Wirtschaft

"Deutschlandtakt" zum Schnuppern Bahn macht Berlin - Hamburg zur Teststrecke

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Mit der Fahrplanumstellung im Dezember soll der Takt auf der Strecke Berlin-Hamburg auf 30 Minuten verdichtet werden.

(Foto: imago/Steve Bauerschmidt)

Die Bahn soll künftig landesweit in neuer Taktung noch attraktiver werden. Schon mit dem Fahrplanwechsel soll es losgehen. Derweil ringen Union und SPD um eine Anpassung der Unternehmenssatzung.

Die Deutsche Bahn will noch in diesem Jahr Fernverkehrsverbindungen zwischen Berlin und Hamburg im 30-Minuten-Takt anbieten. Wie Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer der "Bild am Sonntag" sagte, soll auf der Strecke zwischen den beiden Metropolen der sogenannte Deutschlandtakt früher als geplant im Dezember 2020 beginnen.

"Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember will die Bahn die erste Strecke scharf stellen und im Halbstundentakt zwischen Berlin und Hamburg fahren", sagte der CSU-Politiker. Weitere Strecken seien in Planung.

Für den "Deutschlandtakt" soll der Bahnverkehr schrittweise auf einen bundesweiten Taktfahrplan umgestellt werden. Ziel ist ein bis 2030 im gesamten Land aufeinander abgestimmter Zugfahrplan, der den Bahnverkehr planbarer, verlässlicher und damit - etwa durch bequemere Umstiegsmöglichkeiten in Bahnhöfen - auch attraktiver für die Kunden machen soll. Auf den großen Hauptverkehrsadern soll dabei ein 30-Minuten-Takt eingeführt werden.

Bahn-Unternehmensziel neu definieren - aber wie?

Unterdessen macht die SPD Druck für vorgesehene Änderungen in der Satzung des bundeseigenen Konzerns. "Unser Ziel ist eine stärkere Gemeinwohlorientierung", sagte SPD-Fraktionsvize Sören Bartol. Es gehe auch um weniger Renditedruck und eine stärkere Ausrichtung auf den volkswirtschaftlichen Nutzen der Bahn. "Das spricht nicht gegen Profitabilität. Aber Gewinnmaximierung zu Lasten von Klimaschutz und Kundenorientierung darf es nicht geben." Auch die Union will über ein "Update" für die Satzung reden und bringt Zielvorgaben ins Spiel.

Union und SPD hatten im Koalitionsvertrag von 2018 vereinbart, in den Satzungen der Deutschen Bahn und der Konzerntöchter fürs Gleisnetz und die Bahnhöfe Ziele wie eine Steigerung des Marktanteils der Schiene festzuschreiben. Auch die Vorstände sollen auf die Erfüllung der Ziele verpflichtet werden.

Bartol betonte, die Satzungsänderung sei für diese Legislaturperiode vereinbart und ein wichtiges verkehrspolitisches Ziel. "Nach der Sommerpause muss das gelöst werden."

Unionsfraktionsvize Ulrich Lange sagte, man müsse sich ansehen, inwieweit in dem Zusammenhang für die Infrastrukturbereiche und die Verkehrsunternehmen zu differenzieren sei - also die Regional- und Fernzüge der Bahn. Es gehe außerdem darum, die Verantwortung des Bundes für die Unternehmensführung zu konkretisieren, die das Bundesverfassungsgericht 2017 betont habe.

Bahn mit wichtiger Rolle im Klimapaket

Über die generelle Ausrichtung des Transportriesen, der seit 1994 als Aktiengesellschaft unterwegs ist, wird seit Jahren gestritten. Die Konzernsatzung benennt als "Gegenstand des Unternehmens" bisher nur allgemein die Tätigkeit in den verschiedenen Geschäftsfeldern.

Die Bahn hat eine wichtige Rolle im Klimaschutzprogramm des Bundes und bekommt zusätzliche Milliarden dafür. Der Konzern will in Züge investieren. Engpässe im Netz sollen beseitigt, die Pünktlichkeit besser werden. Wegen Einnahmeausfällen in der Corona-Krise soll die Bahn weitere Finanzhilfen bekommen. Am Dienstag will Scheuer mit der Bahnbranche und Verbänden einen "Schienenpakt" unterzeichnen, der den gesamten Zugverkehr in Deutschland stärken soll.

Quelle: ntv.de, jwu/AFP/dpa