Höhere Schmiergelder nötig Bestechung in Russland wird teurer

Die in Russland gezahlten Bestechungsgelder steigen dem Innenministerium zufolge kräftig. Als Gründe gelten vor allem Rubelschwäche und hohe Inflation.
Ob im Umgang mit Verkehrspolizisten, mit Behörden oder im Krankenhaus: Wer in Russland Dinge erledigen muss, greift häufig auf ein dort bewährtes Mittel zurück - Bestechung. Und wer meint, es könne in dem Riesenreich in dieser Sache nicht schlimmer werden, der irrt: Die geforderten Summen haben sich innerhalb eines Jahres im Schnitt verdoppelt.
Die durchschnittliche Bestechungssumme liege umgerechnet bei rund 208.000 Rubel (umgerechnet etwa 3000 Euro), berichtete die Zeitung "Iswestija" und berief sich auf Schätzungen des russischen Innenministeriums. Vor einem Jahr sei es noch die Hälfte davon gewesen, hieß es weiter.
Ein Grund für das höhere Schmiergeld könnte der stark gefallene Kurs der russischen Währung sein. Sie hatte angesichts von fallendem Ölpreis, Kapitalflucht und Sanktionen an Wert verloren. Anfang vergangenen Jahres kostete ein Dollar um die 35 Rubel, derzeit sind es 62. Der fallende Rubelkurs und das von Russland verhängte Importverbot für westliche Lebensmittel haben die Inflation in Russland angeheizt, die Preissteigerung lag im Juli bei 15,8 Prozent.
"Beamte haben sich angewöhnt, die Bestechungsgelder in US-Dollar zu nehmen, oder die Summe in Rubel an den Wechselkurs anzupassen", wird ein Mitglied der Gesellschaftlichen Kammer zitiert. Sie ist ein staatliches Organ, welches sich als Bindeglied zwischen Staatsmacht und Gesellschaft sieht.
Einige Experten bezweifeln, ob sich Bestechungssummen so exakt beziffern lassen. Fest steht jedoch: Korruption ist in Russland weit verbreitet. In der von Transparency International erstellten Rangliste liegt Russland auf Platz 136 – knapp vor Uganda, der Ukraine und Bangladesch. Kurz vor Russland finden sich Togo und Pakistan.