Wirtschaft

Skandal um manipulierte Zinssätze Bei Barclays rollt erster Kopf

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Marcus Agius gibt seinen Posten auf.

(Foto: REUTERS)

Dass es Versuche gab, den sogenannten Libor-Satz zu beeinflussen, hat die britische Bank Barclays bereits zugegeben. Nun nimmt mit Marcus Angus der Verwaltungsratsschef seinen Hut. Unter Druck steht weiter Vorstandschef Diamond, der am Mittwoch einem Komitee des Londoner Unterhauses Rede und Antwort stehen wird.

Die Manipulationen auf dem Interbankenmarkt und die damit verbundenen Rekordstrafen haben bei der britischen Bank Barclays personelle Konsequenzen. Der Vorsitzende des Barclays-Verwaltungsrates, Marcus Agius, reichte seinen Rücktritt ein. Das Geldinstitut hatte vergangene Woche zugegeben, dass es Versuche zur Beeinflussung des sogenannten Libor-Satzes gegeben habe.

Händler von Barclays hätten bei der täglichen Umfrage zur Libor-Berechnung während der Finanzkrise ungenaue Angaben gemacht und so versucht, den Satz zu manipulieren, hatte die britische Finanzaufsicht FSA festgestellt. Die Bank einigte sich mit den Behörden auf die Zahlung von insgesamt 290 Millionen Pfund.

Der Libor ist der täglich festgelegte Referenz-Zinssatz im Interbankengeschäft. Es handelt sich um Sätze, zu denen die wichtigsten international tätigen Banken des Vereinigten Königreichs am Markt Gelder von anderen Banken aufnehmen beziehungsweise angeboten bekommen.

Agius steht im Zentrum des Libor-Skandals. Der 65-Jährige war bei Barclays seit 2007 an der Spitze des Verwaltungsrats und ist außerdem Vorsitzender der British Bankers' Association, unter deren Federführung der Libor festgelegt wird.

Die Ereignisse der vergangenen Woche hätten der Reputation von Barclays geschadet, sagte Agius. Als Chairman sei es seine Aufgabe gewesen, diese zu wahren. Nun müsse er die Verantwortung übernehmen. Laut Barclays wird Agius im Amt bleiben, bis die Nachfolge geregelt ist.

Vorstandschef nicht aus dem Schneider

Barclays steht ohnehin wegen hoher Management-Gehälter und magerer Gewinne in der Kritik. In der Woche vor der Einigung mit den Behörden um die Libor-Manipulation hatten Barclays-Chef unter Beschuss , Agius und andere Topmanager bereits auf ihre Boni für das laufende Jahr verzichtet. Für die Investoren war dies aber offenbar nicht genug.

Agius hält sich in der Öffentlichkeit weitgehend zurück, im Zentrum der Aufmerksamkeit steht vielmehr Diamond. Nach Agius' Rücktritt dürfte er dann auch wieder im Mittelpunkt des Interesses stehen, wenn er am Mittwoch vor einem parlamentarischen Komitee Rede und Antwort um den Libor-Skandal stehen wird.

Ein Barclays-Sprecher hatte in der vergangenen Woche gesagt, Diamond begrüße die Chance, vor dem Gremium auszusagen, um auf die Vorwürfe zu reagieren. Agius ist laut Plan am Donnerstag an der Reihe.

Quelle: n-tv.de, wne/DJ

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