Wirtschaft
In Deutschland werden pro Jahr Hörgeräte für rund 1,5 Milliarden Euro verkauft.
In Deutschland werden pro Jahr Hörgeräte für rund 1,5 Milliarden Euro verkauft.(Foto: imago/fStop Images)
Dienstag, 09. Oktober 2018

Zulassung für Lautsprecher-Marke: Bose schockt Hörgeräte-Hersteller

An der Börse brechen die Aktienkurse etablierter Hörgeräte-Marken ein. Die US-Gesundheitsbehörde erteilt dem für Lautsprecher und Kopfhörer bekannten Hersteller Bose eine Zulassung, die den Platzhirschen aus mehreren Gründen Angst macht.

Eine Nachricht aus den USA hat die Aktionäre führender Hörgerätehersteller in Panik versetzt. Innerhalb von zwei Tagen fielen die Kurse etwa der Schweizer Sonova-Gruppe oder der dänischen Produzenten William Demant und GN Nord Store um zehn Prozent und mehr. Ausgelöst hat den branchenweiten Kurssturz die Zulassung der US-Gesundheitsbehörde FDA für ein neues Hörgeräte-Modell. Damit kommt nicht einfach ein weiteres Produkt zu den Hunderten bislang zugelassenen Geräten auf den Markt, sondern auch ein neuer Konkurrent, dessen Name bei den Platzhirschen offenbar Furcht auslöst: Bose.

Bose ist bislang weltweit vor allem mit Lautsprechern und Kopfhörern erfolgreich. Zum ersten Mal hat das Unternehmen ein Hörgerät entwickelt und nach Ansicht der FDA erfolgreich an 125 Patienten getestet. Die Wirkung des Modells sei vergleichbar mit den Geräten etablierter Hersteller, so die Behörde. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Hörhilfen muss das Bose-Modell allerdings nicht von einem professionellen Akustiker angepasst werden. Stattdessen können die Kunden es selbstständig mithilfe einer App einrichten und steuern. Die FDA bestätigt, dass die Kunden genau das wollen: "Wenn Patienten ihre Bose Hörhilfe selbst anpassen, bevorzugen sie diese Einstellungen generell gegenüber professionellen Anpassungen."

Mit seinem - im Gegensatz zu den meisten Hörgeräte-Spezialisten - weltweit bekannten Markennamen und einem den Kundenbedürfnissen besser entsprechenden Konzept, könnte Bose den Etablierten erhebliche Marktanteile abjagen. Und Bose ist nicht der einzige branchenfremde Hersteller, der sich für diesen Markt interessiert. Das Geschäft mit den im Schnitt weit über 1000 Euro teuren Geräte ist lukrativ und wächst weltweit. Allein in Deutschland wurden 2016 Hörhilfen für fast 1,5 Milliarden Euro verkauft.

Die FDA-Zulassung für Bose inklusive der offiziellen Bestätigung der Kundenzufriedenheit könnte zum Signal für weitere Markteintritte werden, kommentierte eine Analystin der Vermögensverwaltung Bernstein. Bekannt sei zum Beispiel, dass der Elektronikriese Samsung bereits Interesse an Hörgeräten gezeigt habe.

Quelle: n-tv.de