Wirtschaft

"Buy on rumors, sell on facts" Bleibt Apple auf Kursgewinne abonniert?

Amazon und die Google-Mutter Alphabet haben vorgelegt. Doch die Zahlen des Tech-Riesen Apple genießen am Aktienmarkt noch einmal einen Sonderstatus. Frische iPhone-Details könnten den Aktienkurs rocken. Stichwort: "Superzyklus".

Bei aktuell rasant zulegenden Aktienmärkten werden die Tech-Giganten größer und größer. Selbst der teuerste von ihnen, Apple, hat immer noch Hunger auf Wachstum. Der iPhone-Hersteller verteuerte sich in nur sechs Monaten abermals um 30 Prozent, was dem doppelten Zugewinn des S&P-500 entspricht. Auch Amazon und Alphabet haben prozentual zweistellig an Wert gewonnen.

Solche Kursrallys über kurze Zeiträume sollten eigentlich Alarmglocken schrillen lassen. Doch Apples nachbörslich anstehende Quartalszahlen und - noch wichtiger - das für dieses Jahr erwartete neue iPhone geben den Finanzmärkten Vertrauen auf eine fundamental gerechtfertigte Apple-Rally.

Was macht das iPhone?

Analysten sehen Apple bei einem Gewinn je Aktie von 2,02 US-Dollar je Aktie, was einem Plus von 6 Prozent entspräche. Der Quartalsumsatz sollte um 5,3 Prozent auf 53 Milliarden Dollar zugelegt haben. Zugleich rechnen die Märkte mit einer Steigerung des iPhone-Absatzes um 4,3 Prozent. Das spielt eine enorme Rolle, da Apple weiterhin rund zwei Drittel mit dem iPhone umsetzt.

Doch das alles fällt gar nicht mal so schwer ins Gewicht. Der Markt blickt gebannt auf das neue iPhone. Für gewöhnlich aktualisiert Apple seine Smartphone-Produktpalette einmal im Jahr. Dieses Mal hat das iPhone außerdem zehnjährigen Geburtstag. Daher laufen die Erwartungen derzeit heiß.

Das "Wall Street Journal" berichtete bereits über einen gebogenen Bildschirm und ein ziemlich teures Jubiläumssmartphone. Die Analysten stimmen darin überein, dass im Schnitt das neue iPhone in diesem Jahr erstmals seit drei Jahren wieder mehr kosten wird. 

Typischerweise läuft der Aktienkurs der iPhone-Markteinführung voraus. Dieses Jahr macht da keine Ausnahme. Üblicherweise geht das neue Smartphone immer im September oder Oktober an den Start und in den drei Monaten davor verteuert sich das Apple-Papier im Schnitt um 20 Prozent, so die Bespoke Investment Group. Doch dann ebbt die Rally meist prompt wieder ab. Es gilt die Börsenweisheit: "Buy on rumors, sell on facts." Im Monat nach der iPhone-Ankündigung tritt die Aktie meist auf der Stelle.

"Superzyklus"?

Dieses Mal könnte es anders sein. Analysten der Credit Suisse sind zuversichtlich, dass der "Superzyklus" des iPhone für immer mehr Käufer sorgt, die ihr altes Gerät ersetzen und zudem viele Nutzer von Android-Smartphones hinüberwechseln. Das ist eine goldene Gelegenheit für Apple. Noch liegt Apple in den USA mit einem Marktanteil von 44 Prozent hinter den Android-Geräten mit 52 Prozent.

Vor allem in China spielt derzeit die Musik. Im Vorquartal verbesserte sich Apple zwar im Reich der Mitte. Doch CEO Tim Cook warnte schon vor großen Herausforderungen dort. Zuletzt deuteten die Zahlen an, dass noch eine steinige Wegstrecke vor den Kaliforniern liegt, bis sie in China wieder wachsen.

Auf Kursgewinne abonniert

So schätzen die Experten von JL Warren Capital, dass Apple im Berichtsquartal nur noch 9,6 Millionen Smartphones absetzte nach 12 Millionen Stück im Vorjahr. Offenbar greifen die Nutzer nicht mehr so schnell wie früher nach dem neuesten Modell und die Konkurrenz durch einheimische Rivalen wie Oppo und Vivo gewinnt immer mehr an Schlagkraft.

Trotz der jüngsten Kursgewinne sieht der Preis von Apple mit dem 15-Fachen der erwarteten Gewinne aber weiterhin vernünftig aus. Das ist zwar immer noch kein Schnäppchenpreis so wie früher, aber weiterhin um rund 25 Prozent billiger als im Schnitt die Rivalen - darunter große Namen wie Alphabet, Microsoft und Facebook.

Daher scheint Apple auf weitere Kursgewinne abonniert. Dafür spricht auch der Bargeldschatz, auf dem der Konzern sitzt. Er dürfte nunmehr auf 250 Milliarden Dollar anwachsen. Das weckt Hoffnungen auf Aktienrückkäufe und eine höhere Dividende.

Quelle: ntv.de, Steven Russolillo und Tripp Mickle, DJ