Wirtschaft

Weitere Milliarden zur Rettung nötig Banken stressen Irland

Schlechte Nachrichten für den irischen Steuerzahler. Allein die Anglo Irish Bank braucht weitere 34 Milliarden Euro zum Überleben. Aber damit nicht genug: Auch in die Allied Irish Bank pumpt die Zentralbank noch einmal drei Milliarden.

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Brian Lenihan beteuert: Die Banken werden ihren Verpflichtungen nachkommen.

(Foto: REUTERS)

Irland hat die Kosten auf die Abwicklung der Krisenbank Anglo Irish auf bis zu 34 Mrd. Euro beziffert. Diese Summe sei im Extremfall nötig, teilte die Zentralbank in Dublin mit. In ihrem Basisszenario gehen die Notenbanker von Kosten in Höhe von 29,3 Mrd. Euro aus.

Zugleich kündigte die Zentralbank an, dass auch die Allied Irish Bank zusätzliches Geld benötige. Das Kreditinstitut müsse bis Jahresende weitere drei Mrd. Euro erhalten. Finanzminister Brian Lenihan kündigte an, dass seine Regierung wahrscheinlich eine Mehrheit an der Bank übernehme, weil es wohl nicht gelingen werde, private Geldgeber zu finden. Schon jetzt befinden sich 19 Prozent des Geldhauses in Staatsbesitz.

EU nimmt Rettungsplan unter die Lupe

"Die Ankündigungen von heute bringen die Sanierung des irischen Bankensystems einen bedeutenden Schritt voran", erklärte Notenbankchef Patrick Honohan. Irland bemüht sich weiterhin - mit gemischtem Erfolg - die Märkte von der Notwendigkeit und Richtigkeit ihres Kurses in der Bankenkrise zu überzeugen. "Das ist eine Bedingung für eine stabile wirtschaftliche Erholung", erklärte Honohan.

Die EU-Kommission begrüßt den irischen Banken-Rettungsplan und kündigt eine schnelle Entscheidung an, ob sie ihre Zustimmung geben kann. Es sei eindeutig, dass die geplante Restrukturierung von Anglo Irish die Wettbewerbsverzerrungen angehe, die durch die massiven Staatshilfen entstanden seien, sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia. Sobald die EU-Kommission Details zu den Plänen erhalte, werde sie rasch eine Entscheidung treffen.

Der Euro geriet nach der Ankündigung der irischen Zentralbank nur zwischenzeitlich unter Druck. Am Morgen notierte er bei 1,3566 US-Dollar.

Allied verkauft Tafelsilber

Die Allied Irish Bank muss bis Ende des Jahres 7,4 Mrd. Euro an Kapital einsammeln, um Vorgaben der Regierung einzuhalten. Allied Irish hat bereits seinen Anteil von 70 Prozent an der Bank Zachodni an die Banco Santander für 3,1 Mrd. Euro verkauft. Wie eine mit dem Vorgang vertraute Person in der vergangenen Woche sagte, steht das Geldhaus auch kurz davor, einen Anteil von 22,5 Prozent an der M&T Bank aus den USA an die Spanier zu verkaufen. Die irische Regierung hatte bereits im Vorfeld deutlich gemacht, notfalls ihren Anteil von 18,6 Prozent an der Allied Irish erhöhen zu wollen.

Auch die Immobilienfirma Irish Nationwide Building Society benötigt weitere Milliardensummen. Die Regierung werde ihre Hilfe auf 5,4 Mrd. Euro aufstocken, von derzeit 2,7 Mrd., sagte Lenihan. Die Kosten für die Bankenrettung sollen über die kommenden zehn Jahre verteilt werden.

Die Aktien der Allied Irish Banks notierten kurz nach Börseneröffnung mehr als 20 Prozent im Minus, Irlands Börse insgesamt lag jedoch nur leicht im Verlustbereich. Die Risikoaufschläge irischer Staatsanleihen auf vergleichbare deutsche Papiere bewegten sich kaum. Nach Angaben von Marktteilnehmern waren Kosten von bis zu 35 Mrd. Euro für die Anglo-Rettung bereits in den Kursen enthalten, nachdem die Ratingagentur Standard & Poor's diese Summe vorhergesagt hatte.

Der "keltische Tiger" kämpft

Das irische Haushaltsdefizit wird sich nach Aussage des Finanzministers wegen der steigenden Kosten zur Bankenstützung im laufenden Jahr auf 32 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erhöhen. Ein neuer auf vier Jahre angelegter Haushaltsplan solle Anfang November vorgestellt werden, sagte Lenihan in Dublin. Das Land ringt derzeit um das Vertrauen der Märkte, die sich sorgen, ob es die Kosten der Bankenrettungen schultern kann und das höchste Haushaltsdefizit in der EU in den Griff bekommt.

Die Gesamtverschuldung wird sich Lenihan zufolge am Jahresende auf 98,6 Prozent des BIP belaufen. Rechne man Mittel des staatlichen National Pensions Reserve Fund (NPRF) und der National Asset Management Agency (NAMA) hinzu, beliefen sich die Schulden auf 70,4 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Der neue Haushaltsplan soll laut Lenihan Maßnahmen enthalten, mit deren Hilfe das Defizit bis zum Jahr 2014 auf 3,0 Prozent des BIP sinken soll, um das Vertrauen der Investoren am Anleihenmarkt zurückzugewinnen.

Geld wird erst 2011 wieder getankt

Anleger sind verunsichert. Der einzige wesentliche Käufer irischer Papiere sei derzeit die Europäische Zentralbank, sagten Händler. Ohne die Intervention der EZB läge das Zinsniveau, die der "keltische Tiger" für frisches Kapital zahlen muss, noch höher. Als vertrauensbildende Maßnahme kündigte Lenihan an, dass die nationale Finanzagentur (NTMA) für Oktober und November vorgesehene Auktionen nicht durchführen werde.

Beobachter werten dies als Zeichen dafür, dass die Regierung nicht mit einem baldigen Rückgang der Kreditzinsen rechnet. Die Regierung brauche bis weit ins kommende Jahr hinaus keine zusätzlichen Kredite aufnehmen, versicherte er. "Die NTMA wird Anfang 2011 auf normaler Weise an die Bondmärkte zurückkehren." Bis dahin könnten Investoren sich davon überzeugen "dass Irland seinen geplanten Weg einer mehrjährigen Haushaltskonsolidierung bis 2014 fortsetzt", fügte er hinzu.

Quelle: n-tv.de, ddi/dpa/rts

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27.09.10