Wirtschaft

Neue Preise zum Jahresende Bahnfahren wird teurer

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Im Schnitt ein Prozent teurer wird Bahnfahren nach Konzernangaben ab Mitte Dezember.

(Foto: imago images/Jochen Eckel)

Zweimal sind seit Jahresbeginn die Bahnpreise gesunken. Doch nun steht wieder eine leichte Erhöhung ins Haus. Fahrgastverbände reagieren reserviert und erinnern an die Milliardenhilfen wegen der Corona-Krise. Das Unternehmen verweist auf hohe Investitionen.

Die Bahn beendet die Nullrunde für Reisende. Nach einer Ausnahme im vergangenen Herbst steigen die Bahnpreise so, wie es bisher üblich war. Nach der starken Preissenkung zum Jahresbeginn ist für Bahnkunden nun wieder alles beim Alten: Zum Jahresende gibt es eine leichte Erhöhung. Durchschnittlich ein Prozent mehr müssen die Fahrgäste ab dem 13. Dezember für Fernverkehrstickets ausgeben, wie die Bahn mitteilte.

Betroffen sind vor allem Pendler und Kunden, die volle Flexibilität wünschen: Fahrkarten zum sogenannten Flexpreis verteuern sich im Schnitt um 1,5 Prozent, für Streckenzeitkarten und die Bahncard 100 liegt der Aufschlag im Durchschnitt bei 1,9 Prozent. Eine Flexpreis-Karte von Hamburg nach Frankfurt in der zweiten Klasse des ICE beispielsweise kostet dann 1,70 Euro mehr. Von München nach Berlin sind es 2 Euro mehr. Wer sich dagegen früh auf einen Zug festlegt, kann sparen: Die sogenannten Super-Sparpreise ab 17,50 Euro und die Sparpreise ab 21,10 Euro ändern sich nicht. Auch die Bahncards 25 und 50 werden nicht teurer.

Linke fordert Eingreifen von Scheuer

Fahrgastvertreter reagierten reserviert. Wirtschaftlich sei es nachvollziehbar, dass die Preise steigen, sagte Karl-Peter Naumann, der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn. Die Gehälter bei der Bahn stiegen, die Einnahmen seien aber weggebrochen. "Aber es passt nicht in die Zeit, wenn man Fahrgäste zurückgewinnen will", sagte er. Vom Corona-Schock haben sich die Fahrgastzahlen bis heute nicht erholt.

Schärfer reagierte der Bundesverband der Verbraucherzentralen: "Die Ticketpreiserhöhungen der Bahn sind unverschämt." Das Unternehmen erhalte Milliarden vom Staat. "Auch aus Gründen des Klimaschutzes muss Bahnfahren attraktiver werden, nicht teurer."

Die Bahn betonte, dass sie Milliarden investiere, etwa in neue Intercity- und ICE-Züge. Für Fahrgäste stiegen das Sitzplatzangebot und der Komfort. Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch forderte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer auf, die Preiserhöhung zu unterbinden. "Der Service hinkt vielfach, die Qualität bleibt hinter den Erwartungen", sagte er.

Zwei Preissenkungen seit Jahresbeginn

Eigentlich ist Bahnfahren gerade günstiger als in den vergangenen Jahren. Im Januar sanken die Preise im Fernverkehr um zehn Prozent. Der Bund hatte die Mehrwertsteuer gesenkt, damit mehr Menschen Bahn fahren, statt ins Auto oder Flugzeug zu steigen. Die Bahn schlug das eins zu eins auf die Preise um. Im Juli folgte die nächste Senkung um 1,9 Prozent. Wieder verzichtete der Bund auf Steuern, dieses Mal, um in der Corona-Krise die Wirtschaft anzukurbeln; dieser Abschlag gilt aber nur bis Jahresende.

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Zugleich erhält das Bundesunternehmen viel Geld vom Staat. Im Klimapaket sind ihr jährlich eine Milliarde zusätzliches Eigenkapital zugesagt worden. Um die Corona-Krise zu bewältigen, soll sie dieses Jahr weitere fünf Milliarden erhalten. Der Bundesrechnungshof aber erwartet, dass der Schaden so groß vermutlich nicht sein werde.

Wer im nächsten Jahr noch zu alten Preisen fahren will, muss bis zum 12. Dezember buchen. Das gilt übrigens auch im Regionalverkehr. Erst zu Wochenbeginn hatten die Bahn und weitere Anbieter angekündigt, dass die Preise dort durchschnittlich um 1,5 Prozent steigen. Das betrifft zwar nur etwa jede fünfte Fahrt - nämlich die außerhalb von Verkehrsverbünden, die ihre Preise selbst machen.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa