Wirtschaft

Extreme Volatilität Börse schwankt zwischen Krisenpanik und Hoffnung

In den USA und Deutschland werden heute gewaltige Hilfspakete verabschiedet. Auch einzelne Unternehmen können mit positiven Nachrichten aufwarten. Die Börsen drehen allerdings nach zwischenzeitlichen Kurssprüngen wieder ins Minus.

Anleger resignierten Vormittag nach einem Sprung über die Hürde von 10.000 Dax-Punkten schnell wieder. Mit der Einigung auf ein US-Konjunkturpaket im Rücken stieg der Leitindex zwar erstmals seit zwei Wochen zeitweise über die psychologisch wichtige Marke. Der Index legte zunächst viereinhalb Prozent auf 10.137 Punkte zu, fiel aber anschließend wieder in den vierstelligen Bereich.

Im Laufe des Vormittages gab der Dax die Gewinne vollständig ab und lag 0,4 Prozent schwächer bei 9658 Zählern, während sein europäisches Pendant, der Eurostoxx50 ähnlich schwach bei 2706 Punkten notierte.

Zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie machte der US-Kongress den Weg frei für ein zwei Billionen Dollar schweres Hilfspaket. Die Abstimmung über die Wirtschaftshilfen in der Kongresskammer ist im Laufe des Tages geplant.

Dax
Dax 9.632,52

Schlechte Nachrichten kamen jedoch aus den deutschen Chefetagen, wo die Rezessionsängste noch größer sind als befürchtet. Der Ifo-Geschäftsklimaindex für März fiel auf 86,1 Punkte von 96,0 Zählern im Februar. "Das Rezessionssignal ist laut und untermauert die Angst vor einem heftigen Konjunkturabsturz", sagte Ökonom Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe. 

Große Kurssprünge bei Einzelwerten

Marktteilnehmern ging die Börsenhausse der vergangenen Tage ohnehin eine Spur zu schnell. Am Dienstag hatte der Leitindex mit einem Plus von elf Prozent bereits den größten Tagesgewinn seit Oktober 2008 eingefahren. "Solche Rallys erzeugen steile Trends, die durch den Zwang der Eindeckung ausgelöst werden, aber sie sind keine Käufe von neuen, überzeugten, langfristig orientierten Anlegern", erläutert Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets. Eindecken mit Aktien müssten sich beispielsweise Leerverkäufer, die auf fallende Kurse gesetzt haben. Auch computergestützte Handelssysteme spielten bei dem rasanten Anstieg eine Rolle. Die Börse befinde sich aber immer noch in einem Bärenmarkt. "Anleger sollten die aktuelle Erholung mit Vorsicht genießen, die Volatilität ist weiterhin hoch und bekanntlich macht das Hin und Her in solchen Zeiten die Taschen leer", warnte Analyst Salah Bouhmidi vom Brokerhaus DailyFX.

Brent Rohöl
Brent Rohöl 24,54

An den Ölmärkten kippte die anfangs positive Stimmung am Mittwoch ebenfalls. Ein Fass der Nordseesorte Brent verbilligte sich um 1,2 Prozent auf 26,80 Dollar. An den Anleihemärkten kletterte die Rendite der zehnjährigen Bundespapiere auf minus 0,287 Prozent von zuvor minus 0,323 Prozent.

Am Devisenmarkt schwächte sich der Dollar ab. Der Dollar-Index, der die Devise zu anderen wichtigen Währungen misst, fiel um 0,8 Prozent auf 101,20 Punkte. Börsianer blieben aber skeptisch, ob der Run auf die Weltleitwährung durch die US-Geldflut nachhaltig nachlässt. Eon die Spitzenposition im Dax ein und kletterten um bis zu 12,7 Prozent, halbierten ihre Kursgewinne aber anschließend. Ein Anstieg beim Gewinn und der geplanten Dividende erfreute die Anleger. Europaweit waren Aktien aus der Energiebranche gefragt, der Sektorindex legte mehr als vier Prozent zu.

Thyssenkrupp-Papiere sprangen nach Vereinbarungen für die schwächelnde Stahlsparte um bis zu 24 Prozent nach oben. Börsianern gefielen die im Kampf gegen die Krise beschlossenen Schritte wie der Abbau von 3000 Stellen und zugleich massive Investitionen.

Der von der Krise besonders betroffene europäische Reise-und Tourismussektor verzeichnete auf Sicht von zwei Tagen den zweitstärksten Anstieg seit der Finanzkrise 2008. Etliche Fluggesellschaften haben mittlerweile Staatshilfen beantragt. Aktien von Air France-KLM, British Airways-Eigner IAG, Ryanair und EasyJet gewannen zwischen sieben und dreizehn Prozent. Aktien der Lufthansa verloren hingegen mehr als vier Prozent.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa