Wirtschaft

Suche nach Corona-Impfstoff Biotechfirmen sind Wundermittel auf der Spur

Das neuartige Coronavirus ist eine ernsthafte Bedrohung für die Wirtschaft. Neben vielen Verlierern gibt es aber auch einige wenige Profiteure. Gerade kleine Biotechfirmen haben bei der Entwicklung eines Impfstoffs einen enormen Vorteil gegenüber großen Pharmakonzernen.

Moderna Inc.
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Das neuartige Coronavirus versetzt Gesundheitsbehörden und Börsen in aller Welt in Alarmbereitschaft. Aber wie in jeder Krise gibt es auch hier Profiteure. Die Behandlung von Infizierten und Erkrankten sowie die Forschung an Heil- und Impfstoffen eröffnet große Märkte, in denen sich Dutzende von Firmen und Instituten tummeln. In vielen Ländern, darunter auch Deutschland, forschen staatliche und nicht-staatliche Institute sowie private Unternehmen an Mitteln zur Diagnose, Vorbeugung und Behandlung des Erregers der Atemwegserkrankung Covid-19. Geforscht wird in drei großen Bereichen: schnelle und zuverlässige Tests zum Nachweis des Virus, Impfstoffe sowie passgenaue Therapien.

"Der Wettbewerb unter den Herstellern ist enorm hoch", sagt Molekularbiologe und Fondsmanager bei Medical Strategy, Mario Linimeier, ntv.de. Es gebe mindestens 37 unterschiedliche Firmen und Institutionen, die gerade an einem Impfstoff forschten. Dabei seien Biotechnologiefirmen den klassischen Pharmariesen bei der Entwicklung eines Impfstoffes um einiges voraus. Nach seinem Wissen gebe es momentan nur zwei Pharmaunternehmen, die an einem Impfstoff forschen: Johnson & Johnson und Sanofi.

Der Grund hierfür ist simpel - zumindest für Fachleute: Biotech-Unternehmen setzen auf einen Impfstoff, der auf Boten-Nukleinsäure (mRNA) basiert. Den Patienten wird bei diesem neuartigen Ansatz ein RNA-Molekül gespritzt, das den Bauplan für ein Eiweiß des Virus enthält. Dieser entsteht im Körper des Patienten und veranlasst ihn, Antikörper dagegen zu bilden. Bei konventionellen Impfstoffen ist das komplizierter und dauert entsprechend deutlich länger - deshalb haben Biotechs einen enormen Zeitvorsprung.

"Aktuell führt der US-Biotechkonzern Moderna das Rennen an", sagt Linimeier. Nur basierend auf der Kenntnis des genetischen Codes des Virus, ist es den Wissenschaftlern gelungen, in Rekordzeit einen potenziellen Impfstoff zu entwickeln. Mit diesem Code können Wissenschaftler sogar mit der Impfstoffentwicklung beginnen, ohne dass ihnen eine Probe des Virus vorliegt.

Einen Nachteil hat das Verfahren von Moderna allerdings: Die sogenannte mRNA-Technologie steckt noch in den Kinderschuhen. "Es gibt noch kein auf mRNA basiertes Vakzin mit Zulassung", sagt Linimeier. Klassischerweise braucht ein Impfstoff zwei Jahre, bis er zum Einsatz kommt. In klinischen Studien muss zuerst untersucht werden, ob der Impfstoff nicht nur Immunität gegen das Virus verleiht, sondern auch sicher genug ist, um in der allgemeinen Bevölkerung eingesetzt zu werden.

Bis der Impfstoff von Moderna auf den Markt kommt, werden laut Linimeier noch mindestens 18 Monate vergehen. Dass experimentelle Mittel im Notfall schneller zum Einsatz kommen, hält Linimeier nicht für sinnvoll, "der Schuss kann nach hinten losgehen". Wenn Arzneimittelbehörden voreilig eine Zulassung für einen Impfstoff ohne klinisch validierte Wirksamkeit und Sicherheit erteilen, sei damit niemandem geholfen.

Gilead forscht mit Ebola-Mittel

Gilead Sciences
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Während Impfstoffe der Prävention dienen, forschen Unternehmen auch an Medikamenten, um bestehende Coronavirus-Infektionen zu behandeln. Laut Linimeier werden in mehr als 30 klinischen Studien unterschiedliche Therapeutika zur Akutbehandlung untersucht. Dabei werde teilweise auf bereits entwickelte Medikamente zurückgegriffen, die sich momentan in klinischer Prüfung befinden oder auf zugelassene Medikamente, die eigentlich für andere Erkrankungen entwickelt worden sind.

So untersucht etwa die US-Firma Gilead mit den chinesischen Behörden, ob das gegen Ebola entwickelte Mittel Remdesivir gegen das neue Coronavirus helfen kann. "Erste Untersuchungen haben eine vielversprechende Wirksamkeit gezeigt", sagt Linimeier. Gilead selbst scheint von seinem Medikament so überzeugt, dass das Unternehmen bereits seine Produktionskapazitäten hochgefahren hat. Das Medikament befindet sich bereits in der klinischen Prüfung, erste Ergebnisse werden im April erwartet.

Gerade der Verkauf von Impfstoffen ist potenziell ein großer Markt und lässt Anleger träumen. Nach der Verkündung ihrer Forschungsaktivitäten zum Coronavirus schossen die Wall-Street-Kurse von Moderna und Gilead zumindest zwischenzeitlich in die Höhe. Allerdings sind die Gewinnmargen bei Impfstoffen nicht sehr hoch, da die Dosen anders als etwa Krebsmittel in der Regel günstig abgegeben werden. "Im Markt ist viel Spekulation", sagt Linimeier. Laien rät er, die Finger von Investitionen in Biotechnologie und Pharmakonzerne zu lassen. Dafür sei die Lage zu unüberschaubar und komplex.

Quelle: ntv.de, mit rts/AFP