Wirtschaft

"Kommt nicht so schnell voran" Behörde beanstandet Stromnetzausbau

114634119.jpg

Der Bau neuer Stromtrassen verläuft langsamer als geplant.

(Foto: picture alliance/dpa)

Energiewende, Kohleausstieg, Atomausstieg: Der Wandel der deutschen Energieversorgung läuft auf Hochtouren. Beim Ausbau des dafür benötigten Stromnetzes hakt es nach Meinung der Bundesnetzagentur allerdings. Insbesondere bei der Errichtung neuer Stromtrassen gibt es viele Probleme.

Die Erweiterung des deutschen Stromnetzes entwickelt sich laut der Bundesnetzagentur zu schleppend. "Der Netzausbau kommt nicht so schnell voran, wie es nötig wäre", sagte der Präsident der Behörde, Jochen Homann, in Bonn. Das schlage sich in hohen Kosten für die Systemsicherheit nieder.

1,4 Milliarden Euro kosteten demnach im vergangenen Jahr Maßnahmen wie Leistungsanpassungen von Kraftwerken und die Vorhaltung von Reservekraftwerken, die über die Netzentgelte auf die Verbraucher umgeschlagen werden. Aktuell sind laut Homann rund 7700 Kilometer neue Stromleitungen in Deutschland geplant. Davon befinden sich 4600 Kilometer in Planungsverfahren und nur 1800 Kilometer sind genehmigt. Von den genehmigten Leitungen wurden laut dem Jahresbericht der Behörde Stand drittes Quartal 2018 gerade einmal 950 Kilometer gebaut.

Häufig hakt es bei vielen Stromtrassen an Verzögerungen im Planungs- und Genehmigungsprozess sowie am lokalen Widerstand der Bevölkerung. Am Freitag tritt deshalb das "Gesetz zur Beschleunigung des Energieleitungsausbaus" in Kraft, wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte. Das Gesetz soll die Verfahren beschleunigen, gleichzeitig aber die Öffentlichkeit weiter einbinden und die Umweltstandards erhalten. Dies ist "ein wichtiger Schritt zur Umsetzung der Energiewende", erklärte das Ministerium von Peter Altmaier.

"Enteignungen sind wirklich das allerletzte Mittel"

Homann sagte dazu, er erhoffe sich von der Novelle einen "Beschleunigungsimpuls für die Planungs- und Genehmigungsverfahren". Von mehr Enteignungen für den Netzausbau, wie sie der Wirtschaftsweise Lars Feld in der "Welt" vorschlug, hält Homann hingegen wenig. "Enteignungen sind wirklich das allerletzte Mittel", sagte er. Vielen Grundstückseigentümern gehe es vor allem ums Geld, da fände sich meist eine Lösung. "Ich wünsche mir allerdings, dass öffentlicher Grund etwas großzügiger zur Verfügung gestellt wird", sagte Homann.

Der Netzausbau wird die Behörde noch auf Jahre beschäftigen. So haben die Netzbetreiber im April eine vierte Nord-Süd-Stromautobahn von Schleswig-Holstein nach Baden-Württemberg vorgeschlagen. Auch wollen sie die Südostlink-Trasse zwischen Sachsen-Anhalt und Bayern weiter ausbauen. Insgesamt schätzen die Betreiber den Investitionsbedarf in die Netze an Land bis 2030 auf 61 Milliarden Euro. "Wir überprüfen die Vorschläge der Übertragungsnetzbetreiber derzeit", sagte Homann.

Er verwies zudem auf eine Studie der Netzbetreiber zum Kohleausstieg: "Nach diesen Berechnungen erweisen sich alle beantragten Ausbaumaßnahmen auch bei einem vollständigen Kohleausstieg als erforderlich". Das widerlege die "bei vielen Bürgerinitiativen beliebte These, der Stromnetzausbau diene dem Transport von Kohlestrom".

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de, jpe/AFP

Mehr zum Thema