Wirtschaft

Geheim-Absprachen der Hersteller Bosch offenbar an Auto-Kartell beteiligt

91993878.jpg

Der Zulieferer soll dabei geholfen haben, eine sogenannte Dosierungsstrategie für das Harnstoff-Wasser-Gemisch AdBlue zu entwickeln.

(Foto: picture alliance / Sebastian Kah)

Der Zulieferer Bosch soll Teil des mutmaßlichen Auto-Kartells sein. Medienberichten zufolge lieferte das Unternehmen den Autoherstellern einen günstigen Vorschlag zur Lösung bei der Diesel-Abgasreinigung. Das geht aus internen Unterlagen hervor.

An den geheimen Absprachen der großen deutschen Autobauer soll auch das deutsche Unternehmen Bosch beteiligt sein. Dies berichtet "Spiegel Online" unter Berufung auf interne Unterlagen, die Volkswagen vergangene Woche beim Bundeskartellamt eingereicht hat.

Dem Artikel zufolge half Bosch dabei, für das Harnstoff-Wasser-Gemisch AdBlue eine sparsamere Dosierung zu entwickeln. AdBlue wird bis heute eingesetzt, um giftige Stickoxide aus dem Motor in harmloses Stickstoff und Wasser umzuwandeln. Diese "Dosierungstrategie" führt offenbar zu weniger gereinigten Stickoxiden. Abgaswerte werden dadurch möglicherweise nur auf dem Teststand und nicht auf der Straße eingehalten. Alle wollten eine Limitierung der AdBlue-Einspritzung "wegen der begrenzten Größe der Harnstofftanks", zitiert "Spiegel Online" einen VW-Manager. "Keiner will die wahre Motivation dieser Limitierung den Behörden (CARB, EPA) berichten." Die US-Umweltbehörden CARB und EPA hatten den Dieselskandal enthüllt und Volkswagen, Audi und Porsche Betrug nachgewiesen.

Nachdem Modelle von Mercedes bei Tests koreanischer Behörden aufgefallen waren, sollen die Autobauer auch versucht haben, sich über Abgasstrategien auf dem Markt in Korea abzustimmen. So sollte verhindert werden, dass eigene Tests und Zulassungsverfahren eingeführt würden, weil deutsche Diesel-Fahrzeuge nicht den Anforderungen entsprächen.

Autokonzerne schweigen

Auf Anfragen von "Spiegel Online" wollte sich keiner der Autokonzerne zu den Vorwürfen äußern. BMW habe darauf aufmerksam gemacht, dass nicht jeder Informationsaustausch unzulässig sei. Bei Bosch habe es geheißen, dem Unternehmen seien keine Details zu den Vorgängen bekannt.

Das Bundeskartellamt wollte sich auf Anfrage nicht zu den Berichten äußern. Ein Sprecher verwies auf ein früheres Statement, wonach die Behörde derzeit kein Verfahren zu möglichen Absprachen im technischen Bereich zwischen deutschen Autoherstellern durchführe.

Die Entdeckung einer Abschalt-Software, die die Abgasreinigung im Normalbetrieb der Fahrzeuge stark reduziert, hatte in den USA den Diesel-Skandal bei Volkswagen ausgelöst. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt wegen des Verdachts der Beihilfe zum Betrug bei einer möglichen Manipulation der Abgasnachbehandlung an VW-Fahrzeugen gegen Bosch-Beschäftigte.

Quelle: n-tv.de, jki

Mehr zum Thema