahnchef Rüdiger Grube in der Kritik.

Quelle: n-tv.de

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